Wie feiert man den Fünfzigsten? Natürlich mit Weißwurst, Blasmusik und lokaler Politprominenz, versammelt im Museumsstadel. So hielt es jedenfalls die Pfuhler CSU, und das zog auch am Sonntag an diesem Frühlingstag im November: Der Saal war voll, sicher auch, weil Theo Waigel seine eiserne Regel vom terminfreien Sonntag gebrochen hatte und gekommen war, um zu gratulieren.

Doch sprach der Bundesfinanzminister a. D. in seiner Festrede nicht allein über Pfuhl, sondern auch über die Rolle Bayerns und der CSU in der Weltgeschichte – den lokalen Bezug immer im Blick. „Pfuhl hat immer eine besondere Rolle gespielt und zu Recht auf Eigenständigkeit gepocht“, befand Waigel, der fast 30 Jahre lang für den Neu-Ulmer Raum im Bundestag saß.

Die Pfuhler CSU dürfe stolz darauf sein, was sie seit 1965 geleistet hat. Ihr Vorsitzender Johannes Stingl führte in seiner Rede durch die Geschichte: Gegründet worden war der Ortsverband am 3. November jenen Jahres – mit 14 Mitgliedern eine reine Männerrunde. In ihrer ersten Phase sei die Partei stark von der Gebietsreform geprägt gewesen: dem Zusammenschluss von Pfuhl und Burlafingen 1972 und der Eingemeindung in die Stadt Neu-Ulm 1977.

Einen Paradigmenwechsel habe es gegeben, nachdem Neu-Ulm in den 90er Jahren Ulm das Briefzentrum weggeschnappt hatte, rekapitulierte Waigel: „Da wurde das Aschenbrödel gegenüber der schönen Reichsstadt zur selbstbewussten eigenständigen Stadt.“ Der 76-Jährige verteidigte den Euro und die Europäische Union – die Grenze zwischen Deutschland und Frankreich sei heute ebenso leicht zu überschreiten wie diejenige zwischen Ulm und Neu-Ulm. „Bei allem Jammern: Es ist die beste aller Zeiten, und ich möchte mit keiner anderen tauschen.“ In der Flüchtlingsfrage positionierte Waigel sich auf der Seite der CSU: Merkels „trotziges Wort ,Wir schaffen das’“ reiche nicht. „Wir müssen die Welt befrieden, damit sich nicht die halbe Welt zu uns aufmacht.“ Das christliche Menschenbild schwebe über allem, „doch wir müssen Realpolitik machen, nicht Gesinnungspolitik.“

So oder so freue er sich immer, die Region zu besuchen, sagte Waigel. „Pfuhl ist eingebettet in eine dynamische Region und ein Deutschland, auf das wir stolz sein können.“

Johannes Stingl und Landrat Thorsten Freudenberger in seiner Eigenschaft als CSU-Kreisvorsitzender ehrten im Anschluss die Jubilare, bei denen sich Freudenberger für ihr ehrenamtliches Engagement in der Partei bedankte.