In Containern werden Flüchtlinge untergebracht, in Turnhallen – warum nicht auch in leerstehenden Gebäuden? Etliche Vorschläge machen gegenwärtig die Runde, ungeachtet der neuen Lage mit der Schließung der Grenzen. Was ist zum Beispiel mit dem Verwaltungsgebäude der Sparkasse in der Hauffstraße beim Landratsamt? Dort ziehen derzeit die rund 160 Mitarbeiter bis 19. Oktober in den Neubau in der Neuen Straße.

Der Alb-Donau-Kreis möchte das Gebäude mit der auffälligen verspiegelten Fassade kaufen, ungeachtet des Baudatums 1993 abreißen lassen und bis Juli 2018 für 20 Millionen Euro einen Neubau mit sieben Geschossen und 3200 Quadratmetern Bürofläche errichten, vor allem für die Sozialbehörde. Die Tiefgarage darunter wird lediglich saniert.

Die Statik des Gebäudes lasse größere Umbauten – etwa eine Aufstockung – nicht zu; das Haus entspreche nicht mehr heutigen energetischen Anforderungen; die Großraumbüros seien so nicht nutzbar. So zählt Bernd Weltin, Sprecher des Landkreises, Argumente für einen Abriss auf. Erwähnenswert sei außerdem, dass der Kreis für Räume in der Wilhelmstraße 23 bis 25, in denen derzeit das Dezernat Jugend und Soziales untergebracht ist, jährlich 534.000 Euro Miete zahlt. Diese Kosten entfielen nach dem Umzug.

Der Landkreis hat der Sparkasse Ulm für das Gebäude 3,5 Millionen Euro angeboten. Der Betrag entspricht dem Schätzwert, den die Projektentwicklungsgesellschaft Ulm (PEG) errechnet hat, erklärt Weltin. Der Besitzerwechsel sei im Januar vorgesehen, ein Abriss könne bereits in der ersten Jahreshälfte 2016 erfolgen. Eine Zwischennutzung mache daher keinen Sinn.

Das Gebäude bietet nach den Worten von Sparkassensprecher Boris Fazzini immerhin fast 6000 Quadratmeter Fläche auf fünf Etagen. Es gibt dort auch eine Kantine. Interessant: Das Gebäude hatte bei Fertigstellung mit bankspezifischer Einrichtung rund 20 Millionen D-Mark gekostet, wäre nach Fazzinis Worten allerdings sanierungsbedürftig.

Auch das seit sieben Jahren leerstehende Bad Wolf in der Augsburger Straße in Neu-Ulm ist im Gespräch. „Ich hätte schon längst geholfen und dort Flüchtlinge untergebracht“, sagt der Besitzer, Gastronom Eberhard Riedmüller. Damit habe er überhaupt kein Problem. Doch das ehemalige Traditionslokal und Hotel sei nicht bewohnbar. Alle Wände waren verschimmelt, es sei alles herausgerissen worden. „Da brennt nur noch eine Birne.“

Riedmüller wollte das Haus zunächst etwas renovieren und als Hotel nutzen, doch daraus wurde nichts. Es habe sich herausgestellt, dass eine Renovierung viel zu aufwendig sei, diese würde mehrere hunderttausend Euro kosten. „Ich habe gemerkt, dass die Kosten übers Ziel hinausschießen.“ Seiner Meinung nach wäre es „Blödsinn“, so viel Geld in das Bad Wolf zu investieren, damit dort Flüchtlinge unterkommen können. Für diese Summe könne der Staat gleich eine neue Unterkunft bauen, die für längere Zeit halte. Derzeit wird das Bad Wolf noch als Lager genutzt, in nächster Zeit werde das Haus aber Zug um Zug leergeräumt.

„Auf dem Grundstück passiert was in den nächsten zwei Jahren“, kündigt Riedmüller an. Der Großgastronom hat vor, auf dem Grundstück direkt am Neu-Ulmer Donauufer einen Neubau zu errichten. Dabei hätte er sogar an dem maroden Gebäude verdienen können. Einer habe ihm angeboten, das Haus auch in dem schlechten Zustand für 2500 Euro im Monat zu mieten, um die Zimmer dann an Arbeiter aus Polen und anderen Ländern unterzuvermieten, erzählt er. „Das habe ich nicht gemacht, das ist unwürdig und mit meinem Gewissen nicht vereinbar.“
 

Versorgungsstränge gekappt

Alte Chirurgie Anfang August ist der Kaufvertrag notariell beurkundet worden. Das alte denkmalgeschützte Chirurgiegebäude am Safranberg gehört damit nicht mehr der Hospitalstiftung, sondern der Essener Projektentwicklungsgesellschaft „Format“. Ein weiterer Gang zum Notar in den nächsten Tagen besiegelt die Eigentumsüberschreibung formal, sagt Ulrich Soldner, als Chef der städtischen Liegenschaftsverwaltung auch zuständig für die Verwaltung des beträchtlichen Immobilienbestands der Hospitalstiftung Ulm.

Soldner berichtet, vorbereitende Arbeiten zur Entkernung des Chirurgiegebäudes, in dem 97 Eigentumswohnungen entstehen (plus 23 weitere in einem neuen Anbau), seien bereits erfolgt und Versorgungsleitungen gekappt worden. Das Gebäude sei ohne Heizung und Wasser nicht mehr für Wohnzwecke nutzbar. Soldner geht davon aus, dass die Entkernung im Oktober vorangeht und der eigentliche Umbau zu Wohnungen 2016 anläuft. Die Baugenehmigung liege bereits vor.