Kultur Vorgeschmack auf die Ulmer Kulturnacht am Samstag

BIRGIT EBERLE 16.09.2016
In der Kulturnacht am 17. September sind 500 Künstler an 86 Orten in Ulm aktiv. Dank der Partnerschaft mit dem Aktionstag „ohne Auto – mobil!“ kann man öffentliche Busse und Bahnen gratis nutzen.
Musik gehört, bitteschön, in den Konzertsaal, und Bilder schaut man sich, na logisch, ausschließlich im Museum oder in Galerien an – Pustekuchen! Bei der Kulturnacht, die am 17. September zum 16. Mal in den Städten Ulm und Neu-Ulm anbricht, lassen es rund 500 Kulturschaffende an 86 teils außergewöhnlichen Orten mitunter recht unkonventionell zugehen. 

So etwa „al dente – der Chor mit Biss“: Er wird in der Tiefgarage am Rathaus unterirdisch Gas geben mit Songs von Grönemeyer und den Prinzen. Corina Wagner und Jörg Neugebauer zieht es dagegen ans Donauufer unter die Eisenbahnbrücke, um klassische Arien von Händel bis Puccini und Elegien von Rilke bis Hölderlin unter die Menschen zu tragen. Während Tiefgarage und Brückenunterstand neue Locations sind, sind die „Musikstraßenbahn“ als mobile Soundmaschine und ein Teil der Herrenkellergasse wahre Kulturnacht-Klassiker: Der Verein Kunstfaszination zeigt in der heimeligen Altstadtgasse seit Jahren regelmäßig seine großformatigen Gemälde. Und zwar bei Kerzenschein.

Vom Kuhberg im Ulmer Westen bis nach Burlafingen im Neu-Ulmer Osten und vom Michelsberg im Ulmer Norden bis zum Wileygelände im Neu-Ulmer Süden: Die Kunstschaffenden ziehen mit ihren vielen Attraktionen geradezu ein Kultur- Netz über die Donaudoppelstadt. Ob man zu Fuß, mit dem Fahrrad oder, dank des Aktionstags „Ohne Auto – mobil“, mit öffentlichen Verkehrsmitteln gratis unterwegs ist: Der Weg vom einen zum nächstgelegenen Veranstaltungsort ist meist nicht weit. Dafür die Überraschung über das Angebot umso größer. Auf der Piazza am Brückenhaus zum Beispiel arbeitet Richard Géczi an einer Skulptur aus vergänglichem Material: aus Eis. Und in der Augsburger Straße proben die Bildungsprofis von „Kursiv“ den Tag der geschlossenen Tür. „Hier ist niemand willkommen – keiner erwartet Dich“, heißt es in der Einladung – oder besser: Ausladung. Was da wohl vor sich gehen mag? 

Drinnen oder draußen: Es gibt kaum eine Spielart der Kultur, die am 17. September nicht an die Öffentlichkeit tritt. Drinnen zum Beispiel der Tanz. Und da ganz speziell etwa der chinesische Löwentanz. Er soll böse Geister vertreiben und versucht das im Chinese Kuoshu Institute in der Dieselstraße in Neu-Ulm. Neben dem Schauen ist dort Selberausprobieren möglich, und so können Schwäbin und Schwabe testen, wieviel Asien in ihnen steckt. 

Draußen auf dem Ulmer Judenhof führen die Artisten der Zirkusschule Serrando ihre Körperbeherrschung vor. Wie wohl sich die Kultur unter freiem Himmel fühlt, beweist besonders der Münsterplatz mit Puppentheater, Skulpturenschau, Workshops und einer Talkshow. Dazu sitzt Christine Langer auf hohem Ross – und das ohne überheblich zu sein. Sie rezitiert zu Füßen des Münsters frisch vom Sattel ihres Hengsts weg Gedichte.
Selbstverständlich sind auch die etablierten Kulturstätten am 17. September mit am Start – wie etwa Theater, Museen, Bibliotheken und Musikschulen. Wobei dort beileibe kein Alltagsbetrieb stattfindet. Passend zur Kulturnacht haben sich die Kreativen spannende Extras einfallen lassen. Die Musikschule der Stadt Ulm etwa lädt zu einem musikalischen Dinner mit „kulinarischen und musikalischen Hochgenüssen“. 
Und so gibt es für das Kulturnachtpublikum wohl nur ein Problem: Sich zu überlegen, welche Orte man ansteuern will. 

Kulturnacht-Gebrauchsanweisung

Eintritt Der reguläre Eintritt zur Kulturnacht kostet 10 Euro. Schüler, Azubis und Studierende erhalten die Eintrittsbänder ermäßigt und zahlen 8 Euro. Kinder im Alter bis zu zwölf Jahren, die in Begleitung einer/eines Erziehungsberechtigten unterwegs sind, können gratis zu den Veranstaltungen.

