Vorfall Wiblinger Ehepaar von einer Drohne ins Visier genommen

Eine ferngesteuerte Drohne (Quadrocopter).
Eine ferngesteuerte Drohne (Quadrocopter). © Foto: dpa
Verena Schühly 09.08.2017
Wiblinger Ehepaar fühlt sich belästigt und in seiner Privatsphäre verletzt. Die Polizei rät, Fotos zu machen und Anzeige zu erstatten.

Für Ingrid und Ralf Hofmann war es eine beängstigende Erfahrung und ein eklatanter Eingriff in ihre Privatsphäre: Die beiden berichten, wie sie neulich gemütlich auf ihrer Dachterrasse saßen – und dann von einer vorbeifliegenden Drohne „fest ins Visier“ genommen wurden. Nahezu in Griffweite schwebte das Flugobjekt eine knappe halbe Minute über ihnen, um dann erst abzudrehen, im Sturzflug wieder zurückzukommen und endgültig zu verschwinden.

„Wir sind bestürzt, dass wir in unserer Privatsphäre so behelligt und belästigt wurden“, beschreibt das Ehepaar seine Erfahrungen. Denn die Dachterrasse im Haus an der Ravensburger Straße ist von unten nicht einsehbar und „im Sommer unser Wohnbereich“, sagt Ingrid Hofmann.

Sie haben gleich darauf bei der Polizei angerufen. Die Beamten waren wenig später vor Ort, aber da war von Drohne und deren Pilot keine Spur mehr zu finden. Die Hofmanns hatten zuvor selbst geschaut, aber auch niemanden ausfindig machen können. „Wie können wir uns schützen?“ Diese Frage treibt das Ehepaar seither um.

„Das ist schwer“, sagte ein Sprecher der Ulmer Polizei auf Nachfrage. „Der Drohne sieht man nicht an, ob sie nur fliegt oder auch filmt.“ Und die Betroffenen, die sich belästigt fühlen, können nur eines machen: sofort die Polizei verständigen und Anzeige erstatten.

Denn rechtlich sind Flüge von größeren Drohnen über Wohngebieten nicht erlaubt, und kleinere dürfen keine Kamera haben oder Grundstücke nur mit ausdrücklicher Erlaubnis der Eigentümer überfliegen.

Die Polizei rät, in solchen Fällen drei Dinge: ein Foto von der Drohne machen, um den Vorfall zu dokumentieren, so viele Informationen wie möglich sammeln und den Vorfall zeitnah anzeigen. Ein Patentrezept zum Schutz allerdings gebe es nicht, auch das Ausfindigmachen des Drohnen-Piloten verläuft in häufig im Sand. Der Sprecher äußerte Verständnis dafür, dass sich Menschen durch derartige Vorfälle verunsichert fühlen.

Vor dem erleuchteten Fenster

Ingrid Hofmann ist nach dem Vorfall eingefallen, dass sie vor fast genau einem Jahr ähnliches erlebt hat: „Ich hatte es mir extra aufgeschrieben, weil ich es kaum glauben konnte. Damals war es bereits dunkel, als ich die Drohne vor dem erleuchteten Fenster bemerkt habe. Der Blick in die Wohnungen war um diese Zeit bestimmt hervorragend.“

Wenn sie den Gedanken weiterspinnt, fragt sie sich: „Wie oft mag die Drohne wohl schon hier gewesen sein, ohne dass wir sie bemerkt haben? Da ist man so hilflos.“ Was für sie auch daran liegt, dass den Opfern die Hände gebunden sind: „Man kann ja nicht einfach etwas werfen, sonst macht man sich sich ja selbst wegen Sachbeschädigung strafbar.“

Gerhard Hofmann fasst nach: „Wer glaubt denn im Ernst, dass private Benutzer dieser neuen Spielzeuge die Regeln befolgen? Die sich hier bietenden Möglichkeiten, nahezu unbehelligt das Privatleben anderer Menschen anonym zu beobachten, sind doch viel zu groß und zu verlockend – und die Gefahr, dabei erwischt zu werden, ist viel zu gering.“

Er sieht „dringenden Handlungsbedarf, um dieses neue Freizeitvergnügen nicht völlig außer Kontrolle geraten zu lassen“.