Ulm Was Felix Fabri den Ulmern gepredigt hat

Ulm / HENNING PETERSHAGEN 13.09.2016

Was tat Felix Fabri, wenn er nicht gerade nach Jerusalem pilgerte? Die internationale Fabri-Tagung am Wochenende, Höhepunkt des Jubi- läumsprogramms der Stadtbibliothek, hat eine wenig beachtete Seite des Dominikanerfraters beleuchtet: Seine Rolle als Prediger und Seelsorger in Ulm, die den größten Teil seines Daseins bestimmte.

„Der Prediger Fabri ist während dieser Tagung wichtiger geworden als der Reisende“, fasst Alexander Rosenstock von der Stadtbibliothek Ulm zusammen. Er hatte die Idee, das Programm zum 500-jährigen Bestehen der Stadtbibliothek mit einer Fabri-Tagung zu krönen. An der Umsetzung und der Auswahl der Referenten war Folker Reichert maßgeblich beteiligt, der Fabris Beschreibung der Stadt Ulm (1488/89) neu übersetzt und kommentiert hat.

Dass sich Wissenschaftler, die unter anderem aus Texas, Helsinki und Montpellier angereist waren, mit dem Ulmer Fabri befassen, fußt zunächst auf dessen Berichten von seinen Pilgerreisen, die in aller Welt bekannt sind. Im Laufe ihrer Ausfüh- rungen aber trat Fabris Wirken als Prediger in den Vordergrund, die in eine für die Klöster hochbrisante Zeit fiel: die Zeit der Klosterreform.

Die strengen Ordensregeln hatten sich gelockert. Dem steuerte eine Bewegung entgegen, die eine strenge Beachtung (Observanz) dieser Regeln forderte. In dieser Auseinandersetzung, so arbeiteten die Referenten heraus, nahm Fabri eine gemäßigte, auf Ausgleich bedachte Position ein, die er in seinem seelsorgerischen Wirken zu verbreiten gedachte.

Dieses Ziel verfolgte er auch in seinen Schriften, wozu neben der Reisebeschreibung die Beschreibung Ulms zählt. Eine ganz wichtige Rolle Fabris arbeitete Bernd Breitenbruch heraus: Als Lesemeister der Ulmer Dominikaner versah er mehrere Drucke von Schriften wichtiger Prediger mit Registern, die es seinen Klosterbrüdern erlaubten, damit schnell und effektiv zu arbeiten.

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