Wo gibt’s die Bänder? Sie sind im Vorverkauf beim SÜDWEST PRESSE-Kartenservice (Frauenstraße 77, Ulm) und bei der SWU traffiti (ServiceCenter Neue Mitte) erhältlich. Ermäßigte Eintrittsbänder können während der Kulturnacht an allen Veranstalterkassen erworben werden – kein Vorverkauf! Pro Eintrittsband fließt ein Euro in die Projektförderung beider Städte zur Unterstützung freier Kulturprojekte. Der Verein Kulturloge bekommt ein Kartenkontingent für Menschen mit geringem Einkommen.

Freie Fahrt Dank der Partnerschaft mit dem Aktionstag „ohne Auto – mobil!“ kann man öffentliche Busse und Bahnen im DING-Gebiet am 17. September gratis nutzen. Die wichtigsten regulären Buslinien zwischen 21 und 0.30 Uhr sind abschnittsweise auf einen 15-Minuten-Takt verdichtet. Die Zusatzbusse haben keine Liniennummern, sie sind mit dem Ziel-Stadtteil beschriftet.

Kulturnachtpreis Zum zweiten Mal vergibt Radio 7 den Kulturnachtpreis. Ein Online-Voting hat die Late-Night im Ulmer Münster, Breakin' the Street auf dem Münsterplatz, den Chor „al dente“ in der Tiefgarage am Rathaus, die Italienische Nacht in der Musikschule Neu-Ulm sowie die Musikstraßenbahn dafür nominiert. Kulturnachtpreis-Wahlzettel liegen am Radio 7-Promostand auf dem Münsterplatz aus, und es kann auch online abgestimmt werden:  www.radio7.de/kulturnacht 

Die Partner Die Ulmer/Neu-Ulmer Kulturnacht wird ermöglicht dank des großen und konstanten Engagements der Kulturakteure, der Sponsoren Berg Brauerei, DING, Fritz & Macziol, Seeberger, Sparkasse Ulm, SWU – und der Medienpartner Radio 7, Regio TV und SÜDWEST PRESSE sowie der Städte Ulm und Neu-Ulm.

Web, App und Broschüre Das aktualisierte Programm samt näherer Beschreibung diverser Nachmeldungen ist im Internet unter kultur-in-ulm.de oder kultur-in-neu-ulm.de abrufbar. Smartphone-Nutzer bekommen das Programm gratis als App: www.kultur-in-ulm.de/web/app

Extra-Programm für Kinder startet schon um 15 Uhr

Die Kulturszene präsentiert am 17. September ein facettenreiches Programm für alle Generationen. Für den Nachwuchs unter den Besuchern beginnt die Kulturnacht bereits nachmittags um 15 Uhr. Ob Theaterstücke oder Musik, Kreativangebote oder Tanz-Workshops: 20 Veranstaltungsorte bieten ein Extra-Programm für Kinder ab zwei Jahren – zum Hören, Staunen, Mitmachen, Ausprobieren und Austoben.

Im Museum der Brotkultur in der Salzstadelgasse in Ulm können die Kids zum Beispiel ein „Seelenhaus“ bauen, und lustige Geschichten mit Kasperl, dem Hund Schnuffi und allen Freunden werden im Ersten Ulmer Kasperletheater erzählt. Die Volkshochschule in Ulm hat gleich jede Menge Angebote für Kinder in petto – vom Mitmachtheater bis zu Aktionen der Kunst- und Kulturwerkstatt kontiki.

Mitgebrachte T-Shirts können auf der Piazza beim Brückenhaus in Neu-Ulm unter Anleitung des Teams Kunstbauraum bedruckt werden. Wer das nicht mag, beteiligt sich vielleicht gerne an der Gestaltung des großen Straßenbilds. Im Donauschwäbischen Zentralmuseum können Kinder (und Erwachsene) Schmuck wie in der Steinzeit herstellen, und das dansarts ballett centrum am Willy-Brandt-Platz bietet Workshops in HipHop, Modern Dance und Stepptanz.

Das Kulturprogramm für Kids endet am frühen Abend mit Workshops und Shows auf dem Münsterplatz und einer Abenteuerführung im Ulmer Museum.

Info Für Kinder bis zwölf Jahre in Begleitung eines Erwachsenen ist der Eintritt bei der Kulturnacht frei. Die Kinder-Programm-Punkte sind auf den kommenden Seiten mit einem Sternchen extra gekennzeichnet.