Nicht nur die 200 bis 300 weiß-blauen Car2go-Smarts haben in den vergangenen Jahren das Straßenbild geprägt, sondern auch die durch blaue Umrandung gekennzeichneten Car2go-Parkplätze. Was aus ihnen wird, wenn das vom Daimler-Konzern betriebene Mietautokonzept zum Jahresende ausläuft? "Ich gehe davon aus, dass sie wegfallen und die Flächen wieder öffentlicher Raum werden", sagt Thomas Feig, Chef der Abteilung Verkehrsplanung der Stadt Ulm. Zum einen, weil Car2go für die Plätze künftig keine Nutzungsgebühr mehr zahle. Zum anderen, weil die Plätze für Smarts ausgelegt seien.

Mehr Fläche wünscht sich dagegen Confishare, zweitgrößter und ältester professioneller (seit 2006) Ulmer Carshahring-Anbieter. "Bisher wurde uns das verwehrt", sagt Udo Eckert, Kaufmännischer Leiter von Confishare. Das Unternehmen, aktuell mit 16 Autos präsent, will nach dem Aus von Car2go aufrüsten und seine Flotte auf 50 Fahrzeuge - überwiegend Elektroautos - erweitern. Stadt und SWU müssten allerdings die entsprechenden Voraussetzungen schaffen, fordert Eckert. Schließlich sei auch Car2go in den vergangenen Jahren subventioniert worden. Konkret denkt Eckert an Ladesäulen und die Bereitstellung von "attraktiven" Parkplätzen im Zentrum, für die man auch bezahlen würde. Zwischen 50 und 150 Euro pro Stellplatz werden Confishare bisher in Rechnung gestellt.

Wie bei Car2go buchen Confishare-Kunden ihr Auto via Internet, Smartphone oder Telefon, allerdings mit einer halbstündigen Vorlaufzeit, was Spontanmieten unmöglich macht. Die Gebühren richten sich nach Zeit (2 Euro pro Stunde) und Strecke (20 bis 25 Cent pro Kilometer).

Bedauert wird das Aus von Car2go durch die Bank weg von allen Stadtratsfraktionen. Was zu tun ist, bewertet man allerdings unterschiedlich - zuletzt etwa hatte die CDU eine mögliche Kooperation mit BMW ins Spiel gebracht.

Im Gegensatz zu den Grünen sehen die Freien Wähler keinen Handlungsbedarf für Stadt oder SWU. "Die Vorstellung, dass die Stadt ein ähnlich gelagertes Angebot auf den Weg bringt und finanziert, ist weder real noch wünschenswert", heißt es in einer Mitteilung der FWG. Sinnvoller sei da schon der Ausbau des Angebots von Bahn, Bus und Tram. Kommerziellen, nicht subventionierten Carsharing-Angeboten anderer Anbieter stehe man allerdings positiv gegenüber.

Die Fraktion Grüne Ulm hoch drei fordert unterdessen ebenso wie die SPD, das Thema "Carsharing" noch in diesem Jahr im zuständigen Gemeinderatsausschuss zu diskutieren. Die CDU-Nachwuchsorganisation Junge Union wiederum ("Wir sind entsetzt, dass Car2go ausgerechnet seiner Geburtsstadt den Rücken kehrt") fordert die Stadt auf, Daimler durch weitere Subventionen oder eine städtische Beteiligung zum Bleiben zu bewegen. Gerade für junge Menschen sei Car2go die Alternative zum eigenen Auto, heißt es in einer Mitteilung.

Enttäuschung auch beim Nahverkehrsverbund Ding. Erst im Juli hatte man mit großem Werbeaufwand das "Ticket to mix" eingeführt. Kunden bekommen neben einer Jahreskarte für Bus und Bahn monatlich 60 Freiminuten für Car2go. "Das Angebot verliert jetzt natürlich an Attraktivität", sagt Ding-Marketingleiter Markus Zimmermann. Zwar sei Car2go offizieller Vertragspartner bei "Ticket to mix", in die Pflicht nehmen könne man das Unternehmen aber nicht.

Ein Kommentar von Christoph Mayer

Und doch in der Pflicht. So einfach liegen die Dinge manchmal. Ein knallhart wirtschaftendes Unternehmen wie Daimler startet in Ulm mit Car2go ein international beachtetes Pilotprojekt. Bilanz nach fünf Jahren: Das Mietautokonzept - inzwischen global erfolgreich - rechnet sich in einer vergleichsweise kleinen Stadt nicht. Das Projekt wird beendet.

Natürlich ist es vor diesem Hintergrund naiv, nach der öffentlichen Hand zu rufen, die doch nun bitte als Ersatz einspringen möge, wie es die Grünen reflexartig getan haben. Und doch steht die Stadt in der Pflicht. Sie hat den gewiss nicht darbenden Daimler-Konzern in den vergangenen Jahren gehätschelt: Ausnahmeregelungen ermöglicht, günstig Parkflächen zur Verfügung gestellt, sich im Glanz des Konzepts gesonnt, dafür geworben - und so einer Fast-Monokultur den Weg geebnet. Mit der Folge, dass Ulm nach dem Rückzug von Car2go auf dem Feld des Car-Sharing um Jahre zurückgeworfen ist. Andere Städte sind mittlerweile weiter.

Deshalb: Den gleichen Verwöhnkurs haben jetzt (endlich!) auch kleinere Anbieter verdient. Zumal mit Confishare ein der Philosophie des Auto-Teilens viel länger verbundenes Unternehmen in Ulm Gewehr bei Fuß steht. Die von Confishare anvisierte Aufstockung der Fahrzeugflotte von 16 auf 50 Autos hat jede mögliche Unterstützung durch die Stadt verdient. Ideell und finanziell. Warum nicht auch durch kostenlose Parkplätze? Es werden ja bald jede Menge frei.