Ulm Warum eigentlich "Sedelhöfe" statt "Sedelhof"?

HENNING PETERSHAGEN 10.08.2012
Die Einkaufsgalerie, die im Bereich der Sedelhofgasse entstehen soll, wird als "Sedelhöfe" präsentiert. Diese Mehrzahl macht stutzig.

Die Einkaufsgalerie, die im Bereich der Sedelhofgasse entstehen soll, wird als "Sedelhöfe" präsentiert. Diese Mehrzahl macht stutzig. Auch wer nicht weiß, was sich hinter dem Sedelhof verbirgt, von dem die Sedelhofgasse ihren Namen hat, weiß dennoch genau: Sie heißt Sedelhof- und nicht Sedelhöfegasse.

Sie reiht sich im Übrigen ein in eine Reihe anderer Straßen, die auf einen Hof deuten, wie Gresenhofgasse, Grünhofgasse, Niederländerhofstraße, Weinhofberg. Immer steht dabei der Hof in der Einzahl - aus gutem Grund: Die Gresenhofgasse erinnert an den Hof eines Anwohners, der Gres geheißen haben wird, die Niederländerhofstraße an den Niederländerhof - so genannt, weil in der dortigen Baumwollfabrik Arbeitskräfte vom Niederrhein arbeiteten. Die Grünhofgasse führt zum Grünen Hof, der Weinhofberg zum Weinhof.

Zulässig wäre der Plural, wenn im Lederhof-Areal eine Straße an dessen einstige Besiedlung und Nutzung erinnerte. Die dürfte Lederhöfestraße heißen, denn es gab zwei: einen oberen und einen unteren.

Es gab in Ulm auch nur einen Sedelhof. Das Wort (von sedeln = sich niederlassen) bezeichnete einen Herrenhof. Der gehörte den Deutschherren, die im Deutschen Haus (ebenfalls Einzahl) lebten. Sollte es bei der Bezeichnung "Sedelhöfe" bleiben, wäre es daher konsequent, das nahe Deutschhaus-Parkhaus in "Deutschhäuser" umzutaufen.