CHRISTOPH MAYER

Der demokratische Akt war wohlfeil vorbereitet, der Rahmen ließ nichts vermissen, was der Anlass erforderte: Zwischen Tischkicker und Trinkhorn harrte die Basis der „Partei“ bei einer Kiste Ossi-Bier der Ankunft ihres Spitzenkandidaten, der sich pflichtgemäß verspätet hatte. Bis der Ex-Pirat und einstige Bewerber um den Bürgermeisterposten in „Dings“ … äh, … Asch eintraf, blieb genug Zeit zum Absingen von eigenem Liedgut, das zumeist den romantisch-verklärten Wunsch nach dem Wiederaufbau der Mauer vielstimmig Ausdruck verlieh.

Gleichwohl war Jochen Schmidberger ungehalten, als er den Raum betrat, denn was er zu sehen bekam, amüsierte ihn nicht, zeichnete ihn aber als Kenner aus: „Ah! A’ schlecht’s Bier!“ Wie man bei einer solchen Plörre adäquate Politik machen soll, war ihm schleierhaft. Zumal er als designierter Bewerber um ein Direktmandat für „Die Partei“ in den Bundestag einziehen und neben dem Bierkrug zu Munde noch einiges andere bewegen will. Vor allem „die Wiedervereinigung mit der Südstadt, den rechtsdonauischen Gebieten“, denn „Ulm ist immer noch ein geteilte Stadt, so kann es nicht weitergehen.“

Gut, wenn man da die Parteibasis hinter sich weiß und sich sicher ist, alles nötige an Überzeugungsarbeit geleistet zu haben. „Schmidberger will es werden, er hat schon Schmiergeld bezahlt“, bestätigte der Wahlleiter. Ergo sollte einem einstimmigen Votum nichts mehr im Wege stehen. Für alle Fälle versicherte der Kandidat noch einmal, dass er im Falle seiner Wahl in den Bundestag „vier Jahre lang Jobs zu vergeben“ habe und seine treuen Wähler bedenken werde.

Eine Taktik, die aufgehen sollte: 100 Prozent der Stimmen entfielen auf Schmidberger. Ein Pfund, mit dem er im Wahlkampf wuchern können wird, denn immerhin waren fünf Stimmberechtigte da. Die geballte Wählerpower seiner Partei hat er also hinter sich, die in Ulm/Alb-Donau 61 Mitglieder hat, oder so. Diesem Willen konnte er sich nicht verschließen: „Die Partei befiehlt – ich folge und nehme die Wahl an.“

Eigentlich wollten die Politsatiriker gleich noch einen Neu-Ulmer Kandidaten aufstellen, was aber mangels Stimmberechtigter aus Bayern scheiterte. Dafür verwiesen sie mit einem Seitenhieb auf die Piratenpartei, die „in der Zeit noch beim Aufstellen der Landesliste wären“ nicht ohne Stolz auf die flott durchgezogene Wahl. „Das nennt man moderne Turbo-Politik.“ Vermutlich gemäß der Losung: Wählt ihr noch, oder trinkt ihr schon?