Veranstaltung Von der Musik einer Baustelle

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Ulm / Ulrike Schleicher 06.09.2018

Eigentlich ist es zum Heulen: Da kommen ein Stadtplaner, eine Architekturhistorikerin, ein Urbanist und ein Stadtforscher extra aus Berlin nach Ulm, um die Besonderheiten dieser Stadt zu entdecken. Der Grund ist ein von ihnen entwickeltes Stadtspiel, das von Kleingruppen in den Straßen gespielt werden kann und das es auch für sechs andere Städte in Baden-Württemberg gibt. Das Spiel wird von der Landesstiftung gefördert.

Und welche Besonderheit entdeckten die Berliner in Ulm? Die Baustellen. Wirklich sehr schön, sehr attraktiv, gut für das Image. „Naja, sie sind einfach offensichtlich“, sagt Karsten Michael Drohsel, der Stadtplaner. Nicht nur in ihrer schieren Größe wie am Bahnhof, sondern auch, weil dazu noch unzählige kleine Baustellen kommen „und deshalb viele Hindernisse existieren“. Außerdem sei es das Gesprächsthema Nummer eins in Ulm.

Also lag es nahe, dass beim Spiel „Neu-Stadt“ für Ulm, wie es heißt, die Baustelle das Thema schlechthin ist. Weil es aber beim Spiel neben der Architektur und der Struktur einer Stadt auch um deren Atmosphäre, ihre Menschen und um das Entdecken von Neuem geht, bekommen auch die Baustellen eine Chance. Drohsel erklärt das so: „Die Gruppe bekommt zum beispiel die Aufgabe, den Rhythmus dieser Plätze zu erforschen.“ Also welche Geräusche macht ein Bagger, welche ein Hammer, welche der Kran? Und ergeben sie im Zusammenspiel vielleicht eine Art Musik? Oder: Baustellen ermöglichen es den Ulmern, neue Wege zu entdecken. „Einer hat erzählt, weil sich die Verkehrs- und Wegeführung täglich ändert, sei er gezwungen neue Wege zu gehen. Das fand er interessant.“

Und genau darum geht es bei „Neu-Stadt“: Neues und Verborgenes in einer Stadt zu entdecken. So wie man als Tourist fremde Städte erkundet. Voller Neugier: „Man soll riechen, hören, schmecken, schauen, klettern, hüpfen und vieles mehr“, sagt Drohsel.

Anleitung gibt der Reiseführer in Buchform, der den urbanen Alltag in Situationen verwandelt und die Kleingruppen durch die Stadt führt. Dass dabei für Außenstehende durchaus ungewöhnliche Situationen entstehen können, ist für Drohsel klar: „Wenn plötzlich ein paar Leute auf einem Kanaldeckel rumhüpfen, dann kann das schon auffallen“, nennt er ein Beispiel. Egal – am Ende steht die Frage: Will man in Neu-Stadt bleiben, wo die Baustellen Musik machen oder kehrt man zurück ins alte Ulm, wo alle die Nase von den Sperrungen voll haben. Wird man dann sehen.

Info Das Ulmer Roxy ist Veranstalter des Spiels, das am Samstag, 8. September, stattfindet. Treff ist 14.30 Uhr hinter dem Deutschhaus. Mehr Infos unter roxy.ulm.de/programm

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