Offenbar gibt es eine konkrete, möglicherweise familiäre  Verbindung des 19-Jährigen, der am Freitagmorgen durch die Essener Fußgängerzone gerast war, nach Ulm.

Polizeipräsident hält Einsatz für gerechtfertigt

Wie Polizeipräsident Christian Nill am Samstag bestätigte, wurde die Ulmer Polizei aus Nordrhein-Westfalen (NRW) alarmiert, als dort der Mann tadschikischer Abstammung mit hoher Geschwindigkeit durch die Essener City kurvte.

Ähnlicher Vorfall für Ulm befürchtet

 „Wir hatten zu dieser Zeit einen Hinweis, dass es in Ulm zu einem ähnlichen Vorfall kommen könnte“, sagt Nill. Daraufhin habe man beschlossen, die Ulmer City zu schützen.  „Wir haben die Sicherheit hochgefahren. Die Lage hat sich dann aber schnell relativiert“. Den massiven Einsatz, der die Ulmer Innenstadt knapp zwei Stunden lang zum Hochsicherheitsbereich gemacht hatte,  hält der Polizeipräsident für gerechtfertigt. „Wäre nach diesem Hinweis tatsächlich etwas passiert und wir wären nicht im Einsatz gewesen, hätte man uns zu recht Vorwürfe gemacht.“

Auf die Frage, warum sein Präsidium am Freitag den Hinweis aus Essen nicht bestätigt hatte, sagte Nill: „Wir hatten zu Beginn zu wenig gesicherte Informationen.“ Und: „ Wichtig für die Medienarbeit der Polizei ist immer Qualität vor Schnelligkeit. Das war bei den wenigen absolut gesicherten Informationen der Spannungsbogen für uns“.

Polizei muss Öffentlichkeitsarbeit analysieren

„Wir nehmen den Einsatz zum Anlass, im Nachgang nochmal über unsere Öffentlichkeitsarbeit zu analysieren.“ Ob der Polizeieinsatz in der Ulmer Innenstadt zusätzlich in Verbindung zu Anti-Terror-Ermittlungen steht, in deren Zuge am Wochenende nach mutmaßlichen Islamisten gefahndet wurde, will Nill mit Verweis auf die zuständigen Behörden nicht sagen.

Derweil hatte Oberstaatsanwalt Daniel Vollmert von der federführenden Düsseldorfer Generalstaatsanwaltschaft zunächst erklärt, dass zum Zeitpunkt der Irrfahrt in Essen zumindest in NRW von einem Zusammenhang ausgegangen wurde.

Ermittlungen wegen Terrorverdacht laufen schon lange

Seit Februar schon seien die Ermittler wegen des Verdachts der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Straftat hinter einer Gruppe her, der hauptsächlich Tadschiken angehören. Die Behörde nimmt an, dass die Gruppe in Verbindungen zur Terrormiliz Islamischer Staat  (IS) steht.

Die Irrfahrt des 19-Jährigen, der ebenfalls aus Tadschikistan stammt, habe dann eine Razzia ausgelöst, die eigentlich erst zu einem späteren Zeitpunkt geplant war. Inzwischen gehen die Ermittler allerdings davon aus, dass zwischen der Gruppe und dem Fahrer von Essen kein Zusammenhang besteht.

Landeskriminalamt unterstützt Terror-Ermittler

Trotzdem beschäftigte der Einsatz rund um die mutmaßliche Terrorzelle offenbar auch die baden-württembergische Polizei. Neben Razzien in mehreren Städten in NRW lief offenbar auch in Ulm ein Einsatz.  Das Landeskriminalamt Stuttgart teilte am Samstag mit, dass es am Freitag im „Auftrag der Ermittlungsbehörden aus Nordrhein-Westfalen unterstützende Einsatzmaßnahmen“ ergriffen habe. „In diesem Zusammenhang gab und gibt es keine erhöhte Gefährdungslage im Land“ heißt es in der Mitteilung. Dazu von Christian Nill nur einen Satz: „Wir haben in Ulm niemanden festgenommen.“

Oberbürgermeister Czisch lobte die Polizei

Der Polizeieinsatz in Ulm ließ teils irritierte, teils gelassene Stadtbummlerinnen zurück: Ute Häberle aus Ulm lobt den präventiven Einsatz: „Es suggeriert Sicherheit.“ Eine Einkäuferin aus dem Kreis Neu-Ulm, die ihren Namen nicht nennen will, fühlt sich von den Polizisten bedroht. „Da kriegt man ja Angst. Wir steigen jetzt lieber wieder in den Weißenhorner.“ Bei Anne Droz aus Ulm löst der Einsatz mulmige Erinnerungen aus. Ihr sei plötzlich der Gedanke gekommen, was wohl wäre, wenn etwas passiert. Wie in Nizza oder am Berliner Breitscheidplatz.  Deshalb sei es „beruhigend“, wenn die Polizei präsent ist.

Das findet auch Ulms Oberbürgermeister. Gunter Czisch bedankt sich bei der Polizei für die professionelle Arbeit. Sein Fazit: „Mehr ist besser als weniger.“

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