Neu-Ulm VR-Bank bleibt Standort Ludwigstraße treu

Neu-Ulm / FRANK KÖNIG 22.04.2016
Das dürfte spannend werden: Die neue VR-Bank Neu-Ulm investiert am innerstädtischen Standort Ludwigstraße in ein neues Bankgebäude. Ansonsten werden die Folgen der Nullzinsphase langsam sichtbar.

Bei der fusionierten VR-Bank Neu-Ulm ist die Entscheidung für einen Neubau am Alt-Standort Ludwigstraße unweit vom Rathaus gefallen - und somit gegen die erwogene Alternative Heiner-Mezger-Platz. Das berichtete gestern Vorstandssprecher Alois Spiegler. Er hält die bisherige Lage für "hochattraktiv" und rechnet mit einer Planungsphase von etwa zwei Jahren, während der sich das Kreditinstitut alle Optionen offen hält. Spiegler ließ aber durchblicken, dass die VR-Bank ungleich der Sparkasse keine Einheiten an Investoren verkauft.

Die Volksbank Neu-Ulm, die im Zuge des Zusammenschlusses mit Weißenhorn in der neuen Genossenschaftsbank aufgegangen ist, hatte sich für das Projekt bereits zwei benachbarte Gebäude gesichert - darunter eines, das die Stadt vorübergehend mit Asylbewerbern belegt hat. In der Bauphase will die Bank den Stützpunkt Marienstraße 2, der vom Partner Neu-Ulm/Weißenhorn kommt, fürs Kundengeschäft nutzen. Nach Realisierung des neuen Projekts - Start vermutlich 2018 - soll daraus eine Automatenstelle werden: sogar noch erweitert, weil die Eigentümergemeinschaft zum Ausbau der Grundfläche auf allen Etagen einige Stellplätze überbaut.

Die Verwaltungsmitarbeiter können vorübergehend im geplanten Neubau in Weißenhorn, aber auch in Pfuhl untergebracht werden. Spieglers Vorstandskollege Wolfgang Seel sagte, für die Büros der Sachbearbeiter bestehe jedoch in Neu-Ulm weiter Platzbedarf. Dort komplettiert Steffen Fromm nach dem Ausscheiden von Werner Deubel den nunmehr dreiköpfigen Vorstand. Nach seinen Worten stammt das Gebäude in der Ludwigstraße aus dem Jahr 1969.

Die neue VR-Bank spürte in ihrem Fusionsjahr verstärkt die Effekte aus der Nullzinspolitik der EZB. Der Zinschüberschuss ging gegenüber den aufaddierten Werten von 2014 leicht zurück. Falls die Bank Geld am Kapitalmarkt platzieren will, steht bei den Zinsen überall "eine Null vor dem Komma", sagte Spiegler. Daher sei man froh, wegen der starken regionalen Wirtschaft 80 Prozent der Bilanzsumme über Kredite an regionale Firmen sowie Häuslebauer zu verleihen. Das Kreditwachstum war mit sechs Prozent erheblich. Auch Einlagen nahmen zu: "Wir sind ein Hort der Stabilität."

Das anhaltende Volumenwachstum ermöglicht der Bank mit ihren 20 Filialen ungeachtet rückläufiger Überschüsse und des daraus resultierenden Kostendrucks eine "Personalpolitik der ruhigen Hand", wie Seel sagte. Im Zuge der Fusion sollen letztlich 30 von 374 Arbeitsplätzen eingespart werden, ohne Kündigungen. Dazu hat die Bank nun ein Altersteilzeit-Programm aufgelegt, laut Spiegler mit "toller Resonanz". Das laufende Jahr will der Vorstand nochmal darauf verwenden, die Kulturen beider Banken zu verbinden.

Daten und Fakten zur vereinten Bank

Fusion Die VR-Bank Neu-Ulm/Weißenhorn und die Volksbank Neu-Ulm als Juniorpartner fusionierten 2015 problemlos zur VR-Bank Neu-Ulm. Die technische Zusammenführung lief Ende November. Vereinte Bilanzsumme: 1,53 Milliarden Euro (plus 5 Prozent).

Geschäftszahlen Weitere Kennziffern der vereinten Bank: Kundeneinlagen 1,2 Milliarden Euro (plus 5,3 Prozent); Kredite 1,19 Milliarden Euro (plus 6,1 Prozent); Zinsüberschuss 37,2 nach 37,3 Millionen; Provisionsüberschuss 9,67 nach 9,81 Millionen Euro.

Ergebnis Die Fusion führte zu deutlich höheren Kosten, vor allem für EDV und Marketing. Das Gesamtbetriebsergebnis der Bank kann sich gleichwohl wiederum sehen lassen: mit 17 Millionen Euro oder 1,11 Prozent der durchschnittlichen Bilanzsumme.

 

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel