Ulm Vor 25 Jahren starb ein großer Ulmer: Otl Aicher

Otl Aicher im Selbstporträt.
Otl Aicher im Selbstporträt. © Foto: aus dem Buch "otl aicher - schreiben und widersprechen")
Ulm / HANS-ULI THIERER 01.09.2016
Er gehörte zur Riege der ganz großen, wegweisenden deutschen Gestalter und Designer: Otl Aicher. Vor 25 Jahren starb er nach einem tragischen Unfall.

Er war in einem, was vielen heute als aussterbende Spezies Mensch erscheint: Dickschädel, Querkopf, Vordenker. Auch Anarchist. Und unbestritten einer der größten Gestalter, Grafiker, Designer der deutschen Nachkriegsgeschichte. Mithin ein großer Ulmer: Otl Aicher, vor 25 Jahren gestorben.

Aicher, einer NS-kritischen Ulmer Familie entstammend, war mit seiner Frau Inge Aicher-Scholl und  dem Architekten und Künstler Max Bill die treibende Kraft, dass es 1953 zur Gründung der Hochschule für Gestaltung kam. Weil das Haus auf dem Kuhberg Sammlungsort des damals noch weiter verbreiteten, eingangs beschriebenen Menschenschlags war, konnten Konflikte nicht ausbleiben. Gründungsrektor Bill verließ 1957 wegen Meinungsverschiedenheiten die HfG, die fortan neben Aicher jüngere Dozenten wie Hans Gugelot, Tomas Maldonado  oder Walter Zeischegg prägten.

Sie entwickelten das „ulmer modell“ eine Entwurfsmethodik, die auf Zusammenarbeit mit der Industrie setzte. Vereinfacht gesagt war es so – und im Übrigen einer der Konflikte mit Bill –, dass Gestaltung nicht mehr vorrangig als Kunst angesehen wurde. Sie sollte in einer Welt produktionstechnischer Quantensprünge außer Forschung und Lehre auch praktische Entwicklungsarbeit für die Industrie leisten.

Aicher lebt weiter. Bleibend nicht nur sein gestalterisches Werk – am bekanntesten, unverwechselbarsten seine zu Olympia  1972 in München entwickelten, bis heute international gebräuchlichen Sportarten-Piktogramme, der Lufthansa-Kranich, sowie wegweisende Wegweisungen auf Flughäfen. Aicher entwarf aber beispielsweise auch Möbel. Und er war ein Philosoph des Machens, wovon viele scharfsinnige Texte zeugen. Er war ein „Denker am Objekt“, wie ein Film über ihn betitelt ist.

Einer wie er stirbt nicht einfach so. Es ist das Jahr 1991. An  seinem Altersarbeitssitz in Rotis, einem oberschwäbischen Weiler, den Otl Aicher aus seiner Bedeutungslosigkeit riss und eine Schriftart widmete,  fährt er rückwärts mit dem Rasenmäher aus seinem Grundstück. Es kommt zum Zusammenstoß mit einem Motorradfahrer. Am 1. September stirbt Aicher an den Folgen schwerer Kopfverletzungen, nur 69 Jahre alt.hut

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