Ulm Was heißt denn da Gold-Ochsen-Wiese?

Ulrike Freund: Gold-Ochsen-Wiese gehört nicht Gold Ochsen.
Ulrike Freund: Gold-Ochsen-Wiese gehört nicht Gold Ochsen. © Foto: Marc Hoerger
Ulm / HANS-ULI THIERER 09.12.2015
Stets ist im Zusammenhang mit einem Stellplatz für Wohnmobile, der beiden Städten nahe Donaubad und Freizeitbad Wonnemar vorschwebt, vom der „Gold-Ochsen-Wiese“ die Rede. Doch die hat mit Gold Ochsen gar nichts zu tun.

 Wenn Gold-Ochsen-Chefin Ulrike Freund das hört, geht ihr der Hut hoch. Erst recht, wenn dieser Terminus in offiziellen Verlautbarungen auftaucht. So geschehen unlängst wieder in wortgleichen Drucksachen für den Ulmer Gemeinderat und den Neu-Ulmer Stadtrat, auf denen es heißt: „Einrichtung eines Wohnmobilstellplatzes auf der sog. ,Gold-Ochsen-Wiese’ Neu-Ulm.“

Für Ulrike Freund war das zum wiederholten Male Anlass, aus der Haut zu fahren. „Wie oft muss ich noch sagen, dass diese Wiese mit Gold Ochsen nichts, rein gar nichts zu tun hat? Wir sind nicht beteiligt. Auch wenn ich selber gern so eine Wiese hätte.“

Wenn aber nicht Gold Ochsen, wem gehört die Gold-Ochsen-Wiese dann? Und wie kommt es zu dem Namen, dem sogenannten? Nun: In der Tat haben Gold Ochsen und die Familie Leibinger, der Ulrike Freund entstammt, mit dem gut 25 000 Quadratmeter großen Areal nichts zu tun. Nichts mehr, ist anzufügen. Denn bis in die 50er Jahre war diese Fläche doppelt so groß und gehörte August Leibinger, dem verstorbenen Vater von Ulrike. Dann wurde das Wieseneigentum geteilt. Der eine Teil verblieb bei Leibingers, der andere, nämlich der heute wegen des früheren Besitzverhältnisses irrtümlicherweise Gold-Ochsen-Wiese genannte, ging an eine Erbengemeinschaft.

Das Leibinger-Grundstück übernahm in den 70er Jahren die Stadt Neu-Ulm auf der Basis eines Erbpachtvertrags. Darauf entstanden öffentliche Einrichtungen: Eislaufanlage, Atlantis-Freizeitbad (heute Wonnemar), Parkplätze. Im Gegenzug wurde, wie Ulrike Freund bestätigt, der Brauerei Gold Ochsen als Dienstbarkeit eine Bierliefergarantie für die dortigen gastronomischen Betriebe eingeräumt.

Derweilen schloss besagte Erbengemeinschaft in den 1990er Jahren mit der damals von Oberbürgermeisterin Beate Merk geführten Stadt Neu-Ulm und unter Beratung durch den seinerzeitigen Ulmer Kämmerer Alfred Katz ebenfalls einen Erbpachtvertrag ab. Er ist für die Stadt Neu-Ulm zum Draufzahlgeschäft geworden, hat sie doch aktuell eine – auf Lebenskostenindex indexierte – Pacht von gut 64.000 Euro im Jahr zu entrichten.

Hintergrund für dieses wenig profitliche Wiesengeschäft: Die Fläche galt als potenzielles Grundstück für eine Multifunktionshalle, weshalb die Städte sich den Zugriff darauf sichern wollten. Weil aber im hochwassergefährdeten Gebiet liegend, zerschlugen sich diese Pläne. Die Arena steht an anderer Stelle. Neu-Ulm aber hockt auf einer sauren Wiese, die es zu bewirtschaften hat, die eine tüchtige Stange Pacht kostet, mit der Gold Ochsen nix zu tun hat und die Wohnmobil-Stellplatz werden soll.

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