Wetter Hochwasser: Pegel der Donau und Iller sinken

Ulm/Neu-Ulm / Edwin Ruschitzka, David Nau, Steffen Wolff, Carolin Stüwe 05.01.2018
Die Flusspegel an Donau und Iller sind zwar in der Nacht zum Freitag deutlich angestiegen – allerdings nicht so stark, wie befürchtet. Der Wasserstand geht wieder zurück. Die Hochwasserwarnung wurde aufgehoben.

Die Hochwassergefahr ist gebannt. Zumindest für die Bereiche Ulm und Neu-Ulm. Die Situation an Donau und Iller hat sich entspannt. Die Flusspegel beginnen wieder zu sinken – für den Krisenstab der Städte Ulm und Neu-Ulm Grund genug, Entwarnung zu geben. Auch die aus dem Schwarzwal noch zu erwartenden Wassermassen stellen offenbar keine Gefahr dar.

Große Überflutungen blieben nach ersten Erkenntnissen aus. Lediglich in Ufernähe trat die Donau an manchen Stellen über die Ufer. Teile von Fuß- und Radwegen sowie Schiffsanlagenstellen stehen unter Wasser. Im Bereich des Zusammenfluss’ mit der Donau überschwemmte die Iller den angrenzenden Auwald.

Die auf Neu-Ulmer Seite vorsorglich installierten Schutzwälle am Donaubad kamen nicht zum Einsatz. Das Wasser im Illerkanal stand glücklicherweise nicht hoch genug, um dem Bad gefährlich zu werden.

Das Donaubad mit Eislaufanlage ist ab Samstag, 6. Januar, wieder geöffnet. Die Sperrung des Donauwegs bleibt bis einschließlich Sonntag bestehen.

Der Wasserstand: Pegel sinken

Die Donau bei Neu-Ulm lag um 20.30 Uhr Uhr bei 3,86 Meter, die Iller bei Wiblingen bei 5,41 Meter. Zum Vergleich: Um 16 Uhr lag die Donau bei vier Metern und die Iller bei 5,74 Meter. Beim Hochwasser im Jahr 1999 stand sie bei 7,52 Meter.

Aufatmen auf bei den Anwohnern. „Das Schlimmste dürfte vorbei sein“, sagte Joachim Dostal, der sich zufällig mit anderen besorgten Nachbarn aus dem Wiblinger Wohngebiet Ostermahd am Freitagmittag an der Schutzmauer traf. Immer mit Blick auf seine Hochwasser-App und auf die Prognosen der Hochwasser-Vorhersage-Zentrale hatte er in den vergangenen Tagen die Pegel beobachtet und in der Nacht zu Donnerstag „nicht so gut geschlafen“. Aber die Betonmauer, die vor dem Wasser eines nahen Weihungs-Armes und vor allem vor den Wassermassen der Iller schützen soll, bringe viel. Erst recht seit die mobilen Wände, die den Durchgang zum Pfingstengries-Auwald versperren, nicht mehr aus Holz, sondern aus Metall sind. Dostal wohnt seit 1994 im aufgrund der Lage hochwassergefährdeten Ostermahd und hat schon das heftige Hochwasser von 1999 miterlebt.

Warnung vor Hochwasser

Am Donnerstag hat der Hochwassernachrichtendienst des Bayerischen Landesamts für Umwelt am Donnerstag auch vor der Hochwassergefahr gewarnt, die in erster Linie von der Iller droht. Gemäß der Niederschlagsvorhersagen des Deutschen Wetterdienstes und der steigenden Schneefallgrenze im Allgäu würden die Abflüsse in den südlichen Donau-Zuläufen im Amtsgebiet des Wasserwirtschaftsamts Donauwörth weiter anschwellen, hieß es. Es wurde vorausgesagt, dass schon in der Nacht zum Freitag die Meldestufe 3 deutlich überschritten wird. In der zweiten Tageshälfte soll dann auch der Wasserstand in der Donau steigen.

