Bahn Leitartikel zur Bahn: Wachsam bleiben

Chirin Kolb
Chirin Kolb © Foto: Könneke Volkmar
Ulm / Chirin Kolb 13.01.2018
Aus Ulmer Sicht gilt es weiter wachsam zu sein, damit die Region von der Bahn nicht abgehängt wird, meint Chirin Kolb.

Es war der politische Aufreger der Woche: Am Flughafenbahnhof Stuttgart sollten nur sechs Fernverkehrszüge pro Tag halten, drei in jede Richtung. So hatte es die DB Fernverkehr geplant, bevor der Konzern nun zurück ruderte. Für Ulm wäre das verheerend gewesen, in zweifacher Hinsicht.

Erstens verkehrlich. Eine der wirtschaftsstärksten Regionen des Landes wäre von der schnellen Verbindung nahezu abgehängt. Den Flughafen vom Ulmer Hauptbahnhof aus in 24 Minuten zu erreichen, war aus hiesiger Sicht wesentlichster Bestandteil der Planung und Basis der breiten Zustimmung. So aber hätte das Milliardenprojekt für die Ulmer kaum Verbesserungen gebracht. Das gilt ebenso für die Menschen aus der Region, die den Ulmer Bahnhof auch als Verkehrsdrehscheibe nutzen, um schnell zum Flughafen zu kommen. Zudem gründen die ambitionierten Pläne der Stadt zum Bahnhofsareal in nicht unerheblichem Maß auf dem Bedeutungsgewinn durch die Neubaustrecke.

Zweitens politisch. Das Thema hat polarisiert wie kaum ein zweites. Vor allem die Ulmer Grünen mussten sich im Spagat üben. Einerseits waren sie für die Neubaustrecke, andererseits verteufelten sie den Tiefbahnhof in der Landeshauptstadt. Eine breite Mehrheit des Gemeinderats mit OB Ivo Gönner an der Spitze hat jahrelang für die ICE-Neubaustrecke gekämpft und gestritten. Wirtschaft und Handwerk setzten sich für sie ein, die Ulmer Wähler votierten in der Volksabstimmung am 27. November 2011 mit fast 70 Prozent für das Jahrhundertprojekt. All die Mühen: nahezu umsonst. Die Deutsche Bahn hätte die Ulmer, also auch ihre Kunden, im Regen stehen lassen.

Natürlich müssen am Flughafen auch ICE halten, nicht nur eher klapprige IC, selbst wenn sie ähnlich schnell sein sollten. Wenn die Bahn eine ernsthafte Konkurrenz zum Flugzeug sein will, muss sie Reisenden einen vergleichbar Komfort bieten.

Es ist dem SPD-Landtagsabgeordneten und Ulmer Stadtrat Martin Rivoir zu verdanken, dass die Pläne der DB Fernverkehr frühzeitig ans Licht kamen und einen heftigen Proteststurm auslösten. Ausgestanden ist die Sache aber längst nicht. Die Deutsche Bahn hat sich nicht gerade als verlässlicher Partner erwiesen. Es gilt, wachsam zu bleiben. Noch ist die Strecke lange nicht in Betrieb, der Flughafenbahnhof schon gar nicht. Was einmal passiert ist, kann wieder passieren.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel