Verkehr Ärger über ausbleibende Sanierung der Söflinger Gassen in Ulm

Ulm / Christine Liebhardt 02.11.2018

Thomas Schmid hat die Nase voll. Aber so richtig. Der Frust sprudelt nur so raus aus dem Rechtsanwalt, der in Söflingen in der Schlossergasse wohnt. Denn schon seit Jahren, erzählt er, solle diese Straße sowie die Ochsengasse saniert werden. Die Schlossergasse sei in schlechtem Zustand, die Beleuchtung „völlig desolat“. Schmid sieht gar „eine Verkehrssicherungsverletzung der Stadt“. Aber schon seit Jahren würden die Anwohner vertröstet. Mal werden die im Stadthaushalt vorgesehenen Mittel in die Frauenstraße abgezogen, mal rechnet die Verwaltung bis auf die letzte Mannstunde vor, dass sie wegen der vielen aufgelaufenen Projekte in der ganzen Stadt nicht genug Personal hat, das sich darum kümmern kann.

Erste Pläne für die Sanierung der Ochsengasse gab es nach Auskunft von Michael Jung, Hauptabteilungsleiter Verkehr, in der Tat bereits 2014, ein Jahr später erfolgte der Baubeschluss durch den Gemeinderat. 650.000 Euro waren damals bereits in den Haushalt für 2016 eingestellt. Doch wegen des Investitionsstaus wurde die Maßnahme verschoben, die vorgesehenen Mittel derweil in die Umgestaltung der Frauenstraße investiert. „Das heißt aber nicht, dass das Projekt gestorben ist“, versichert Jung. „Derzeit prüfen die Leitungsträger, also alle, die Ver- und Entsorgungsleitungen in der Straße haben“, wie vorzugehen sei, antwortet er auf die Frage nach dem aktuellen Stand. Baubeginn in der Ochsengasse soll in der zweiten Hälfte 2019 sein, Fertigstellung 2020.

Keine Pläne für Schlossergasse

Allerdings sagt Jung auch: „Die Sanierung der Schlossergasse ist in den nächsten Jahren kein Thema.“ Entsprechende Pläne seien ihm nicht untergekommen, seit er im vergangenen Jahr Leiter der Hauptabteilung wurde. Dabei wäre das dringend notwendig, findet Anwohner Thomas Schmid: „Die alten Leute gehen mit dem Rollator auf der Straße, weil sie sich auf den Gehwegen unsicher fühlen“, hat er beobachtet. „Dabei kommen die Autos da manchmal mit 60 Stundenkilometern um die Kurve.“ Eine Nachbarin, die gerade vorbeiläuft, pflichtet ihm bei. „Es wundert mich, dass bisher noch nichts passiert ist.“

Schmid weist auch darauf hin, dass die Stadtverwaltung sich selbst widerspricht: Sowohl bei Ivo Gönner als auch bei Gunter Czisch habe er schon vorgesprochen. Beide Oberbürgermeister hätten ihm zugesichert, dass die Umgestaltung „in der Pipeline“ sei. Im Juni 2016 hatte Czisch Schmid geschrieben, die Sanierung der Schlossergasse sei für 2019 vorgesehen. Er ärgert sich darüber, dass gemachte Zusagen nicht eingehalten werden. Seiner Auffassung nach setzen sich weder der OB noch der Gemeinderat oder der Vorstadtverein ausreichend für die Anwohner ein.

Abgabe für Sanierung, die nie erfolgte

Thomas Schmid hat sein Haus 2005 gebaut. Genau so lange kämpft er schon für die Sanierung. 12.000 Euro habe er damals an die Stadt gezahlt, weil das Grundstück im Sanierungsgebiet lag. Diese Abgabe nach §154 Baugesetzbuch fließt allerdings nicht direkt in Maßnahmen, sondern soll den nach einer Sanierung gesteigerten Bodenwert ausgleichen. Nur passiert ist bisher nichts.

Zu wenig Parkplätze

Was ihn noch fuchst: In der Schlossergasse gibt es nur zwei eingezeichnete Parkplätze. Wer dennoch auf dem Gehweg parkt, riskiert auch als Anwohner einen Strafzettel. „Für mich ist das ein Rechtsbruch“, poltert der Anwalt, der zwar eine eigene Einfahrt hat, aber in der Familie insgesamt drei Autos. Er findet: zwei, drei zusätzliche, offizielle Parkplätze könnte man in die schmale Straße als schnelle Lösung schon noch reinquetschen. Noch mehr sei natürlich drin, wenn die Stadt die Schlossergasse zur Einbahnstraße machen würde. „Das Gesamtproblem in Söflingen werden wir nicht lösen, da braucht es ein Konzept.“

Umfrage

Sogar eine Umfrage dazu hat Schmid in der Nachbarschaft gemacht, knapp 20 Antworten hat er bekommen. Heraus kam, wenig verwunderlich: „98 Prozent finden die Parkplatzsituation sehr schlecht“, sagt er. Und die meisten hätten sich für die Einbahnregelung und einen Teerbelag ausgesprochen. Hauptabteilungschef Michael Jung will Schmids Anregungen bezüglich der Parkplätze jetzt prüfen lassen.

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Konzept und Kosten für die Ochsengasse

Granitpflaster Knapp über 200 Meter lang ist der Abschnitt der Ochsengasse, der 2019 nun tatsächlich umgestaltet werden soll. Sowohl die Straße als auch die Gehwege sind dort altstadttypisch schmal, die hohen Bordsteine schränken die Barrierefreiheit stark ein. Die Fahrbahn muss saniert werden. Das Konzept der Verwaltung orientiert sich an den umliegenden Gassen und sieht einen verkehrsberuhigten, barrierefreien Bereich aus Granitpflaster ohne Gehwege vor. Wo immer möglich sollen laut Verwaltung dann auch Parkplätze eingezeichnet werden.

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