Ulm / ULRIKE SCHLEICHER  Uhr
Trotz der Linie 2-Baustellen konnte der Abfall bislang fast problemlos entsorgt werden. Künftig soll es aber auch Sammelstellen geben. <i>Mit einem Kommentar von Ulrike Schleicher</i>

Die Gelben Säcke stehen aufgereiht vor den Häusern in der Beyerstraße. Am Donnerstag war Abholtag, aber am Freitag standen sie noch immer dort. Kein Wunder, sagt sich der Laie. Wie sollen die Müllfahrzeuge dorthin gelangen? Aus der Straße ist zumindest an diesem Tag ein großer Graben geworden, der zum Gehweg hin mit einem Zaun abgesichert ist.

„Bislang hat das fast problemlos geklappt“, sagt Wendelin Huber, Abteilungsleiter bei der EBU, und bezieht sich auf die Papier- und Restmülltonnen. Nur Ende April konnte einmal nicht geleert werden. „Ansonsten können wir immer auf die Baustellen fahren, auch wenn es aufgrund der Verhältnisse dort für die Fahrer etwas schwerer ist.“ So lange die SWU nichts von sich hören ließen, gehe er davon aus, dass die Baustellen befahrbar seien.

Auch Hannes Österle, Geschäftsführer bei der Recyclingfirma Alba in Burgrieden, die neben anderen die Gelben Säcke in Ulm abholt, hat keine Kenntnis von Problemen: „Unsere Disponenten informieren sich vorab auf der Homepage des SWUüber möglich Schwierigkeiten. Die Seite ist sehr informativ.“

Sollte trotzdem mal ein Fahrzeug nicht an die Häuser herankommen, „gehen unsere Mitarbeiter eben weitere Wege“. Ein höherer Aufwand sei das natürlich schon. Eine andere Möglichkeit ist, Sammelstellen einzurichten. Also: Die Bürger stellen ihre Mülleimer und Gelben Säcke an einen zugänglichen Platz.

Das wird bald etwa im oberen Abschnitt des Mähringer Weges, Ecke Weinbergweg/Stifterweg nötig sein, sagt der Baustellenbeauftragte der SWU, Werner Reichert auf Anfrage. Die Bewohner darüber zu informieren sei jedoch Sache der Eigentümer und Vermieter – „wir kommunizieren das und sie geben es weiter“. Ganz reibungslos seien die Abläufe nie, ist Reicherts Erfahrung. „Wenn die Müllfahrzeuge in den gerade nur einseitig befahrbaren Abschnitt des Mähringer Weges fahren, gibt es hinter ihnen Hupkonzerte.“

Die Bewohner in der Beyerstraße sehen die Situation weitgehend gelassen: „Was soll man machen?“, sagt eine 80-Jährige mit Blick auf den Abfall. Allerdings seien die Gelben Säcke vergangenes Mal eine Woche rumgelegen, waren eingerissen und der Abfall lag verstreut herum. Sie habe vom Vermieter, der UWS, keine Informationen über eventuelle Änderungen bezüglich des Abfalles bekommen. „Deshalb denke ich, dass ich den Sack und die Tonnen vor dem Haus abstellen kann.“

Dass gute Informationspolitik allen Seiten dient, ist in der Beyerstraße 10 zu sehen. Dort hat der Eigentümer den Mietern mitgeteilt, dass die Tonnen in die benachbarte Stephanstraße zu stellen seien. Der Gelbe Sack ebenfalls. Mit der Alternative ihn freitags in die rund 60 Mater entfernte Wagnerstraße zu transportieren. „Also das funktioniert“, sagt Elvira Scheu, Angestellte des Geschäftes für Friseurbedarf in dem Haus. Die Gelben Säcke wurden am Donnerstag abgeholt. Für den anderen Abschnitt der Straße dagegen musste die Recyclingfirma am Freitag nochmal kommen.

 

Grundsatz

Freie Fahrt Für Feuerwehr, Rettungsdienste und Entsorgungsfahrzeuge müssen selbst komplizierte Baustellen stets zugänglich sein, sagt der Baustellenbeauftragte der SWU, Werner Reichert. „Das ist ein Grundsatz.“ Ausnahmen werde es natürlich immer geben.

Ein Kommentar von Ulrike Schleicher: Information ist alles

Für Fahrzeuge gibt es Umleitungen, Fußgänger und Radfahrer schlängeln sich irgendwie so durch. Spaß macht es niemandem: Die Baustellen für die Straßenbahnlinie 2 sind eine Herausforderung für alle Beteiligten. Für diejenigen, die sie planen und organisieren, für die Bauarbeiter und die Bürger. Dass Entsorgungsbetriebe, Kurierdienste und die Post trotz all des Durcheinanders noch immer ihren Job erledigen müssen, vergisst man schnell und erwartet den gewohnten Service. Zwar ist ihnen der Zugang zu jeder Baustelle grundsätzlich zugesichert, wie der Baustellenbeauftragte Werner Reichert betont. In der Praxis aber sieht das wie immer anders aus.

So war die Beyerstraße Anfang vergangene Woche ein einziger Graben und für etwas anderes als Baufahrzeuge kaum befahrbar. Dass die Gelben Säcke in einem Abschnitt der Beyerstraße liegen geblieben sind, ist nicht schön. Aber auch kein Drama. Hätte der Vermieter mitgedacht, wäre es gar nicht erst passiert. Wenn im Mähringerweg demnächst Sammelstellen eingerichtet werden, müssen die Bewohner das frühzeitig wissen, um sich darauf einzustellen. Denn es zeigt sich: Gute Informationspolitik dient allen Seiten. Der Hauseigentümer, der sich kundig macht, die Homepage, die auf dem neuesten Stand ist und die Kommunikation zwischen Entsorger und SWU sind einfache, aber probate Mittel, um nicht noch zusätzlich für Ärger zu sorgen.