Ulm / LISA MARIA SPORRER  Uhr
Mit einer neuen Informations- und Charme-Offensive wollen SWU Verkehr und Stadt wachsender Kritik am Bau der Straßenbahn auf dem Eselsberg begegnen. Demnächst wird ein Info-Mobil unterwegs sein.

Es wird kräftig gebaggert am alten Eselsberg. In erster Linie für die Linie 2. Aber nicht nur für die neue Straßenbahn. Fast unvermeidlich: Parallel zu den Ausmaßen der Baustellen wachsen Unmut und Kritik. Dies zeigte sich auf der jüngsten Info-Veranstaltung am Eselsberg.

Angekündigt wurde, dass die beiden von SWU Verkehr und Stadt berufenen „Kümmerer“ Werner Reichert und Hans Hengartner demnächst auch vor Ort Präsenz zeigen werden. Mit einem Infomobil werden sie an verschiedenen Standorten entlang der künftigen Trasse der Straßenbahnlinie 2 persönlich die Sorgen der Anwohner entgegennehmen, kündigte Ralf Gummersbach an. Gummersbach ist Infrastruktur-Abteilungsleiter bei SWU Verkehr.

Auch an der Multscherschule am alten Eselsberg wird sich ein Standort des Info-Kleinbusses befinden. Dort ist es wegen der Baustellen besonders eng geworden, die Beschwerden sind ausgeprägt. Einigen Änderungswünschen sei man seit dem Infoabend im Dezember nachgekommen, sagt Ingo Wortmann, Chef von SWU Verkehr. So trat mit Beginn der großen Baumaßnahmen Mitte März ein überarbeiteter Fahrplan für die neu eingerichtete Bus-Pendellinie 8 in Kraft, der zusätzliche Fahrten und verlängerte Betriebszeiten vorsieht.

An den Busverbindungen hatten die Anwohner auch nichts mehr zu beanstanden. Vielmehr fanden einige den Zustand nicht tragbar, dass ihre Kinder vom Lehrer Tal kommend am Mähringer Weg Richtung Schule ohne Baustellenabsicherung zu Fuß gehen müssen. Denn zwischen Lehrer Tal und Multscherschule wird seit einem Monat beidseitig gearbeitet.

Auf der rechten Seite stadteinwärts hätten die Bauarbeiten allerdings nichts mit der Linie 2 zu tun, sagt Johann Karmann, städtischer Oberbauleiter. Denn parallel zu Leitungsverlegungen auf der linken Seite arbeite die Telekom an einem schnelleren Datennetz. „Auf diese Baumaßnahmen haben wir keinen Einfluss“, erläutert Gummersbach.

So sei die Sperrung der Straße Hubenbühl, die ansteht und sechs Wochen dauert, ebenfalls den Bauarbeiten der Telekom geschuldet. Auch die Bagger, die im Mai im Stifterweg und ab Juni im Trollinger- und Rieslingweg anrollen, haben nur wenig mit der neuen Tramlinie zu tun. „Wir schwimmen im Windschatten der Linie 2 mit“, berichtet Karl Zepf von der Fernwärme Ulm.  Die FUG schließt diese Straßen an ihr Fernwärmenetz an .

Abschnitte des Stifterwegs sind während der Bauphase nur als Einbahnstraße befahrbar. Ebenso wie der Mähringer Weg zwischen Stifter- und Weinbergweg, der im Juni nur noch bergauf für Autos frei sein wird. Für die sich dort durch die Baumaßnahmen verschlechterte Parksituation wolle man 80 Parkplätze auf dem Areal der Hindenburgkaserne zur Verfügung stellen, kündigt Gummersbach an.

In der Lise-Meitner-Straße in der Wissenschaftsstadt haben Bauarbeiten begonnen. Die Kienlesbergstraße unten in der Stadt ist bis Mai stadteinwärts wieder befahrbar.

Etwas gegen die Radfahrer unternehmen, die den Mähringer Weg stadteinwärts verbotenerweise als Route nutzen, insgesamt bessere Beschilderungen – das und mehr wolle man zeitnah prüfen, verspricht Wortmann. „Wir haben viele Anregungen. Wir nehmen sie mit und berichten online, sobald Ergebnisse vorliegen.“

 

Info
Unterm Info-Telefon Linie 2 (0731/166 44 66) sind die Baustellenbeauftragten zu festen Bürozeiten erreichbar.
Mail-Kontakt: info@linie2-ulm.de.
Bürozeiten und Lokaltermine des Info-Mobils werden bekannt gegeben unter www.linie2-ulm.de
 

Parkplatz-Probleme

Unmut „Lange haben wir, die Bürger vom Eselsberg – Trollingerweg –, still gehalten. Jetzt gedenken wir, Unterschriften zu sammeln und eine Bürgerinitiative zu starten.“ Das schreibt uns Ahmet Yilan vom Eselsberg. Vor allem im Trollinger Weg herrscht Unmut wegen der Bauarbeiten und Parkplätzen, die nicht mehr genutzt werden können. Yilan: SWU und Stadt könnten nicht zwei Straßen absperren, „uns die Parkplätze wegnehmen und auf die Frage, wo wir parken sollen, antworten, das sei unsere Sorge“. Beklagt wird, dass jedes kleine Vergehen, wie Parken auf dem Randstein, mit Strafzettel bestraft werde.

Ein Kommentar von Hans-Uli Thierer: Gelassen bleiben, so gut es geht

Wundert sich da jemand? Die Eröffnung von Baustellen steht in einem mathematischen Verhältnis zur Empfindsamkeit des Menschen. Je näher eine Baumaßnahme rückt, desto mehr erregt sie sein Gemüt. Je größer ihr Ausmaß, desto lauter das Rumoren über die Folgen. Auf den jetzt voll ins Rollen gekommenen Bau der Ulmer Straßenbahnlinie 2 treffen diese Formeln zu.

So verständlich Klagen am Kuhberg und am Eselsberg über Umwege, Baustellenlärm und -dreck oder über Nacht wegfallende Parkplätze sind: Den Verantwortlichen von SWU Verkehr und Stadt kann nicht vorgehalten werden, sie hätten es nicht kommen sehen. Wie aus tibetanischen Gebetsmühlen klingt es seit Monaten, dass das alles, was wie die Baustellen Sedelhöfe und Bahnhofstiefgarage auch noch kommt, nicht vergnügungsteuerpflichtig wird. Ob alle immer den richtigen Ton treffen, sei dahin gestellt. Nicht untern Tisch fallen darf, dass es neben berechtigen Bürgerklagen auch immer wieder Bürger gibt, die sich im Ton vergreifen. Was Betroffenen und Bauverantwortlichen raten?

Gelassen bleiben, so gut es halt geht. Ein bisschen Augen zu und durch – und am Horizont das Ziel im Auge behalten: Das sind formidable, weil leistungsstarke und sehr städtische Nahverkehrsverbindungen in die Wissenschaftsstadt auf dem Eselsberg und in die Schulstadt auf dem Kuhberg. Auch wenn’s bis 2019 noch eine steinige Wegstrecke ist.