Immunschwächekrankheit Warum Affen kein Aids entwickeln

Die von den Forschern untersuchte Affenart Rußmangabe lebt in Westafrika.
Die von den Forschern untersuchte Affenart Rußmangabe lebt in Westafrika. © Foto: Foto: Emory University
Ulm / swp 16.01.2018

Seit vielen Jahren weiß man, dass einige Affenarten kein Aids bekommen, obwohl sie mit nahen Verwandten des HI-Virus infiziert sind. Jetzt hat eine internationale Forschergruppe unter Ulmer Beteiligung die möglicherweise entscheidenden molekularen Unterschiede zum menschlichen Immunsystem identifiziert. Ihre Studie haben die Wissenschaftler, darunter die Ulmer Professoren Frank Kirchhoff und Daniel Sauter, in der Fachzeitschrift „Nature“ veröffentlicht.

Der Aids-Erreger des Menschen hat seinen Ursprung in Immunschwächeviren afrikanischer Affenarten. Im frühen 20. Jahrhundert sind diese Viren, wohl durch die Jagd auf Affen und den Umgang mit kontaminiertem Fleisch, auf den Menschen übergesprungen. Doch im Gegensatz zum Menschen zeigen Affen wie etwa die in Westafrika lebende Rußmangabe auch Jahre nach einer Infektion und trotz hoher Virusbelastung keine Immunschwäche. Um herauszufinden, wie die Primaten eine Aids-Erkrankung verhindern, haben Forscher um US-Professor Guido Silvestri von der Emory University (Atlanta) das Erbgut der Rußmangabe entschlüsselt und mit dem Genom des Menschen verglichen.

„Wir haben große Unterschiede in einigen Proteinen des Immunsystems entdeckt, die den gutartigen Infektionsverlauf bei Rußmangaben erklären könnten“, berichtet Erstautor Dr. David Palesch, der nach seiner Promotion in Ulm an der Emory University forscht. Auffällig sei eine Veränderung in einem zellulären Eiweiß, das eine wichtige Rolle bei der Aktivierung des Immunsystems spiele. Dadurch könnten die Affen offenbar eine gesunde Anzahl von Immunzellen aufrechterhalten und den Erreger lebenslang tolerieren. Das Genom liefere wichtige Ansatzpunkte für weitere Untersuchungen. Ziel: neue Wege zu finden, die schädliche chronische Aktivierung des Immunsystems durch HIV zu verhindern.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel