Schwörwochenende 2018 Was am Schwörwochenende los war

Ulm/Neu-Ulm / Chriastine Liebhardt, Carolin Stüwe 22.07.2018
Der angesagte Regen bleibt bei der Lichterserenade aus, fällt aber am Sonntag. Egal, die Menschen feiern.

Der Regen kam genau so pünktlich wie Dieter Thomas Kuhn auf die Bühne auf dem Münsterplatz. Im Gegensatz zum Schlagerstar verzog er sich allerdings nach einer halben Stunde wieder. Und der kräftige Schauer schien den gut 6000 Konzertbesuchern nichts auszumachen. Gewappnet mit Regenponchos, Schirmen und Sonnenblumen – echten und künstlichen, am Gürtel, als Sonnenbrille, auf Kleidern, Röcken und Jacketts – trällerten sie fröhlich die Lieder mit.

Ein Bild, das sich im Stadthaus-Café nur durch etwas mehr Stilsicherheit unterschied. Dort sahen sich unter anderem der Ulmer OB Gunter Czisch, der scheidende IHK-Präsident Peter Kulitz, der Neu-Ulmer Stadtrat Stephan Salzmann (Pro) im Blümchen-Hemd und Karolin Kandler, Sprecherin bei der Tagesschau, das Konzert an.

Lichtermeer

Bei der Lichterserenade am Samstagabend – es war die fünfzigste – waren die Zuschauer trocken geblieben, der Regen setzte erst wieder ein, als das Spektakel so gut wie vorüber war. Die 20.000 Kerzen, von den Donaufreunden angezündet und in den Fluss gesetzt, wurden nur von unten nass. Ein paar vereinzelte Regentropfen konnten weder Stimmung noch Lichtern etwas anhaben, und so schwammen letztere ab kurz nach 22 Uhr gemächlich unter der Herdbrücke hindurch Richtung Friedrichsau. Der Vorsitzende der Donaufreunde, Andreas Huber, war „froh, dass wir es gemacht und uns nicht von den Unkenrufen haben beirren lassen“. Rund 30.000 Euro kostet die Lichterserenade dieses Jahr – ohne Sponsoren unmöglich zu stemmen, sagt Huber.

Manche Besucher kamen ausgestattet mit Regenjacken und Schirmen, andere waren sicher, dass das Wetter hält: „Die positive Einstellung hat sich bislang bewährt“, versicherte eine junge Frau. Beinahe andächtig wurde die Stimmung, als die Pyrotechnik Funken von der Herdbrücke herunterregnen ließ. Auch die vom Wasser aus gezündeten Feuerwerke wurden bestaunt. Das einzige, was viele störte: der Elektrobass vom Neu-Ulmer Ufer, der alles andere übertönte.

Vorglühen

Dabei war es am frühen Abend auf dem Schwal verhältnismäßig ruhig zugegangen: Während von der Bühne Schlager tönten, waren noch einige Biertische frei – wohl, weil viele Menschen von der Wettervorhersage abgeschreckt worden waren. Derentwegen war auch der Rock am Petrus abgesagt worden, so dass es in Neu-Ulm ruhiger blieb als an anderen Schwörwochenenden. So gab es an beiden Ufern genug Platz für diejenigen, die schon ab 20 Uhr auf ihren Decken saßen, Salzstängelchen kauten und mit Sekt „vorglühten“.

Thronrede

Buchstäblich die Krönung des Abends war in der Gerbergasse die neue Form der Rex-Dentler-Thronrede: Sie fand erstmals bereits am Samstag statt, um dem Schwörmontags-Partylärm auszuweichen. So konnten die gut 120 Zuhörer der Drei-Mann-Band lauschen, und das Stammpublikum fand auch die Lesung der ehemaligen Schauspielerin des Westentaschentheaters, Elfie Haas, gelungen. Sie kletterte jedoch nicht wie einst der Goldschmied und nach seinem Tod 2006 Tochter Ira auf den hohen Thron an der Hauswand, sondern blieb unten sitzen. Sie erzählte Anekdoten, die der Autor Felix Huby aufgeschrieben hat, ein guter Freund von „Rudi“. Huby hatte Dentler einmal gefragt: „Gehst du in die Kirche?“ Worauf Dentler geantwortet habe: „Ja, aber nur, weil ich so gerne singe.“

Elfie Haas liest einen Text von Felix Huby.
Elfie Haas liest einen Text von Felix Huby. © Foto: Oliver Schulz

 Die Tradition wurde indes gewahrt, indem Iras Mutter Gisela Dentler wieder den Ehrenring verlieh. Diesmal an Franz Mayer, dem Seniorchef der Dreikönigsbäckerei am Galgenberg und zwar „stellvertretend für die vier kleinen Bäckereien, die es in der Kernstadt heute noch gibt“, sagte Gisela Dentler. 1950 waren es mehr als 100 gewesen. Mayer sagte zum Preis nur: „Ich bin platt.“

Gisela Dentler und Franz Mayer.
Gisela Dentler und Franz Mayer. © Foto: Leonie Maschke

Wettervorhersage für den heutigen Schwörmontag

Schauer Es wird nicht der heißeste Schwörmontag der Geschichte, aber ganz ins Wasser fällt er wohl auch nicht: Heiter bis bewölkt bei 23 bis 25 Grad Celsius sind angesagt. Nachmittags könnte es Schauer geben. Falls das Nabada nicht stattfindet, hängen rote Körbe am Münster

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