Internationale Raumstation Was Astro-Alex von Ulmer Schülern im Gepäck hat

Ulm / Beate Rose 11.10.2018
Eine Zeitkapsel, in der auch Texte von Ulmer Jugendlichen stecken, fliegt derzeit mit der ISS durch das All.

Wünsche, Träume, Vorstellungen von der Welt in 50 Jahren. So lautete die Aufgabe, die das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln gestellt hat. Die Stiftung Lesen als Partner brachte diese Aufgabe dahin, wo sie nach Meinung des DLR-Beauftragten für Nachwuchsförderung, Volker Kratzenberg-Annies, auch hingehört: An die Schulen. Zu Kindern und Jugendlichen.

Das DLR wollte Astro-Alex, der bekanntlich bereits im Juni ins Weltall gestartet ist, etwas mitgeben, das „als Symbol durch Raum und Zeit mitreist und Bezug zum Nachwuchs hat“, verdeutlicht Kratzenberg-Annies. Daraus wurde die Aufgabe, zu schildern, wie die Welt in 50 Jahren aussieht. Das Fantastische daran: Die Zeitkapsel soll nach ihrer Zeit im All im Haus der Geschichte in Bonn ausgestellt und erst in 50 Jahren geöffnet werden.

Eingefallen ist dazu 8000 Schülern deutschlandweit etwas – wie auch Schülerinnen des Ulmer Scholl-Gymnasiums. Sarah Blatz und Lilli Hopp (beide 18) reichten zusammen mit Mitschülerin Emine Vagt einen Text ein. Den hatten sie im Kunstunterricht geschrieben bei Lehrerin Anne Käßbohrer und zwar bereits im vergangenen Schuljahr. „Bildende Kunst ist vielfältig. Etwas zu gestalten ist auch mit Text verknüpfbar“, verdeutlicht die Lehrerin.

Die Kunstklasse reichte fünf Texte ein, gearbeitet wurde in Gruppen. Lilli Hopp schildert, dass sich in ihrer Gruppe die drei jungen Frauen recht schnell einigen konnten, über Werte zu schreiben und darüber „was wir vom Leben wollen“. Sie wollen das: „Wir erhoffen uns ein erfülltes Leben mit einem gesunden Maß an Spannung und Entspannung.“ So haben sie es aufgeschrieben. Und weiter: „Es fühlt sich so an, als würde in unserer Gesellschaft nur noch die Leistung zählen. Das möchten wir in Zukunft ändern. Unserer Meinung nach fehlt es in unserer Gesellschaft an Wärme und am Sinn für das Wesentliche.

Ulmerinnen beeindrucken

Mit dem Beitrag, der um einiges länger ist, haben die Ulmer beeindruckt. Etwa DLR-Mitarbeiter Kratzenberg-Annies, der die Texte eine „Botschaft für die Welt von morgen“ nennt: „Hut ab vor den Ulmern, die über Werte geschrieben haben.“ Er gehörte der Jury an, die entschied, welche Texte zu den besten gehören. Für ihn war klar: Die Ulmer gehören dazu, die deswegen einen Tag im DLR in Köln verbringen konnten.

Lehrerin Käßbohrer hätte nicht über die Texte entscheiden wollen, sagt sie. „Da waren so viele tolle dabei.“ Sie sieht die Texte auch als Barometer für die Gesellschaft, und zwar nicht nur, wenn Schüler Freiheit und Gerechtigkeit fordern, sondern auch, wenn sich Schüler weniger Stress wünschen, oder im späteren Leben mal so viel Geld, dass sie sich keine Sorgen machen müssen.

 Beeindruckt war auch Astronaut Alexander Gerst. Er hat bekanntlich derzeit das Kommando auf der Raumstation ISS inne. Die Zeitkapsel ist an Board. Die Alukugel hatte er in der Raumstation am 4. September versiegelt und darauf unterschrieben – im Rahmen einer Liveschaltung in die TU Berlin, wo 1000 Schülerinnen und Schüler zusahen. Dabei sagte er, dass die Kugel mit ihm bis zum 13. Dezember, der voraussichtliche Tag seiner Rückkehr, über 100 Millionen Kilometer zurücklegen werde. Er lobte die Schüler, dass sie sich Gedanken um die Zukunft machen. „Ihr habt Wünsche formuliert, wohl wissend, dass ihr diejenigen sein werdet, die die Kapsel wieder aufmachen werden in 50 Jahren.“ Laut Gerst werden sich die Schüler dann die Fragen stellen müssen, was sie aus ihren Wünschen gemacht haben.

Öffnung der Kapsel in 50 Jahren

Ein Umstand, den Lilli Hopp als Mahnung versteht. Sie bekennt, dass sie auch etwas  Angst davor hat, dass „ich nicht eingehalten habe, was da steht“. Sie wünscht sich für ihr Leben, dass „jeder Tag einfach schön ist“. Wenn die Kapsel geöffnet wird, wird sie knapp 70 sein. „Ich würde mich freuen, wenn mein Leben dem entspricht was ich da formuliert habe.“ Die ersten Schritte in Richtung Zukunft hat sie getan. Sie ist nach ihrem Abitur zum studieren nach Jena gezogen.

Auch Lehrerin Käßbohrer will bei der Öffnung der Kapsel in 50 Jahren mit dabei sein. „Dann bin ich 90. Mal schauen, wie ich dann meine Schüler informiere. Ob wir noch telefonieren oder ob wir uns alle beamen?“ Das jedenfalls hat Astro-Alex versprochen: „Ich werde die Zeitkapsel sicher auf die Erde bringen.“

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Was noch in der Zeitkapsel steckt

Inhalt Die Zeitkapsel soll ein Zeugnis übers Jahr 2018 ablegen, wenn sie in 50 Jahren geöffnet wird, sagt Volker Kratzenberg-Annies vom Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt. Deswegen stecken in der Kugel neben dem Datenträger, auf dem die Texte von 8000 Schüler gespeichert sind, unter anderem ein ein-Zentimeter-großer Papierflieger, ein Modell des Autos der Marke DeLorean DMC-12, bekannt aus dem Film „Zurück in die Zukunft“, plus 2000 gespeicherte Bilder von Menschen im Jahr 2018. Das Motto der Bilder hat Kratzenberg-Anniesie vorgegeben. „Das ist mal trivial wie einkaufen aber auch höchst emotional wie Glück.“

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