Von der Quelle zur Quelle

LENA GRUNDHUBER 08.06.2013
18 Künstler, 9 Länder, ein Strom: Das Donauschwäbische Zentralmuseum zeigt die Ausstellung "Der Mensch. Der Fluss" mit Malerei aus den Donauländern. So kehrt das Projekt zurück an seinen Ursprung.

Diese Bilder haben Schneestürme überstanden, sie sind durch Eiseskälte und Sommerhitze gegangen. Mal verschwand ein Kurator, mal waren Werke abgängig, mal fehlte ein Stempel für die Slowakei. "Um welchen Stempel es sich handelte, wissen wir bis heute nicht", sagt Swantje Volkmann. Mit strahlendem Gesicht: Denn das Abenteuer ist glücklich zu Ende gegangen. Die Ausstellung "Der Mensch. Der Fluss" ist in Ulm angekommen, der elften und letzten Station - gewissermaßen aber der ersten, denn hier wurde die Schau konzipiert; Projektleiterin Volkmann würdigte Martin Rill, seit 2011 nicht mehr am DZM, als eigentlichen Initiator.

Der "krönende Abschluss" des Projekts, wie Kulturbürgermeisterin Iris Mann bei der Eröffnung am Donnerstag sagte, ist dem Donauschwäbischen Zentralmuseum vorbehalten, wo gestern auch das Abschlusssymposium stattfand. Dort sind nun jene 64 Werke von Künstlern aus Baden-Württemberg, Bayern, Österreich, Slowakei, Ungarn, Kroatien, Serbien, Bulgarien und Rumänien zu sehen, die seit zwei Jahren durch die Donauländer reisen und sogar noch eine Einladung nach Brüssel bekamen. 50 000 Menschen in neun Ländern haben die Bilder angeschaut. Bei der Tour sei ein intensives Netzwerk entstanden, so Iris Mann.

Diese Absicht stand ja hinter dem Projekt: 18 Künstler "von der Quelle bis zur Mündung" - pro Land waren es zwei - wurden beauftragt, ihre Sicht auf die Donau zu zeigen; der Fluss selbst sollte die zentrale Metapher sein. Ausgewählt wurden die Maler von Kuratoren aus den jeweiligen Ländern, unter anderem von Ulms ehemaliger Museumsdirektorin Brigitte Reinhardt, die auch die Einführung hielt.

Bemerkenswert in der Generation der hier präsentierten Künstler zwischen 20 und 50 Jahre sei, dass die Unterschiede zwischen Ost und West keine Rolle mehr spielten: "Die Grenzen vermischen sich", stellte Reinhardt fest. Und tatsächlich: Stünden nicht die Namen auf den Schildchen - Nationalitäten sind ohnehin nicht aufgeführt -, man wüsste die Bilder dieser Ausstellung meist nicht zuzuordnen. Zu sehen ist klassische Tafelbildmalerei ebenso wie Collage, Aquarell, aber auch ein - indes sehr malerischer - Grenzfall wie das Werk des Stuttgarters Daniel Sigloch. Er malt nicht mit dem Pinsel, sondern mit dem Computer, an dem er hunderte von Foto-Aufnahmen etwa der "Landschaft um Obermarchtal" übereinanderlegt wie lasierende Schichten. Daraus will er eine "Essenz" der Landschaft destillieren. Den Betrachter lockt dann ein zaubrisches, menschenleeres und leicht ver-rücktes Flussbild.

Landschaften surreal-verspielter Art kreiert die gebürtige Ulmerin Franziska Degendorfer, indem sie Stoff und Papier collagiert. Dass die Realität selbst oft einer Collage ähnelt, zeigt Maja Vukoje mit ihrem Belgrader Hausboot am vollgerümpelten Fluss. Jelena Trajkovic endlich setzt Menschen an den Flusslauf, aus der Landkarte der Donauländer geformt, einander über Ufer hinweg an Händen haltend. In "The Use of Man" ist einer in den Strom gesprungen - allerdings in den digitalen Datenstrom. Einmal geschluckt, wird er selbst zum Code.

Nicht alles ist stark - Biljana Stamenics Profile auf Federn etwa stimmen ein wenig ratlos -, dafür gibt es anderswo eindrucksvolle Gesichter. Dunkle, sprechende Kinderporträts hat der Rumäne Bogdan Mateias vor den "Spielplatz" Fluss gestellt. Kinderzeichnungen von Fisch, U-Boot und Dampfer pochen in ihrer Brust, erzählen von den Donauträumen der Jüngsten.

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