Denkanstöße Klöckner und Merk eröffnen CSU-Landtagswahlkampf

Beate Merk (links) und Julia Klöcknerauf Wahlkampf-Tour in der Oldtimerfabrik Classic.
Beate Merk (links) und Julia Klöcknerauf Wahlkampf-Tour in der Oldtimerfabrik Classic. © Foto: Lars Schwerdtfeger
Neu-Ulm / Von Edwin Ruschitzka 19.02.2018
Julia Klöckner und Beate Merk eröffnen in der Oldtimerfabrik den CSU-Landtagswahlkampf mit unterschiedlichen Ansätzen.

Zwei Frauen, ein Auftritt: die eine, Beate Merk, im vergangenen Jahr 60 Jahre alt geworden, dienstälteste bayerische Ministerin, die andere, Julia Klöckner, 45 Jahre alt und auf dem Sprung, vielleicht Bundeslandwirtschaftsministerin zu werden. In der Oldtimerfabrik Classic eröffneten sie gestern Vormittag in Neu-Ulm vor mehr 200 Gästen den Landtagswahlkampf der CSU, aber mit ganz unterschiedlichen Ansätzen.

Europaministerin Merk, auf dem Sprung nach Marokko und in den Senegal, zeichnet ein eher düsteres Bild strikt nach dem Thema des Vormittags „Politik in bewegten Zeiten“. Die Welt sei zerrissen, die Nato-Partner USA und die Türkei stünden kurz vor einem Krieg, der Atomkurs Nordkoreas verunsichere, die Menschen hierzulande seien von Terror- und Kriminalitätsängsten geplagt. Deshalb müsse die Politik hier umso stabiler sein. Fassungslos sei die Welt, dass die Bundesrepublik Deutschland fünf Monate nach der Bundestagswahl noch keine Regierung habe. Merk, schon ganz im Wahlkampfmodus: „So eine Hängepartie darf sich Bayern auf keinen Fall leisten.“ Aber Markus Söder in München und Horst Seehofer in Berlin seien „kraftvolle Signale“.

Bei Julia Klöckner, eine der jüngeren Hoffnungsträgerinnen in der Union, ist der Ansatz ein anderer, zumal die gegen Malu Dreyer (SPD) verlorene Landtagswahl zwei Jahre zurück liegt. Die Welt, so sagt sie, sei schon immer im Umbruch gewesen. „Die Veränderungen dürfen nicht uns prägen, wir müssen die Veränderungen prägen.“ Der Begriff Heimat zieht sich wie ein roter Faden durch ihre Rede, aber fern von jeglicher Deutschtümelei. Zwar sei Heimat für sie auch die Scholle in Guldental, wo sie in einer Winzerfamilie geboren wurde. Heimat sei für sie gerade auch „unser Rechtssystem und unsere Meinungsfreiheit“. Der gerade aus türkischer Haft entlassene Journalist Deniz Yücel wisse das. Heimat sei nicht die altbackene Rückschau in die Vergangenheit, „Heimat sind für mich auch die vielen Menschen mit Migrationshintergrund. Nur mit ihnen funktionieren bei uns die Pflegedienste, so manche Dienstleistungs- und Gastronomiebetriebe. Auch das müssen wir uns klar machen.“

Glöckner setzt sich auch differenziert mit dem politischen Gegner auseinander, kritisiert die Zögerlichkeit der SPD, in die Große Koalition einzusteigen, auch wenn sie selbst lieber mit der FDP regiert hätte. Sie persönlich sei keine Strukturkonservative – „das wäre reaktionär!“ –, sondern eine Wertkonservative. „Wir müssen den Wandel so gestalten, dass er zu den Menschen passt.“ Auch Rot-Grün gewinnt sie etwas Positives ab: „Das ich hier stehen kann, hat auch mit den Feministinnen von Rot-Grün zu tun.“ Der AfD, so warnt sie, dürfe man nicht vertrauen, sie schüre nur Hass und Verachtung.

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