Ulm Von Ulm nach Budapest: Die Strecke der Donau Masters

Ulm / ALEXANDER BÖGELEIN 27.06.2013
1000 Kilometer von Ulm nach Budapest. Vielerorts wird der Verkehr angehalten, damit die Donau Masters ungehindert passieren kann - und keiner mault, im Gegenteil. Die Faszination einer ganz besonderen Rallye.

Die Rallye Donau Masters ist nichts für Weicheier. Der Komfort der historischen Fahrzeuge ist häufig karg und lässt die Fahrerinnen und Fahrer die 1000 Kilometer lange Strecke von Ulm nach Budapest hautnah spüren. Lenken ist mitunter harte Arbeit. „Zudem machte im vergangenen Jahr die Hitze den Teilnehmern und den Fahrzeugen zu schaffen“, sagt Tina Rank, die 2013 zum vierten Mal an den Start geht. Ihr mehr als 50 Jahre alter Mini Cooper S blieb damals allerdings schon vor Beginn der Rallye liegen, das erste Ersatzauto auch, weswegen Tina Rank und ihre Beifahrerin Heike Rösch am ersten Tag Gesprächsthema unter den Teilnehmern waren. Ihr Missgeschick ist auch im Film zur Donau Masters 2012 dokumentiert.


Die Strecke auf einen Blick auf einer größeren Karte anzeigen

Von der Rallye ist Tina Rank trotz aller Widrigkeiten begeistert. „Die Hitze macht mir persönlich wenig aus. Zudem haben wir uns nach dem Aufenthalt in Schloss Bela in der Südslowakei, wie andere Teilnehmer auch, mit einem Bad in der Donau abgekühlt“, erzählt die 42-jährige Bankerin aus Steinberg-Staig.

„Ich bin immer wieder beeindruckt, was dieses Organisationsteam leistet. Egal, wo wir hinkommen: Es sieht so aus, als wären die schon ewig da: Alles ist perfekt organisiert und steht bereit, einerlei ob Sonderprüfung, Mittagspause oder Ankunft im Hotel“, schwärmt Rank.

Das Organisationsteam hatte im vergangenen Jahr alle Hände voll zu tun, ebenso wie die drei Service-Teams vom Mercedes-Autohaus Fricker in Ulm. Unter den Reparaturexperten sind Männer, die in früheren Tagen reichlich Erfahrung im Motorsport-Rallyebereich gesammelt haben.

Viel Arbeit fürs Serviceteam

Bei der 2012er-Rallye hatten die Profis eine Vielzahl von Gelegenheiten, mit ihrer technischen Finesse zu beeindrucken – und die historischen Gefährte wieder flottzukriegen. Denn es gab etliche Ausfälle und sogar einen Auffahrunfall. So füllten sich früh der Abschleppwagen und auch der himmelblaue Setra-Bus S 6 (Baujahr 1955). der die gestrandeten Teilnehmer aufsammelt. Doch am Ende blieb der Besenwagen selbst liegen. „Aber das Organisationsteam von Mercedes hat auch dieses Problem gelöst“, erinnert sich Tina Rank.

Zu den schönsten Momenten gehört für sie die Einfahrt nach Bratislava. Vor der Stadt sammelt sich der Tross – und fährt dann mit Polizeieskorte auf den Opernplatz. „Alle Ampeln und Kreuzungen werden von Polizisten gesichert, damit wir an einem Stück durchkommen“, erzählt Rank. „Die Bevölkerung, egal wo man hinkommt, ist begeistert und steht winkend am Straßenrand. Auch wenn die Autofahrer warten müssen, weil 80 Autos über die Kreuzung kommen: Man sieht nur freundliche Gesichter.“

Die erste Etappe der Rallye führt zu Schloss Emmeram in Regensburg. Nach einer kurzen Nachtruhe machen sich die Teilnehmer schon in aller Frühe auf die 480 Kilometer lange Königsetappe der Donau Masters. Sie führt über Passau, Linz, Melk nach Bratislava und endet mit einer exklusiven Abendveranstaltung. Budapest ist das letzte Etappenziel. Bei der dreitägigen Rallye kommt es nicht auf Geschwindigkeit an, sondern auf gleichmäßiges Fahren. Immer wieder müssen die Oldtimer-Piloten ihr Können in Sonderprüfungen beweisen und bestimmte Strecken in vorgegebenen Zeiten absolvieren. Hundertstel Sekunden Abweichung bringen Strafpunkte. Das Team mit den wenigsten Strafpunkten gewinnt die Rallye. Sie zählt übrigens als Wertungslauf zur Veranstaltungsserie „ADAC FIVA Historic Trophy 2013“. Die Teilnehmer kommen aus ganz Deutschland.

Das Road-Book, das mehr als 60 Seiten umfasst, gibt den Teilnehmern die Strecke vor. Darin sind – mit jeweils exakter Kilometerangabe – jede Vorfahrtsstraße, jede Kreuzung, jeder stationäre Blitzer, alle Stempelstellen und die Sonderprüfungen aufgeführt. Die Beifahrer haben mit dem Road-Book buchstäblich alle Hände voll zu tun. Moderne Navigationsgeräte sind bei der Donau Masters tabu.

Ungeniert aufs Gaspedal drücken können die Fahrer bei ihrem Abstecher auf den Hungaroring. Ansonsten ist die Donau Masters eine so genannte Gleichmäßigkeitsrallye. Vor diesem Hintergrund sei es schade, dass sich beim Start der einzelnen Etappen etliche Teams vordrängeln, anstatt hintereinander loszufahren, sagt Tina Rank. „So kam es, dass 2012 die beiden Frauenteams auf der letzten Etappe das Schlusslicht bildeten.“ Das höfliche Geschlecht halt. Aber wie sagt man so schön: „Das Beste zum Schluss!“