Bayern hat einen neuen Landtag gewählt. Ersten Prognosen zufolge holt die CSU die absolute Mehrheit zurück. Die FDP fliegt aus dem Landtag. Bei den Oppositionsparteien kann einzig die SPD leicht zulegen, Grüne und Freie Wähler verlieren Prozentpunkte.

Die Stimmen sind in allen Bezirken im Landkreis Neu-Ulm ausgezählt. Das vorläufige Endergebnis im Kreis Neu-Ulm (Stand 22.16 Uhr): 

Erststimmen
Dr. Beate Merk (CSU) 47,06%; Karl-Martin Wöhner (SPD) 20,52%; Werner Weiss (Freie Wähler) 9,55%, Holger Greif (Grüne), 7,45%; Roland Prießnitz (FDP) 3,37%; Xaver Merk (Die Linke) 3,12%; Ulrich Hoffmann (ÖDP) 2,75%; Gerhard Eser (REP) 0,55%; Rudolf Rieger (NPD) 1,73%, Peter Kühner (BP) 1,81%; Michael Proißl (Piraten) 2,09%.

Zweitstimmen
CSU 47,60%; SPD 23,18%; Freie Wähler 6,01%, Grüne 8,73%; FDP 3,37%; Die Linke 2,69%; ÖDP 2,17%; REP 0,58%; NPD 1,68%; BP 1,18%; Frauenliste 0,89%; Piraten 1,92%
Die Wahlbeteiligung beträgt 56,76 Prozent. 

Dr. Beate Merk, Direktkandidatin der CSU, hat das Wahlergebnis mit großer Freude aufgenommen. Zur Frage, wie es politisch für die bayerische Justizministerin weitergeht, wollte sich Merk nicht äußern und sagte lediglich: "Ich bin glücklich. Ich wollte das Direktmandat."

Zum Wahlkampf sagte Merk, dass ihre Partei die richtigen Schwerpunkte gesetzt habe. Dazu zählte sie außer der Finanz- und Wirtschaftspolitik auch die Familienpolitik, vor allem in Bezug zum Betreuungsgeld. Damit überlasse man den Eltern die Entscheidung in der Erziehung der Kinder.

Mit der Diskussion um die Einführung eines festen Veggie-Day in Kantinen, das die Grünen ins Gespräch gebracht haben, sieht Merk ein Beleg dafür gegeben, dass noch mehr Zwänge von den Grünen zu erwarten seien. In Bayern aber hätten sich die Wähler eine liberale Lebensweise gewünscht.

Zur anstehenden Bundestagswahl wollte Merk keine Prognose abgeben. Sie sei aber zuversichtlich, dass die Leute erkannt haben: Die Union sei stark und könnte regieren.

Für Holger Greif, Kandidat der Grünen im Kreis Neu-Ulm, ist das Ergebnis enttäuschend. Die Grünen hätten auf ein zweistelliges Ergebnis gehofft. Zum Wahlergebnis für den politischen Gegner, der CSU, sagte Greif lediglich: "Mit der absoluten Mehrheit der CSU ist in Bayern so eine Art Normalität eingekehrt." Die Wahl im Jahr 2008 sei ein Ausreißer gewesen. Das absehbare Wahlergebnis sei schade, weil Demokratie vom Wechsel lebe.

Dabei habe seine Partei auf die richtigen Themen gesetzt, sei aber damit nicht zu den Wählern durchgedrungen. Greif hält den Veggie-Day für ein "prinzipiell richtiges Anliegen", das aber nicht gut transportiert worden sei.

Zur Bundestagswahl sagte Greif: Er habe die Hoffnung, dass das Wahlergebnis den Grünen noch Schub verleihe. Unter anderem auf Twitter hätte man sehen können, dass die Parteianhänger aufgeweckt worden seien. Davor hätte Lethargie Einzug gehalten.

Karl-Martin Wöhner, Direktkandidat für die SPD im Landkreis Neu-Ulm, hat sich vor Ort als Erster zum Wahlergebnis geäußert. Er freue sich, dass die SPD zugelegt habe. In seine Freude mische sich aber auch ein Stück Enttäuschung, dass die Oppositionsparteien in Bayern die CSU nicht von der absoluten Mehrheit haben abbringen können. 

Wöhner gab als möglichen Grund für das Wahlergebnis an, dass die Diskussion um die Pkw-Maut ein sehr emotionales Thema sei. Die CSU habe damit die Bevölkerung mobilisiert. Er sieht den Hauptgrund für das starke Ergebnis der CSU nicht in einem starken Hort Seehofer oder in einem schwachen Spitzenkandidaten Christian Ude (SPD). Die CSU habe vielmehr mit einem Stammtisch-Thema Wahlkampf betrieben.

Mit Blick auf die Bundestagswahl am kommenden Sonntag sieht Wöhner gute Chancen für die SPD und gab sich kämpferisch: "Wir stellen keine Mogelpackung ins Schaufenster." Auf die Diskussion um Peer Steinbrücks Geste auf dem Titelblatt des SZ-Magazins sagte Wöhner, dass das Thema pressewirksam aufbereitet worden sei, aber keinesfalls wahlentscheidend sei.

Roland Prießnitz, Direktkandidat der FDP im Kreis, sieht in dem Wahlergebnis eine "bittere Niederlage für die FDP". Die Arbeit seiner Partei im Landtag sei in der medialen Wahrnehmung schlichtweg nicht rüber gekommen. Dabei habe seine Partei durchaus Akzente gesetzt, etwa in der Bildungspolitik.

Jetzt gelte es, intern zu diskutieren und sich breiter aufzustellen. Ein Fokus einzig auf die Wirtschaftspolitik zu richten, sei seiner Meinung nach nicht ausreichend.

Mit Blick auf den Bundestag sieht Prießnitz gute Chancen, ein Ergebnis von fünf bis sechs Prozent zu erzielen. Es gelte nun, die eigenen Anhänger zu mobilisieren.

Werner Weiss (Freie Wähler) sagt zu dem Ergebnis: "Ich bin zufrieden - mit meinem Ergebnis in Weißenhorn sogar außerordentlich." Dort holte Werner Weiss mehr als 20 Prozent. "Das ist auch eine schöne Vorgabe für die Kommunalwahl im März."

Dass seine Freien Wähler im Freistaat deutlich unter zehn Prozent blieben, bedauerte er. "Wir haben aber trotzdem eine stabile Position auf Landesebene." Dass seine Gruppierung nun nicht das Zünglein an der Waage in Koalitionsverhandlungen - entweder mit der CSU oder mit SPD und Grünen - sei, erleichtere ihn in gewisser Hinsicht: " Die Mitglieder hätten entscheiden müssen. Das hätte uns zerreißen können."

Das Ergebnis der Auszählung kann auf der Internetseite des Landkreises Neu-Ulm eingesehen werden. Im Landratsamt ist auch ein Filmteam des Bayerischen Rundfunks, das die Auszählung der Stimmen begleitet.