Ulm / Frank König

Man muss als Jugendlicher schon recht gut drauf sein, um sich abseits von Schule und Instagram mit Themen zu befassen wie: „Übers Wasser drehen – Wasserschlacht mit Magnus, Bernoulli und Newton“. Dieses Problem der Physik untersuchen beim 16. Ulmer Regionalwettbewerb von „Jugend forscht“ drei Schüler des Robert-Bosch-Gymnasiums in Langenau. Sie haben eine sehenswerte Versuchsanordnung im Foyer der Donauhalle aufgebaut, die man auch heute beim Tag der offenen Tür bewundern kann (siehe Infokasten).

Jedenfalls hält dabei ein Wasserstrahl ein Styroporrad wie in einem Schwebezustand – wobei verschiedene Kräfte auf das Rad einwirken, wie Fabio Briem gestern fachkundig der Jury erläuterte. Das Trio sägt die Räder selber aus, da sie für die scheinbare Anhaftung an dem über sie hinweggehenden Wasserstrahl eine spezielle, nicht abgerundete Ober­fläche brauchen. Mit dieser wissenschaftlichen Arbeit waren die Langenauer gleich Kandidat für einen der Regionalsieger, die heute unter dem Juryvorsitzenden Jochen Krüger (Didaktik-Seminar in Weingarten) gekürt werden.

Ein umfangreiches Experiment hatten in der Sparte „Arbeitswelt“ auch Schüler vom Schubart in Ulm gestartet, als Reaktion auf eine Sendung im Fernsehen. Dabei wurde von einem Konzentrationsmangel beim Autofahren durch Elektrosmog in vernetzten Fahrzeugen berichtet. Die Schüler testeten Versuchspersonen im Wlan-Umfeld – gemessen in Watt pro Quadratmeter – per EEG. Sie konnten jedoch während der Testphase nichts feststellen.

Tauchen mit der Cloud

Das Schubart war zudem mit dem Thema „Ulmer Himmel zum Mitnehmen“ vertreten. Dabei handelt es sich um einen Prototyp für ein per Internet-Zugriff steuerbares Teleskop. Am Scholl-Gymnasium in Ulm ist die „Dive-Cloud“ entstanden, die schnorchel-ähnliches Tauchen ohne schweres Gerät über längere Zeiträume ermöglicht – mit Versorgungsstation auf der Wasseroberfläche.

Unter den insgesamt 57 Wettbewerbsarbeiten, davon 21 in der Kategorie „Schüler experimentieren“ (bis 14 Jahre), befanden sich auch hoffnungsvolle Beiträge mit Einsatz künstlicher Intelligenz: wie eine fotogesteuerte Sortierung von Kleinteilen in einem aus Fischertechnik gebauten Hochregallager. Wiederum Schüler aus Langenau hatten Hard- und Software für einen Konferenzmanager konstruiert, der Lehrerkonferenzen verbessern soll. In der Sparte Biologie hatte man in Nachbarschaftshilfe noch eine Gruppe aus Leutkirch hinzugezogen, die veganes Leder mit Hilfe eines Kombucha-Pilzes erzeugt und dafür schonmal ein Start-up gegründet hat. Auch in der Chemie gab es ökologische Projekte: für Flow-Batterien wird statt Vanadium das pflanzlich vorkommende Alizarin verwendet.

Organisator des Nachwuchs­events ist wie immer die Innovationsregion. Sie hatte für die insgesamt 106 Schüler auch ein Rahmenprogramm mit Besichtigung von Hensoldt und Abendessen bei Husqvarna organisiert. Heute geht die Ehrung der Sieger über die Bühne, die am Landes- und später Bundeswettbewerb im Mai in Chemnitz teilnehmen können.

Juryvorsitzender Krüger sagte, für Ulm seien acht bis neun Regionalsieger vorstellbar. Die fast 30 Juroren bewerten die Arbeiten diesmal in einem neuen Verfahren: mit einem ersten Audit über 25 Minuten und einer kurzen Zweitbewertung durch ein anderes Team, Stichwort: zweite Chance. Für die Mädchenquote erwies sich als vorteilhaft, dass diesmal auch St. Hildegard vertreten war. Eine wichtige Rolle bei der Betreuung spielt das Schülerforschungszentrum Bad Saulgau.

Heute Ausstellung

Besichtigung Die Ausstellung mit den 57 Wettbewerbsarbeiten von „Jugend forscht“ und „Schüler experimentieren“ in der Donauhalle mit Foyer ist heute, Samstag, von 10.30 bis 14.30 Uhr für die breite Öffentlichkeit zugänglich. Um 15 Uhr werden beim Festakt die Regionalsieger gekürt.