Verkehr Vorerst kein Radschnellweg für Ulm

Ab dem Jahr 2002 gab es beim Hauptbahnhof für ein paar Jahre bereits ein kleines Fahrrad-Parkhaus mit Verleih.
Ab dem Jahr 2002 gab es beim Hauptbahnhof für ein paar Jahre bereits ein kleines Fahrrad-Parkhaus mit Verleih. © Foto: Maria Müssig
Ulm/Neu-Ulm / Carolin Stüwe 20.03.2018
In Ulm fehlen ausbaubare Strecken für Pendler. ADFC hilft bei Problemen wie Fahrraddiebstahl im Schulhof.

Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) will Berufspendler über Radschnellwege dazu motivieren, aufs Fahrrad umzusteigen. Die ersten drei vom Land geplanten und finanzierten Projekte sind alle im Rhein-Neckar-Gebiet. Ulm sei auch unter den ersten Städten dabei, jedoch stünden weder der Zeitpunkt noch die Strecke fest. Das behaupten Vertreter der beiden Ortsgruppen Ulm/Alb-Donau und Neu-Ulm des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC). Potenzielle Strecken, die mindestens zehn Kilometer sein  müssen, wären etwa die von der Innenstadt zur Universität oder ins Donautal.

Dass Ulm schon auserkoren sei, einen Radschnellweg zu bekommen, dem widerspricht Friederike Christian, die Fahrradbeauftragte der Stadt Ulm, entschieden. „Uns fehlt bisher die infrastrukturelle Grundlage.“ Beispiel: Im Landkreis Göppingen gebe es inzwischen Umgehungsstraßen, die die alte B 10 so entlasten, dass dort nun eine Spur zu einem Radschnellweg ausgebaut werden soll. „In Ulm können wir beispielsweise den Donauradweg deshalb nicht verbreitern, weil auf der einen Seite der Fluss und auf der anderen die Natur ist“, erklärt Friederike Christian. Und auf der Strecke ins Donautal wären vorher viele naturschutzrechtliche Fragen zu klären und man müsste erst Grund erwerben.

Es wäre zwar schön, wenn Ulm irgendwann auch einen Radschnellweg bekäme, aber vorerst gebe es andere Prioritäten wie die Radwegeführung entlang der Baustellen der Linie 2. Immerhin hat die Stadt wie jedes Jahr Förder­gelder beim Land beantragt für den Ausbau des Radwegenetzes. Das nächste Projekt ist, wie berichtet, der Ausbau der Heimstraße zur Fahrradstraße.

Aber auch ohne den ersehnten Radschnellweg haben die Ehrenamtlichen der ADFC-Gruppen genug zu tun. Weil sie von Seiten des Hans-und-Sophie-Scholl-Gymnasiums gefragt wurden, was man gegen den „massiven Fahrraddiebstahl“ auf dem Schulgelände tun könne, schauten sich die ADFCler dort genauer um. „Wir stellten fest, dass die Fahrradabstellplätze veraltet sind und nicht ausreichen“, sagt Peter Beckmann vom Ulmer ADFC. Also werde wild geparkt und deshalb könnten Diebe die Räder einfach wegtragen.

Bike mit roten Streifen

Als nächstes will der ADFC die Schüler aufklären, wie man sein Fahrrad codieren lassen kann, welches Schloss man kaufen sollte und dass man sein Rad auffällig gestalten soll, „etwa mit roten Streifen“. Die Schulen nähmen solche Empfehlungen, stabile und mehr Fahrradständer aufzustellen, zwar an, aber deren (städtisches) Budget sei eben begrenzt, bedauert Beckmann. Bei einer großen Firma sei das etwas anderes: Da würden locker mal 70.000 Euro in neue Fahrrad-Parkplätze investiert.

Weiter hilft der Club Schülern, indem er vor dem Radl-Ausflug einen Reparaturkurs oder ein spezielles Fahrtraining anbietet, damit jeder sturzfrei bremsen kann. Diese Hilfestellungen reichen bis in den Kreis Neu-Ulm. „Dieses Jahr will das Schulzentrum Illertissen die Schulwege seiner Radfahrer genau überprüfen“, ergänzt Walter Radtke vom Neu-Ulmer ADFC.

Entsprechend freut er sich, dass der Landkreis Neu-Ulm und die Stadt Weißenhorn im vergangenen Jahr der Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundliche Kommunen (AGFK) in Bayern beigetreten ist. Innerhalb von vier Jahren muss der jeweilige Kreis oder die Stadt 60 Kriterien erfüllen wie Servicestationen zum Aufladen von E-Bikes aufstellen. Diese Bemühungen werden geprüft und eventuell darf sich die Kommune dann fahrradfreundlich nennen, sagt Radtke, der selbst zu den Zertifizierern gehört.

Stadt Neu-Ulm ohne Ziel

Er bedauert zugleich, dass der Neu-Ulmer Stadtrat es zweimal abgelehnt habe, der AG beizutreten. Als Grund vermutet Radtke, dass es der Stadt zu teuer ist, zu eruieren, wie groß der Anteil der Radfahrer am Gesamtverkehr ist. „Und ein Ziel hat Neu-Ulm auch keins.“ Ulm hingegen sei in der AGFK auf baden-württembergischer Seite und peile bis zum Jahr 2020 einen Anteil von 20 Prozent an. Deshalb sei es wichtig, dass am Hauptbahnhof ein Fahrrad-Parkhaus gebaut wird.

Wo und wie steht indes noch nicht fest, sagte Harald Walter von der Koordinierungsstelle Großprojekte, auf Anfrage. Sicher sei nur, dass 1500 Stellplätze vorgesehen sind: 500 an der Schillerstraße sowie in Bahnhofsnähe 500 überdachte und 500 ohne Dach.

Info Der ADFC veranstaltet auch jede Menge Fahrrad-Touren. Das Programm liegt an öffentlichen Stellen und in Radläden aus. Die ADFC-Aktiven treffen sich an jedem ersten Montag im Monat um 19.30 Uhr im ADFC-Infoladen, Radgasse 8, in Ulm. Die Neu-Ulmer Treffen finden jeweils am zweiten Donnerstag des Monats um 19.30 Uhr ebendort statt.

Codierung zum Schutz vor Diebstahl

Service Bei der Codierung wird eine Nummer mit den verschlüsselten Daten des Fahrradbesitzers in den Rahmen eingraviert. Im neuen eben­erdigen Infoladen des ADFC Ulm, Radgasse 8, werden immer am ersten und dritten Dienstag im Monat ab 16 Uhr Fahrräder codiert. Mehr dazu unter www.adfc-ulm.de oder Tel. (0731) 602 38 88.

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