Zusammenleben Was ist Autismus?

Ulm / Emily Rapp, Ferdinand-von-Steinbeis-Schule Ulm, Klasse TGG 11/1 29.01.2018

Autistische Menschen unterscheiden sich von neurotypischen Menschen darin, dass ihre Wahrnehmung meist feiner ist, aber anders verarbeitet wird. Ihnen fehlt eine Filterfunktion, die Wichtiges von Unwichtigem trennt. Alltägliche Handlungen wie zum Beispiel Haare kämmen, Zähne putzen oder duschen werden zur großen Herausforderung. Der Wasserstrahl der Dusche wird als sehr unangenehm empfunden und das Kämmen der Haare könnte mit Nadeln, welche in die Kopfhaut stechen, verglichen werden. „Somit werden tägliche Routinehandlungen für Autisten zu Herausforderungen,“ erklärt Irmengard Eder, Studienrätin im Förderschuldienst an der Lindenhofschule in Senden.

Autistische Menschen haben in den folgenden Bereichen eingeschränkte Fähigkeiten: beim Kommunizieren und Interagieren, beim Aufnehmen sozialer Beziehungen und durch mangelnde Fantasie, Spielfähigkeit sowie geringes Abstraktionsvermögen. Oft haben sie mit Zwängen und Ängsten zu kämpfen.

„Neurotypische Menschen orientieren sich unbewusst an der Gruppe. Mimik, Gestik und Körperhaltung werden automatisch gelesen und beantwortet. Diese Fähigkeit besitzen Autisten nicht,“ sagt Eder. Unsere Gesellschaft ist geprägt von unausgesprochenen Werten, Normen, Benimm-Regeln und nonverbaler Kommunikation – alle diese Dinge verstehen Autisten nicht. Sie sagen genau das, was sie denken, auch wenn dies für andere verletzend ist, weil sie sich nicht in ihr Gegenüber hineinversetzen können. Eder berichtet von einer Erstklässlerin der Lindenhofschule. Diese sagte bei ihrer Einschulung in Anwesenheit des Lehrers: „Diesen Lehrer will ich nicht, der ist mir zu klein“.

Es gibt zwei Arten von Autisten: die frühkindlichen Autisten, welche meist mit einer geistigen Behinderung oder Intelligenzminderung zur Welt kommen (nur die Hälfte dieser Menschen kann sprechen) und die Asperger Autisten, unter ihnen findet man auch Hochbegabte.

Wie genau Autismus entsteht, ist noch nicht ausreichend erforscht. Bekannt ist, dass es bei allen autistischen Menschen vor, während oder nach der Geburt zu einer Schädigung im Gehirn kommt, welche in den allermeisten Fällen durch Sauerstoffmangel ausgelöst wird. Inwieweit Autismus genetisch bedingt ist, konnte noch nicht geklärt werden.

Zu hohe Erwartungen

In der Bevölkerung sind etwa 19 von 10 000 Menschen von Autismus betroffen. Zählt man die Menschen mit dem Asperger-Syndrom hinzu, sind es sogar 93 von 10 000. Dabei steigt die Anzahl der Autisten in unserer Gesellschaft kontinuierlich an. Jungen sind vier Mal häufiger von Autismus betroffen als Mädchen.

Das familiäre Zusammenleben mit einem autistischen Kind ist oft anstrengend für alle Beteiligten. „Ein Autist kann die Erwartungen seiner Eltern und Mitmenschen nicht erfüllen, welche meist viel zu hoch gesetzt sind“, erklärt Eder vom Sonderpädagogischen Dienst. Eltern wissen oft nicht mit der Situation ihres Kindes umzugehen, ebenso wie Geschwister. Oft kommt es zu Spannungen innerhalb einer Familie. Autisten können ihre eigenen Gefühle und die ihrer Mitmenschen oft nicht verstehen oder mitteilen. „Die Welt ist in den Augen eines Autisten ein unverständliches Chaos“, erläutert Eder.

Ein wenig Humor und ein liebevoller Umgang miteinander erleichtern nicht nur das Zusammenleben mit neurotypischen Menschen, sondern vor allem das mit Autisten, da Humor das beste Mittel gegen Stress ist. Unvoreingenommenheit und Akzeptanz sind ebenfalls hilfreiche Wegbegleiter.

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