Die Meldungen haben für umfangreiche Aktivitäten der zuständigen Stellen in den Landratsämtern Neu-Ulm und Alb-Donau, in den Städten Ulm und Neu-Ulm sowie bei den beiden Feuerwehren gesorgt. So hat Neu-Ulm schon am Vormittag den Baubetriebshof angewiesen, die mobilen Wände zu verladen. Nach den verheerenden Hochwasserereignissen im Mai 1999 und im August 2005 hatte die Stadt den Hochwasserschutz am Illerkanal und am Donauufer deutlich verbessert. Dämme wurden aufgeschüttet, Schutzmauern hochgezogen. Die Lücken in den Mauern werden bei Gefahr dann durch die besagten mobilen Wände geschlossen.

Donaubad wurde Freitag geschlossen

„Wir werden damit beginnen, die mobilen Wände auf die Lkw zu laden“, hat Jürgen Gerhardt schon am Donnerstagvormittag erklärt, der stellvertretende Leiter des Neu-Ulmer Baubetriebshofs. Man sei aufgrund der Urlaubssituation nicht voll besetzt, und man wolle für den Fall der Fälle gut und rechtzeitig gerüstet sein. Am Nachmittag tagte in Neu-Ulm dann der Krisenstab und beschloss, im Bereich des Donaubads und in Richtung Adenauerbrücke gleich mit dem Aufbau der Wände zu beginnen. Denn eines soll sich nicht wiederholen: 1999 und 2005 war das damalige Atlantis zweimal richtig untergegangen. Das Donaubad bleibt am Freitag vorsorglich geschlossen, mit dem Sperren des Parkplatzes wurde ebenfalls begonnen. Abgesagt wurde auch das Eishockey-Landesligaderby zwischen den Devils  Ulm/Neu-Ulm und den Eisbären Burgau.

Der Kleingartenverein im Koppenwörth und die außen wohnenden Neu-Ulmer im Kalt- sowie Warmwässerle, auch die Gaststätte im Silberwald wurde informiert. Im Radio gab es zudem warnende Durchsagen.

In Ulm hatte man nach Auskunft von Feuerwehr-Kommandant Hansjörg Prinzing ebenfalls am Donnerstag damit begonnen, die Vorgaben des Hochwasserplans zu erfüllen. Vertreter der Stadtverwaltung, der Entsorgungsbetriebe (EBU), der Stadtwerke (SWU) und der Feuerwehr seien die neuralgischen Punkte abgefahren. In Wiblingen seien die Durchfahrten in Richtung Iller mit Dammbalken verschlossen worden. Der Zugang vom Fischerplätzle zum Donauufer werde am Freitag bei Bedarf mit schon bereitliegenden Sandsäcken verschlossen.

Auch die Region wurde gewarnt

Die bayerischen Iller-Anrainerstädte wie Senden, Vöhringen und Illertissen wurden von Wolfgang Höppler, dem Fachbereichsleiter für den Katastrophenschutz im Landratsamt Neu-Ulm, informiert. Auch im Alb-Donau-Kreis wurden die entsprechenden Vorkehrungen getroffen. In Dietenheim, Unterkirchberg und Munderkingen wurden vorsorglich mobile Hochwasserwände aufgestellt, wie Bernd Weltin, Sprecher im Landratsamt, am Donnerstagabend mitteilte. In Dietenheim wird an der Iller die Meldestufe 4 erwartet, was fünf Meter über Normal bedeutet.

Was die Meldestufen bedeuten

Meldestufe 1 Stellenweise kleinere Ausuferungen der Flüsse.

Meldestufe 2 Land- und forstwirtschaftliche Flächen werden überflutet, es gibt leichte Verkehrsbehinderungen auf Ufwerwegen, aber auch auf Hauptverkehrs- und Gemeindestraßen.

Meldestufe 3 Einzelne bebaute Grundstücke oder Wohnungskeller können überflutet werden. Verkehrsverbindungen werden gesperrt und der Einsatz der Wasser- und Dammwehr ist erforderlich.

Meldestufe 4 Bebaute Gebiete werden in größerem Umfang überflutet. Der Einsatz der Wasser- und Dammwehr ist in großem Umfang erforderlich.

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