Vor fast genau einem Jahr hat am Dreikönigstag ein Schwerverbrechen für großes Aufsehen gesorgt. Bei einem Wohnungseinbruch auf dem Eselsberg wird einer der Bewohner von den Tätern niedergeschlagen und geknebelt. Er erliegt ein paar Stunden später seinen Verletzungen im Krankenhaus. Die Polizei hat schnell ein verdächtiges Ehepaar gefasst, gegen das seit Oktober vor dem Landgericht Ulm verhandelt wird. Doch so eindeutig wie die Lage erscheint, stellt sie sich im Prozess nicht dar. Der kommt nur langsam voran und ist vorsorglich schon bis Ende Juni kommenden Jahres terminiert.

Acht Verhandlungstage haben zwischenzeitlich stattgefunden, doch die größten Trümpfe scheint die Anklage noch nicht ausgespielt zu haben. Derzeit stellen sich zwei Probleme in dem Prozess und die Frage, wer hat konkret was gemacht. Die beiden Angeklagten schweigen, wobei die Staatsanwaltschaft sowieso davon ausgeht, dass die russischstämmige Frau nicht mit in der Wohnung war.

Dort sollen sich aber neben dem 59-jährigen später getöteten Bewohner und seiner 91-jährigen Mutter zwei Täter aufgehalten haben. Das Opfer kann nichts mehr sagen, die Mutter ist schwer krank und dement, und seit diesem Überfall in einem so schlechten gesundheitlichen Zustand, dass die Ärzte abraten, sie als Zeugin vor Gericht zu vernehmen. Bleiben die beiden möglichen Täter, von denen aber nur einer auf der Anklagebank sitzt.

Sein Komplize, so die Annahme, ist jener Mann, der ein paar Wochen nach der Tat in Israel gefasst und inhaftiert wurde. Zwar hat die Bundesrepublik Deutschland die Auslieferung des Mannes beantragt, entschieden ist darüber aber noch nicht. Selbst wenn der Mann bald nach Deutschland ausgeliefert werden sollte, könnte er aber nicht in den laufenden Prozess mitaufgenommen, wohl aber als Zeuge vernommen werden.

Wie können Aussagen gewertet werden?

Ob er Angaben macht, ist freilich nicht abzusehen, immerhin aber gibt es im deutschen Recht die Möglichkeit der Kronzeugenregelung, was sich für den zweiten Mann insofern positiv auswirken könnte, als gegen ihn noch einige weitere Vorwürfe bestehen. Möglich, dass der Mann reinen Tisch machen möchte, um in den Genuss eines Strafnachlasses zu kommen. Ein weiterer möglicher Beteiligter ist namentlich bekannt, aber vermutlich in Georgien untergetaucht.

Das zweite Problem ist, wie die gleich nach der Tat der Polizei gegenüber gemachte Aussage der 91-jährigen Frau in das Verfahren eingeführt werden kann. Offenbar hat die Mutter des 59-Jährigen in der Tatnacht eigene Beobachtungen gemacht und diese auch geäußert. Die Geschehnisse belasten die kranke Frau zusätzlich, weshalb an ein Auftritt vor Gericht nicht zu denken ist. Üblicherweise können solche früheren Vernehmungen verlesen werden. Dem haben aber die Verteidiger nicht zugestimmt, was es für das Gericht erheblich schwieriger macht, den Augenzeugenbericht der Frau verwertbar in das Verfahren einzuführen.

Mögliches Motiv

Klar dürfte hingegen ein mögliches Motiv sein, sollten die Angeklagten tatsächlich auch die Täter sein. Wie die Zeugenvernehmungen der bisherigen Verhandlungstage ergeben haben, leben die 48-jährige Frau und der 40-jährige Mann  in finanziell ungesicherten Verhältnissen. Er war Gelegenheitsarbeiter mit keinem sicheren Einkommen. Sie arbeitete als Hauswirtschafterin bei einer Wohltätigkeitsorganisation und war zuletzt immer wieder krank. Dennoch hat das Paar offenbar davon geträumt, einen so genannten Food Truck zu kaufen, um einen Imbiss mit georgischen Spezialitäten anzubieten. Sogar einen Standort soll das Paar schon im Auge gehabt haben.

Der Prozess wird am 11. Januar fortgesetzt. Dann werden erstmals Polizeibeamte gehört und die Tatortspuren erörtert.

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Termine bis Ende Juni


Ablauf Das Verfahren vor der 2. Großen Strafkammer als Schwurgericht am Landgericht Ulm wird immer freitags geführt. Derzeit sind insgesamt 27 Verhandlungstage angesetzt, die bis zum 28. Juni bereits im Vorhinein festgelegt sind – mit wenigen Ausnahmen fast wöchentlich. An Zeugen sind 76 geladen.  Die beiden Angeklagten werden von den Rechtsanwälten Guntram Marx aus Krumbach und Daniel Sprafke aus Karlsruhe vertreten.