Die Wahl des FDP-Politikers Thomas Kemmerich zum Thüringer Ministerpräsidenten dank AfD-Stimmen treibt auch Ulmer und Neu-Ulmer Liberale um. „Die FDP hat keinen Einfluss darauf, wem die AfD aus taktischem Kalkül ihre Stimme gibt“, sagt der Ulmer FDP-Bundestagsabgeordnete Alexander Kulitz. Aber: „Es wird keine aktive Zusammenarbeit mit der AfD geben.“ Wenn die CDU kneife, einen eigenen Kandidaten ins Rennen zu schicken und die Wahl zum Ministerpräsidenten nicht nur aus Kandidaten der politischen Extreme bestehen soll, „dann ist es nur richtig und fair, dass sich jemand aus der demokratischen Mitte bereit erklärt, dem mit einer Gegenkandidatur entgegenzutreten“, so Kulitz. Alle Parteien des Zentrums trügen nun die Verantwortung, eine stabile Regierung der Mitte zu bilden.

Das sind Machtspiele

Eine klare Meinung hat der Neu-Ulmer FPD-Fraktionsvorsitzende Alfred Schömig: „Ich finde das nicht gut“. Dass sich ein FDP-Politiker von der AfD mitwählen lasse, sich auch noch zur Wahl stelle, ohne eine Regierungsmannschaft zu haben, das findet er unmöglich. „Das sind Machtspiele – so etwas machen wir hier in Neu-Ulm nicht.“

Mit Grummeln im Bauch

Der Ulmer FDP-Stadtrat Ralf Milde „muss ehrlich gestehen, dass ich das erst mal verdauen muss“. Er sei ja noch nicht lange in der FDP, und die Wahl Kemmerichs sei ein Coup, „aber ich bin mir nicht sicher, ob das richtig ist“. Milde sorgt sich, „ob uns das nicht vor die Füße fällt“. Man wisse ja auch nicht, was hinter den Kulissen abgelaufen sei. „Ja, ein FDP-Ministerpräsident ist schön. Aber auf diese Art und Weise, da hab ich ein Grummeln im Bauch.“

Erwartbare Entrüstung

Das ganz große Problem kann sein Ratskollege Erik Wischmann nicht sehen. Die Entrüstung sei „zu erwarten gewesen“, aber von seinem demokratischen Verständnis her sei das Geschehen in Ordnung. Natürlich habe man als Ulmer FDP relativ wenig zu tun mit Entscheidungen in Thüringen, betont Wischmann. Aber dass die FDP gegen einen Linken-Politiker einen eigenen Kandidaten aufgestellt habe, sei richtig gewesen. Die die CDU habe das ähnlich gesehen. Und dann habe die AfD offenbar „ein geschicktes Spiel gespielt“, um Bodo Ramelow zu verhindern.

Wischmann hofft, dass im Hintergrund im Thüringer Landtag keine Absprachen gelaufen sind. Aber die wichtigere Frage sei, wie die künftige Regierung in Erfurt aussieht und auf welche Mehrheiten sie sich stützen wird. „Erst dann kann man das alles beurteilen.“ Eine „Schwäche“ sei aber, dass Kemmerich sehr wenig Erfahrung in dem Geschäft habe.