Burlafingen Wechsel in Burlafingen: Welterfahrener Neuling als Pfarrer

Pfarrer Tochukwu Stanislaus Igbasi hat am 1. September seine neue Pfarrstelle in Sankt Konrad in Burlafingen angetreten.
Pfarrer Tochukwu Stanislaus Igbasi hat am 1. September seine neue Pfarrstelle in Sankt Konrad in Burlafingen angetreten. © Foto: Lars Schwerdtfeger
Burlafingen / EDWIN RUSCHITZKA 15.09.2016
Er hat viel von der Welt gesehen, ist hochgebildet – und dennoch ein Neuling. In Sankt Konrad in Burlafingen tritt Stanislaus Igbasi seine erste Pfarrstelle an.

Er hat schon einiges von der Welt gesehen. Er ist hochgebildet, spricht fünf Sprachen und ist dennoch ein Neuling. In Sankt Konrad in Burlafingen hat Pfarrer Stanislaus Igbasi als Pfarrer seine erste Pfarrstelle angetreten.

Eigentlich heißt er mit Vornamen Tochukwu, den Stanislaus hat er einfach dazubekommen. Der lässt sie auch leichter aussprechen, vor allem die Abkürzung „Stani“, gegen die er nichts einzuwenden hätte, sollte er so angesprochen werden. Die Sankt-Konrad-Gemeinde in Burlafingen hat also nahtlos einen neuen Pfarrer erhalten, nachdem der Inder Jolly Joseph Karakkunnel (75) nach 15 Jahren die Gemeinde in Richtung Heimat verlassen hat. Somit bleibt Sankt Konrad weiter international, denn der Neue ist Nigerianer.

Geboren ist er am 8. Juni 1977 in der Millionenstadt Onitsha am Fluss Niger im Südwesten des afrikanischen Staates, in den über 181 Millionen Menschen leben. Im christlichen Südwesten ist er aufgewachsen, denn in ganz Nigeria, so erzählt Pfarrer Igbasi, halten sich die Christen und und Muslime in etwa die Waage. Und das durchaus mit Spannungen und auch blutigen Auseinandersetzungen, vor allem im Norden des Landes, der überwiegend muslimisch geprägt ist. Diesbezüglich seien nur die Taliban-nahen Boko Haram erwähnt. Davon aber hat Stansilaus Igbasi im Südwesten nicht viel mitbekommen. Er stammt aus einem gebildeten Elternhaus mit fünf Geschwistern und er ist nach der Grundschule gleich in das Priesterseminar eingetreten, eine Art gymnasiales Internat. Von den 100 jungen Männern, die mit ihm deingeschult wurden, waren nur noch 18 beim Abschluss dabei. Danach studierte er in Nigeria vier Jahre lang Philosophie. Von 2002 an studierte er dann im nordspanischen Navarra Theologie. Zwei Jahre arbeitete er als Kaplan im Bistum Awka in seiner nigerianischen Heimat, bevor er 2007 nach Rom ging, dort promovierte. Seinen Doktortitel erhielt er im Fachbereich Moraltheologie.

2011 kam Stanislaus Igbasi schließlich nach Deutschland, lernte in der Akademie Klausenhof, nicht weit von Bocholt entfernt, die deutsche Sprache, die er neben seiner Muttersprache Igbo, Englisch, Spanisch und Italienisch beherrscht. Bis zu seinem Wechsel nach Burlafingen war er fünf Jahre lang Kaplan in der Pfarrei Sankt Josef in Bocholt.

Jetzt also Burlafingen, wo er seit dem 1. September den etwa 2600 Katholiken vorsteht. Wobei sich Stanislaus Igbasi gar nicht als Chef fühlt, das auch gar nicht sein will. Er will vielmehr mitten im Leben der Kirchengemeinde, im Dorfleben stehen, dort helfen, wo er helfen kann, vor allem den Kranken. Eine Haushälterin hat er in Sankt Konrad nicht. „Ich bin zu jung und muss alles selbst machen, also kochen, putzen und was sonst noch dazu gehört.“ Immerhin hat er im Pfarrhaus ein neues Bad bekommen. Und auch die Räume sind neu gestrichen worden.

Kontakte zu den Burlafingern hat er schon geknüpft, er wurde auch schon zum Mittag- oder Abendessen eingeladen. Am Sonntag, 18. September, 18 Uhr, steht die feierliche Amtseinführung an, die der Neu-Ulmer Dekan und Stadtpfarrer von Sankt Johann, Markus Mattes, leiten wird. Darauf freut sich Stanislaus Igbasi schon. Und davon wird er gleich seinen Eltern und Geschwistern berichten, zu denen er täglich Kontakt hat. Dem Internet und dem dort gestützten Internet-Telefondienst Skype sei Dank.

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