Ulm Was dem radelnden Apotheker Ried missfällt, Teil 2

Ulm / HANS-ULI THIERER 27.06.2016

Timo Ried, Stadtrat, Apotheker und Radfahrer, hält es für überzogen, dass Radler  in der Ulmer City gleich von einem Quartett an Ordnungshütern kontrolliert werden. Er selber wurde gestellt, als er mit seinem Apothekerrad verbotenerweise – oder am Ende doch nicht? – durch eine Fußgängerzone fuhr. Seine Kritik daran rief Kommentare hervor, von Schimpf und Schande bis Zustimmung und Beifall.

Ried lassen solche  Reaktionen äußerlich unbeeindruckt. Derweilen ist er in der Hafengasse, wo sich das Stammhaus seines kleinen lokalen Apothekenimperiums befindet, auf Ungereimtheiten gestoßen. Sie lassen ihn neuerlich aufbegehren gegen die Obrigkeit und bei den städtischen Bürgerdiensten die Frage aufwerfen, ob sein Knöllchen über 15 Euro überhaupt berechtigt war.

Der Sachverhalt ist nämlich folgender: Ried gibt an, dass Polizei und städtische Kontrolleure ihn morgens um halb elf angehalten hätten. Er, der mit seinem Rad auch Arzneimittel in seine Apotheken bringt, versteht sich in diesem Falle  als Lieferant. Als solcher  beruft sich nun auf  das Schild, das am Osteingang zur Hafengasse hängt, also von der Frauenstraße her. Es erlaubt Anlieferungen von 5 bis 11 Uhr morgens, so wie es auch ein Schild am östlichen Münsterplatz auf Höhe  des Werdich-Schuhhauses signalisiert. Einen Steinwurf weiter verhält sich der Sachverhalt dagegen  ganz anders. Genauer gesagt: eine Stunde anders. Steht doch am westlichen Eingang Hafengasse, eben vom Münster her, neben dem blauen Fußgängerzonen-Schild schwarz auf weiß: „Lieferverkehr frei von 5 – 10 h“.

Nun  wäre Timo Ried nicht Timo Ried, sähe er dahinter keinen Ulmer Schildbürgerstreich. Jedenfalls hat diese Widersprüchlichkeit auf beiden Schildern bei ihm ein größeres Wiedennwodennwasdenn hervorgerufen. Und also bittet der radfahrende Apotheker die städtischen  Bürgerdienste um Aufklärung, wie lange man  denn nun tatsächlich anliefern dürfe. Und ob er womöglich ein Opfer des Schilderwirrwarrs geworden sei, weil er ja bis 11 Uhr hätte anliefern dürfen.

Bürgerdienste-Chef Roland Häußler hat sich der Sache inzwischen selber angenommen. „Den Sachverhalt will ich jetzt doch ganz genau geprüft haben.“ Dazu gehört die minutiöse Recherche darüber, wann Timo Ried genau den Ordnungskräften in die Arme gefahren ist.

Teil drei dieses sich zur unendlichen Geschichte auswachsenden Falles vom Radeln und von Anlieferzeiten in der Ulmer Innenstadt ist also garantiert.