Abt Was plant Drogerie Müller mit Abt?

Drogerie Müller übernimmt Abt, aber die Traditionsmarke am Münsterplatz soll auch in Zukunft möglichst unverändert bleiben.
Drogerie Müller übernimmt Abt, aber die Traditionsmarke am Münsterplatz soll auch in Zukunft möglichst unverändert bleiben. © Foto: Lars Schwerdtfeger
Ulm / Frank König 08.08.2017
Nach der Übernahme des traditionsreichen Ulmer Haushaltswarengeschäfts durch Müller überwiegen die positiven Stimmen. Auch die 100 Mitarbeiter sind erleichtert.

Der Verkauf des Traditionshauses Abt an Drogerie Müller kam für viele Beobachter der Handelslandschaft in Ulm vollkommen unerwartet. So konnte auch Citymanager Henning Krone die Nachricht von der Übernahme des Geschäfts für Haushaltswaren durch den Müller-Konzern kaum glauben. Er zeigte sich allerdings zuversichtlich, dass Firmenchef Erwin Müller (84) als Ulmer Unternehmer die Marke Abt erhalten und pflegen werde: „Müller weiß, was Abt für Ulm bedeutet.“ Aus Sicht des Citymanagers ist das große Haus am Münsterplatz eine Attraktion auch für das Einkaufspublikum aus der Region. Es handle sich um einen Publikumsmagneten mit enormer Sortimentsbreite.

„Nicht unschlau“

Krone erinnerte in diesem Kontext auch an die Kinderabteilung und den jährlichen Weihnachtsmarkt. Das sei „mit Liebe“ gemacht. Man müsse sich natürlich die Frage stellen, ob ein Konzern dieses Angebot  aufrechterhalten könne. Allerdings seien auch bei der Übernahme von Walz durch Reischmann Bedenken wegen Umstrukturierungen aufgekommen, die sich nicht bestätigt hätten. Krone ist daher überzeugt: „Das Sortiment bleibt wie bisher.“

Andererseits habe es durchaus Charme, über Erweiterungen mit Müller-Sortimentslinien wie Parfümerie nachzudenken: „Das ist nicht unschlau.“

Eins der Aushängeschilder unter den familiengeführten Geschäften in der Einkaufsstadt Ulm ist auch Sport Sohn. In der Chef­etage war Christoph Holbein „total überrascht“ vom Besitzerwechsel bei Abt. Seine Überzeugung ist jedoch: „Das wird kontinuierlich weitergehen.“ Holbein ist der festen Meinung, dass Erwin Müller die Marke Abt ausbauen wird, zumal er unweit entfernt schon über eine gutgehende Drogerie-Filiale in der Hirschstraße verfügt. Ein wichtiger Erfolgsfaktor sei: „Müller kennt sich mit den Sortimenten aus.“

Testfeld für Präsentationen

Holbein hält es sogar für denkbar, dass Erwin Müller aus Abt eine Art Flagship-Store macht, in dem wie auf einem Testfeld neue Sortimente ausprobiert werden: „Das machen andere genauso.“ Auf diese Weise könnten neue Formen der Präsentation im stationären Handel entwickelt werden. Holbeins Fazit lautet: „Das wird eine ganz gute Geschichte.“

Seitens der Verkäufer des 1879 gegründeten Unternehmens Carl Abt machte der bisherige Chef Hermann Hutter nochmal deutlich, dass Müller nicht nur die geschäftlichen Aktivitäten von Abt inklusive des Online-Shops übernommen hat. Vielmehr hat Müller von Hutter und seinen Mitgesellschaftern auch die Immobilie am Münsterplatz mit 5000 Quadratmetern Verkaufsfläche erworben. Es gibt keinerlei Angaben zum Verkaufspreis – auch nicht zu den von Abt erzielten Umsätzen. Branchenbeobachter schätzen den Wert der am Montag wirksam gewordenen Transaktion aber auf einen Betrag nicht unter 15 Millionen Euro.

Hutter hatte Abt nach der 2004 im Zuge einer Insolvenz erfolgten Übernahme in mehreren Stufen modernisiert und umgebaut. Soeben wurden auch die Schaufenster-Anlage erneuert und in der zweiten Etage neue Oberlichter eingebaut. Außerdem wurde die Klimaanlage erweitert. Auch die Umstellung auf energiesparendes LED-Licht wurde fortgesetzt. Hutter hatte gleichwohl angedeutet, dass die Verkaufsflächen bei Abt eigentlich etwas zu groß für das Sortiment sind.

Die etwa 100 Mitarbeiter bei Abt wurden ebenfalls am Montag von dem Besitzerwechsel informiert. Wie zu hören ist, herrschte Erleichterung, dass die Traditionsfirma mit einem verlässlichen neuen Arbeitgeber fortgeführt wird. Das Küchenstudio „Tavola“ bei Abt soll übrigens für Koch-Kurse und -Events beibehalten werden. Erwin Müller habe daran Gefallen gefunden.

Rathaus zuversichtlich

Müller hatte einen Steinwurf entfernt in der Hirschstraße schon das frühere Haushaltswarengeschäft Laumayer übernommen, abgerissen und das Sortiment in seine Filiale in der Hirschstraße integriert. Den Neubau hat er 1993 an K+L vermietet. Direkt westlich schließen dann die Falschebner-Immobilien an, die über Volker Gondrom einerseits an Jack & Jones und außerdem in den früheren Kammerlichtspielen an den Disco-Club Theatro sowie an das Café Nia vermietet sind. Diese Konstellation erläuterte nun noch einmal Albert Falschebner.

Im Rathaus hatte OB Gunter Czisch die Übernahme von Abt durch Müller positiv bewertet. Es handle sich um ein Bekenntnis zum Standort Ulm. Weiter heißt es in einem Statement: „Für die Beschäftigten übernimmt einer der größten Arbeitgeber im Handel in der Region das Traditionshaus.“ 

Müller verfügt über insgesamt 810 Filialen

Standorte Drogerie Müller verfügt über die Vorzeige-Filiale Hirschstraße hinaus über mehrere Standorte in Ulm/Neu-Ulm. Dazu gehört die Frauenstraße, wo Müller außerdem Eigentümer der Tiefgarage Rosengasse und des an Thea Aulinger verpachteten Comfor-Hotels ist. Es gibt weitere Läden im Blautalcenter, in Böfingen, Söflingen, in der Römerstraße, in Neu-Ulm in der Augsburger und Wegener Straße sowie in Offenhausen in einem früheren Friseurgeschäft Müllers. Der Konzern verfügt über 810 Standorte, davon 535 im Inland. 34.000 Mitarbeiter. Firmenchef Erwin Müller ist für Stellungnahmen kaum zu sprechen.