Ulm Was ist gerecht?

"Wir werden älter, weniger, bunter". Kaum ein Thema wird die Gesellschaft so stark beschäftigen wie die demographische Entwicklung, sagt Annette Schavan, die die "6. Ulmer Denkanstöße" als Schirmherrin eröffnete. Foto: Matthias Kessler
"Wir werden älter, weniger, bunter". Kaum ein Thema wird die Gesellschaft so stark beschäftigen wie die demographische Entwicklung, sagt Annette Schavan, die die "6. Ulmer Denkanstöße" als Schirmherrin eröffnete. Foto: Matthias Kessler
Ulm / CHRISTOPH MAYER 15.03.2013
Gelingt Gerechtigkeit zwischen Jung und Alt? Mit dieser Frage beschäftigen sich die "Ulmer Denkanstöße". Gestern war Auftakt im vollen Stadthaus.

Alle wollen Gerechtigkeit, je mehr davon desto besser. Sie ist das Fundament, auf dem der Sozialstaat fußt. Und so versprechen Politiker jedweder Couleur ihren Wählern immer mehr davon, füttern die komplizierten Verteilungsapparate moderner Gesellschaften damit.

Gleichzeitig wächst die Staatsverschuldung, was nicht im Sinne der Generationengerechtigkeit ist. "Die Zukunft hat schwache Advokaten, denn der Sozialstaat kennt nur eine Zeit: die Gegenwart." Rhetorisch brillant und - wie es sich für einen Philosophen gehört - mit teilweise provozierenden Thesen eröffnete Wolfgang Kersting gestern Abend im Stadthaus die "Ulmer Denkanstöße". Damit war den drei Veranstaltern - Humboldt-Studienzentrum der Uni, Stadt Ulm sowie Stiftung Kunst und Kultur der Sparda Bank - ein gelungener Auftakt beschert, gehört der in Kiel lehrende und 2012 mit dem Freiheitspreis der Friedrich-Naumann-Stiftung ausgezeichnete Philosophie-Professor auf dem Feld der Gerechtigkeitsforschung doch zu den führenden Theoretikern der Gegenwart.

Kann angesichts einer immer älter und gleichzeitig immer kinderärmer werdenden Gesellschaft Gerechtigkeit zwischen den Generationen gelingen? Ist die Zukunft silbern? Oder grau? Das ist das Thema der nunmehr sechsten Auflage der Ulmer Denkanstöße, die deren Schirmherrin Annette Schavan eingangs als "inspirierendes Forum und Impulsgeber für die Stadt" bezeichnet hatte. Nicht nur die Ex-Bundesforschungsministerin sieht das so. Angesichts eines generationenübergreifend übervollen Stadthauses war offensichtlich: Die Ulmer mögen Denkanstöße.

Dass das Miteinander der Generationen ein, wenn nicht der Erfolgsfaktor schlechthin sein kann, unterstrich Uni-Präsident Karl-Joachim Ebeling. Schließlich sei seine Universität ein Paradebeispiel für die Zusammenarbeit von Jung und Alt. "Die Lehre der Alten ging ohne die Jungen ins Leere. Und ohne Wissen, Erfahrung und Güte der Alten wären die Jungen verloren."

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