Gesellschaft Kinder und Senioren: Gegenseitig fordern und fördern

Für beide Seiten ein Erlebnis: die gemeinsame Zeit.
Für beide Seiten ein Erlebnis: die gemeinsame Zeit. © Foto: Ralf Waldner
Ludwigsfeld / Ronja Gysin 13.07.2018

Seit 15 Jahren verbringen Bewohner des Seniorenwohnen Ludwigsfeld und Kinder des evangelischen Kindergartens Arche Zeit miteinander. Und helfen sich gegenseitig dabei, den Lauf des Lebens zu verstehen.

 „Gehen wir heute zu den Omis und Opis“, fragt eine Dreijährige als sie am Dienstagmorgen in den Kindergarten kommt. Strahlend quittiert sie das Nicken der Erzieherin. Jeden ersten Dienstag im Monat besucht der Kindergarten Arche das Seniorenwohnheim Ludwigsfeld im Hasenweg. 15 Kinder wuseln dann zwischen Rollatoren und Pflegebetten umher. Ziel ist abwechselnd einer der insgesamt sechs Bereiche des Altenheims. Selbst der Wohnbereich B, in dem hauptsächlich dementiell Erkrankte betreut werden, wird von den Kleinen nicht ausgelassen.

Langweilig wird’s dabei keinem, denn die Kids und ihre Betreuer bereiten für jeden Besuch ein neues Programm vor. Mal ist gemeinsames Singen angesagt, dann schneiden die ungleichen Paare zusammen Blumen aus oder spielen Gedächtnisspiele, die beide Generationen fordern und fördern. „Jedes Kind darf sich einen Bewohner aussuchen, mit dem es den ein- bis zweistündigen Aufenthalt verbringt“, erklärt Edyta Klasik, soziale Betreuerin im Pflegeheim. Wie gut das klappt, überrascht selbst die Organisatoren:„Die Kleinen könnten die Urenkel mancher unserer Bewohner sein. Trotzdem gibt es keinerlei Konflikte.“

Die Kinder seien für viele Bewohner eine Art „Ausbruch“ aus dem routinierten Heimalltag. Genervt oder überanstrengt seien die Senioren dabei nie. Selbst, wenn es zu direkten Fragen über gesundheitliche Defizite der Älteren kommt. „Meist beantworten die Senioren Fragen, wie ‚wieso kannst du nicht laufen?‘ oder ‚wieso brauchst du einen Rollstuhl?‘, selbst. Manchmal kommt es jedoch vor, dass sie hilfesuchend zu mir schauen. Dann versuche ich es den Kindern zu erklären“, so die 40-Jährige. Dann nicken die Kleinen und machen weiter. Eine Freude und Gelassenheit, die ansteckt. „Der erste Dienstag im Monat ist stets ein Tag voller Lachen.“

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