Die Arbeit der Förster und Waldarbeiter ist zunehmend eher ein Reagieren als ein Agieren. Der Schädlingsbefall setzt Prioritäten, welche Bäume wo zuerst gefällt werden müssen. Stürme führen auf weichem Boden zu Sturmholz, und der trockene Sommer hat noch Nachwirkungen.

Fällungen Die typische Winterarbeit, Laubholz gezielt zu ernten, ist abgeschlossen. „Die Preise für Eiche, Buche, Ahorn und Esche sind gut“, sagt Max Wittlinger, der Sachgebietsleiter Forstwirtschaft der Ulmer Abteilung Liegenschaften. Aus dem Holz werden überwiegend Möbel und Parkett gefertigt und das elastische Eschenholz eignet sich für Werkzeugstiele. Derzeit fällen die Waldarbeiter im Grimmelfinger Forst Fichten, die vom Borkenkäfer befallen sind, denn sobald die Sonne länger scheint, wird der Schädling aktiv. Am Rosenmontag kam sogar ein Orkan dazwischen und entwurzelte Fichten, so dass dieses Holz ebenfalls aufgearbeitet werden muss.

Naturschutz Nach dem 1. März dürfen doch eigentlich keine Bäume mehr gefällt werden? „Das gilt nicht für den Forstbetrieb“, betont Wittlinger. Aber Bäume mit Nisthöhlen würden ausgespart, und während der Hauptbrutzeit kümmern sich die Waldarbeiter um „Erholungseinrichtungen“: Sie bauen Sitzbänke. Oder sie mähen junge Schonungen aus, damit Brombeeren und Brennnesseln den Bäumchen nicht Licht und Nährstoffe wegnehmen.

Trockenheit Allein im Stadtwald – das sind insgesamt 1250 Hektar – waren im vergangenen Jahr im Frühjahr rund 20 000 Laubhölzer wie Stiel-Eiche, Linde, Hainbuche, Kirsche und Edelkastanie gepflanzt worden. Während im schattigen Wald nur 30 Prozent der Setzlinge vertrocknet waren, lag der Ausfall auf Neuaufforstungsflächen wie auf einer Wiese im Schammental, südlich von Mähringen, bei gut 50 Prozent. Aber es gab auch Trockenschäden auf älteren Aufforstungsflächen wie auf dem Gelände der ehemaligen Gärtnerei Glöckler in Wiblingen. Und: Von den rund 3000 kleinen Nadelbäumen wie Douglasie und Lärche, die 2018 im Wald gepflanzt wurden, gingen fast alle ein, weil sie in Wuchshüllen steckten, um sie vor Wildverbiss zu schützen. In den Kunststoffhüllen war tagsüber die Hitze zu stark geworden.

Pflanzungen Inzwischen steht fest: Die Nadelbäume werden fast alle nachgepflanzt und eventuell mit luftigen Netzen geschützt. Bei den Laubbäumen müssen 10 000 Pflanzen neu gesetzt werden zum Stückpreis von 2 Euro. Jedoch eignet sich das Frühjahr nur so lange zum Pflanzen, bis die Tagestemperatur nicht über 7  Grad steigt, erklärt Wittlinger. Nach Ostern werde es schon zu warm. Deshalb würden die meisten „Nachbesserungen“ wohl auf den Herbst verschoben.

Schädlinge Die gefürchteten Borkenkäfer haben in verschiedenen Stadien als Larven oder Puppen überwintert. Bevor sie sich nun zum flugfähigen Käfer weiterentwickeln, „muss das Käferholz schnell aus dem Wald“, sagt Wittlinger. Das heißt, das gefällte Holz sollte auch nicht mehr dort gelagert werden, sonst fliegen die Käfer von da auf die Bäume. Ein Dauerproblem wird weiterhin das Eschentriebsterben sein. „Die Eschen sterben weiter, denn es gibt, wie zunächst erhofft, doch keine resistenten Arten“, bedauert er. Deshalb würden auch gar keine Eschen mehr gepflanzt. „Schade, es war eine tolle Baumart für Möbel und Spanplatten und mit hohem Brennwert“, spricht Wittlinger bereits in der Vergangenheitsform. Auch sie müssten gefällt werden, bevor sich das anfängliche Triebsterben, verursacht durch einen Pilz, bis ins Stammholz verlagert.

Waldverlust Was sagt der Förster zu den Tatsachen, dass immer noch Wald für Baugebiete geopfert wird? Voraussichtlich soll der Uniwald zugunsten einer Erweiterung der Institute gerodet werden. „Das sind Landeseinrichtungen, da bin ich nur Erfüllungsgehilfe, aber mir tut das auch weh.“  Denn bis eine Aufforstungsfläche wieder die ökologische Funktion mit vergleichbarer Wirkung eines Altbestandes erreicht hat, dauere es annähernd 100 Jahre.

Artenschutz Und was tut der Forst für die Bienen? „Noch zu wenig“, gibt Wittlinger zu. Immerhin lasse man inzwischen bei der Pflege auf jungen Kulturflächen bewusst die Salweiden stehen, eine beliebte Bienenweide im doppelten Sinn. Eine Idee wäre es, dass auf künstlichen Wildäsungsäckern für Rehe und Hasen mehr Kleemischungen eingesät werden. Das Saatgut werde sogar vom Landesjagdverband bezuschusst. Wittlinger, der zugleich Kreisjägermeister in der Region Alb-Donau ist, will das Thema demnächst bei seinen Jägern ansprechen.

Schädlinge behindern den Saftfluss


Befall Sobald die Sonne rauskommt, verlässt der Borkenkäfer seine Brut- und Fraßgänge und fliegt zur nächsten geschwächten Fichte. Dieses Käferholz muss schnell gefällt und aus dem Wald transportiert werden, sonst werden sogar vitale Bäume befallen. Die Larven der Rindenbrüter ernähren sich von den saftführenden Schichten des Baumes in der Rinde. Da dieses Bastgewebe die Lebensader des Baumes darstellt, führt der Befall meist zu dessen Absterben. Die Larven der Holzbrüter indes leben im Holz und ernähren sich von Pilzrasen.