Gunter Czisch, als Erster Bürgermeister und OB-Stellvertreter formal zweiter Mann der Stadt Ulm, möchte nun ihr erster werden, also Oberbürgermeister. Mit der Erklärung, zur Wahl am 29. November zu kandidieren, trat der 52-jährige verheiratete Familienvater (siehe Info-Kasten) am Dienstag vor die Presse. Wie nach der Verzichtserklärung Ivo Gönners angekündigt also am Tag nach dessen letzter Schwörrede.

Czisch sagte, eine Dreieinigkeit habe ihn motiviert, nach dem Chefsessel im Ulmer Rathaus zu greifen: „Bauch, Herz, Verstand.“ Aus dem Bauch heraus treibe ihn dieses quicklebendige Ulm an und um. Sein Herz habe er hier verloren in den bisher 15 Jahren seines Wirkens als Finanzbürgermeister – schon als Schlagzeug- und später als List-Schüler war er in jungen Jahren ein Ulmer Kind gewesen. Der Verstand sage ihm, dass er mit seiner Erfahrung, Motivation, seinem Ehrgeiz und seiner persönlichen Art das Zeug zum Ulmer OB habe.

Czisch enthielt sich jeglichen Kommentars über seine Mitbewerber, die Grünen-Stadträtin Birgit Schäfer-Oelmayer und den SPD-Landtagsabgeordneten und Stadtrat Martin Rivoir. Sein Verhältnis zum Sozialdemokraten Gönner nannte er vertrauensvoll – und daher verschwiegen. Wie die beiden anderen versteht Czisch, seit 30 Jahren Mitglied der CDU und sich zu den Grundwerten der Partei bekennend, seine Bewerbung als eine persönliche Kandidatur. Sie werde durch die CDU unterstützt.

Er kündigte einen Wahlkampf an, in dem er die Balance halten müsse zwischen den Anforderungen, die an den Finanzbürgermeister auch in den kommenden Wochen gestellt würden, und den Erwartungen und zeitlichen Ansprüchen, die der Wähler habe. Ein fertiges Wahlkampfprogramm existiere noch nicht. Vielmehr soll sich in den Gesprächen mit Bürgern bis zur heißen Phase des Wahlkampfes herausschälen, welche Schwerpunkte er außer bekannten aktuellen stadtpolitischen Themen – Realisierung Sedelhöfe, Straßenbahn, Citybahnhof – noch setzen wolle. „Das ist ein Entstehungsprozess.“

Klar aber: „Wir müssen, wenn alles gebaut ist, das Gebaute auch mit Leben erfüllen.“ Und: Themen, die vor Ort, in Vereinen, Verbänden, Kirchen bewegen, dürften nicht völlig untergehen in den Großprojekten.

Der Kandidat

Zur Person Er ist in Dietenheim aufgewachsen, schlug von ganz unten eine klassische Verwaltungslaufbahn ein, arbeitete sich über den zweiten Bildungsweg hoch zum diplomierten Verwaltungswirt. Als solcher war Gunter Czisch Kämmerer des Bodenseekreises, ehe ihn der Gemeinderat im Jahr 2000 zum Ersten Bürgermeister in Ulm wählte. Der 52-Jährige sagt, die Stadt, in der seine beiden Söhne zur Welt kamen, sei ihm Heimat geworden. Angebote wie das, Landrat am Bodensee zu werden, schlug er aus. Czisch spielt leidenschaftlich gern Schlagzeug und ist in Ehrenämtern unter anderem aktiv als Vorsitzender der Stadtkapelle Ulm und beim Roten Kreuz.

Ein Kommentar von Hans-Uli Thierer: Der Dreikampf ist eröffnet

Oh, wer hätte das gedacht! Mitnichten. Die Überraschung, dass auch Gunter Czisch Ulmer Oberbürgermeister werden möchte, hält sich in Grenzen. Damit hat das ganze politische Ulm gerechnet. Schließlich wird Czisch schon lange als potenzieller Kandidat für die Nachfolge Ivo Gönners gehandelt.

So wenig Czischs offizielle Bewerbererklärung erstaunte, so sicher ist seit Diestag nun endgültig: Es wird zu einem Dreikampf eingefleischter Ulmer Kommunalpolitiker kommen – Czisch gegen Martin Rivoir gegen Birgit Schäfer-Oelmayer. Kein Platz ist dazwischen mehr für eine/n auswärtige/n Kandidaten/in, der/dem ernsthafte Chancen einzuräumen wären. Manche Ulmer hatten offen, ein paar mehr hinter vorgehaltener Hand geäußert, eine Frau oder ein Mann, die/der ganz unbelastet von Beschlüssen aus der Vergangenheit starten und amtieren könnte, täte der Stadt gut. Unbehelligt durch Bündnisse und Seilschaften, sozusagen mit freier Sicht auf die kommunalen Dinge.

So weit wird es nun nicht kommen, nachdem drei Kandidaten/innen feststehen, denen allen eines gleich ist: Sie betonen mehr oder weniger deutlich ihre Unabhängigkeiten von ihren Parteien. Weil sie alle wissen: Es wird am 29. November eine Person gewählt – keine Partei. Alle drei sind fest verwurzelt in Ulm, wissen Bescheid, sind eingebunden ins politische Geschäft. Keine Frischlinge. Was irgendwie auch wieder beruhigt.