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Bahnhofstraße
Ulm / Chirin Kolb  Uhr
Verwaltung und Stadträte sind gleichermaßen froh über das Projekt am Bahnhofplatz 7. Nur die CDU mäkelt noch.

Es war der formale Schlussakt für die Planung am Bahnhofplatz 7: Die Stadträte haben einstimmig den Bebauungsplan für das markante Gebäude, das an die Sedelhöfe grenzt,  beschlossen. Dem Bau mit Einzelhandel im Erdgeschoss, einem Vier-Sterne-Hotel mit 140 Zimmern und einer öffentlichen Bar mit Dachterrasse steht nun nichts mehr im Weg. Der Beschluss bot Stadtplanern und Stadträten Gelegenheit, Rückschau zu halten auf das durchaus umstrittene Projekt.

Uneingeschränkt zufrieden ist die Stadtverwaltung. „Wir sind extrem froh über diesen Beschluss“, sagte Baubürgermeister Tim von Winning. „Dieser Neubau ist die beste Antwort, die wir an dieser Stelle bekommen können.“ Stadtplaner Helmut Kalupa sprach von einem „Leuchtturmprojekt“. Beide hoben die Geschwindigkeit des Planungs- und Genehmigungsverfahrens hervor: Es dauerte nur ein Jahr.

Die meisten Stadträte sind mit dem Tempo ebenfalls äußerst zufrieden. „Herzlichen Dank an die Verwaltung, dass das so schnell ging“, sagte Gerhard Bühler (FWG). Auch der Bauherr DC Developments, der nebenan zudem die Sedelhöfe verwirklicht, habe dazu beigetragen. Dorothee Kühne (SPD) lobte die Bereitschaft zur Zusammenarbeit auf allen Seiten: „Ich habe mich selten so ernst genommen gefühlt von einem Investor.“

„Städtische Knickerigkeit“

Kritischer sieht die CDU das Projekt. Sie trauert der Sichtachse von der Bahnhofstraße zum Bahnhof nach, die mit einem deutlich schmaleren Neubau möglich gewesen wäre. „Wir hätten das machen können, wenn sich nicht kommerzielle Interessen durchgesetzt hätten“, sagte Siegfried Keppler. Sabine Schuler bedauerte, dass es der Stadt nicht gelungen sei, den Bahnhofplatz 7 zu kaufen. Das schaffte erst Investor DC, der deutlich mehr Geld auf den Tisch legte. Schuler sprach deshalb von „städtischer Knickerigkeit“. Dagegen verwahrte sich der Baubürgermeister. Die Stadt müsse mit Steuergeldern haushalten und dürfe nicht einfach jeden geforderten Preis bezahlen.

Eine Blickachse zum Bahnhof wäre möglicherweise schön gewesen, meint die SPD-Fraktionsvorsitzende Kühne. Dennoch sei der vom Ulmer Büro Mühlich, Fink und Partner geplante Neubau ein „Glücksfall. Ohne ihn wären die Sedelhöfe unvollständig.“ Auch die Grünen äußerten sich zufrieden.

Von Winning ging in der Sitzung auch auf die Forderung der IHK ein, mit dem Bau der Sedelhöfe die Fußgängerzone Bahnhofstraße/Hirschstraße neu zu gestalten und vor allem den Bodenbelag auszutauschen. „Damit müssen wir uns in den nächsten Jahren beschäftigen.“ Das Thema werde auch im Innenstadtdialog behandelt. Eine schnelle Lösung werde es aber nicht geben.

Fußgängerzone bleibt erstmal so

In den Sedelhöfen entsteht der künftige Einstein-Platz, und der Eingang in die Bahnhofstraße im Umfeld des Bahnhofplatzes 7 wird neu gestaltet. DC Developments bezahle allerdings die Gestaltung des Einstein-Platzes und einen „relevanten Teil“ an der Bahnhofstraße. Wenn es um die gesamte Fußgängerzone geht, „müssen wir über eine Co-Finanzierung reden“.

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Fertigteile, damit’s schneller geht

Neubau Die Sedelhöfe und das Gebäude Bahnhofplatz 7 sollen gleichzeitig fertig werden. Dazu muss der Investor DC Developments aufs Gas drücken. Denn bis zum Baubeginn am Bahnhofplatz 7 sind die Sedelhöfe schon weiter.

Grabung Am Bahnhofplatz 7 geht es zunächst drei Meter in die Tiefe. Dann rücken Kampfmittelbeseitiger und Archäologen an, sagte DC-Geschäftsführer Lothar Schubert. Danach wird auf die endgültige Tiefe von sechs Metern gebuddelt. Im April sollen die Rohbauarbeiten beginnen. Um mit dem angrenzenden Haus 1 der Sedelhöfe gleichzuziehen, werden dann auch Fertigteile verbaut.

Fassade Der Neubau Bahnhofplatz 7 kostet rund 40 Millionen Euro. Um Kosten zu sparen, hat Schubert überlegt, die markante, 4 Millionen Euro teure Keramikfassade wegzulassen. Davon ist er wieder abgekommen: Die Simulation sah nicht gut aus. Die Fassade bleibt also wie vom Büro Mühlich Fink vorgeschlagen.