Ulm / Christoph Mayer Die Stadt trage eine Mitschuld an Wildwestmethoden auf dem Wohnungsmarkt, findet ein Bewohner.

Die rücksichtslose Kündigung von mehr als einem Dutzend Mietern zweier Ulmer Wohnhäuser durch einen Biberacher Hausbesitzer (wir berichteten) erreicht nun auch die Stadtspitze. In einem Schreiben wendet sich einer der vom Rauswurf bedrohten Mieter (sein Name ist der Redaktion bekannt) aus der Böfinger Stauffenbergstraße 30 an Oberbürgermeister Gunter Czisch (CDU). Erstens, um generell auf den in Ulm offenkundig mehrfach vorkommenden Missstand von Entmietung aufmerksam zu machen. Zweitens mit der Bitte um Hilfe.

Ein Vermieter kündigt allen Mietern eines Hauses, weil er mit WG-Zimmern mehr verdienen will. Nun gibt es Protest.

„Dieser Begründung möchte ich, zumindest teilweise, widersprechen“

Wörtlich heißt es in dem Brief, man habe bereits vor gut zwei Wochen im OB-Büro angerufen, um die Stadt über den konzertierten Rauswurf zu unterrichten. Eine Mitarbeiterin habe dann aber lediglich telefonisch mitgeteilt, es handele sich um eine Privatangelegenheit, bei der man keine Unterstützung leisten könne. „Dieser Begründung möchte ich, zumindest teilweise, widersprechen“, schreibt der Mieter, ein junger Familienvater, an Czisch.

Auch wenn es sich um einen private Rechtsstreitigkeit handele, „sind sind die dafür erforderlichen Voraussetzungen und Umstände von der Politik geschaffen, geduldet und nicht ausreichend zum Schutz der Bürger geregelt worden“. Sprich: Erst die schlechte Lage auf dem Wohnungsmarkt, für die die Kommune durch ihre Baupolitik zumindest gewisse Mitverantwortung trage, bereite den Nährboden für krude Entmietungsmethoden wie in Böfingen und Lehr.

„Weder sind wir der erste Fall noch werden wir der letzte sein“

Weiter heißt es in dem Schreiben: „Als einen durch die Bürger gewählten Amtsträger begreife ich Sie als Teil der Politik. Auch wenn Sie in unserem Fall keine Hilfe leisten können, so bitte ich Sie diese Vorgänge genauestens zu beobachten und dagegen zu wirken. Weder sind wir der erste Fall noch werden wir der letzte sein.“ Zumindest für eine nach Möglichkeit öffentliche Stellungnahme der Stadtverwaltung zu den Vorgängen sei man dankbar.

Der Hausbesitzer hatte der kompletten Bewohnerschaft zweier von ihm frisch erworbener Mehrfamilienhäuser gekündigt. Begründung: Er wolle durch die künftig ausschließliche Vermietung von WG-Zimmern ein Vielfaches an Miete  herausholen. Der professionell am Markt agierende Vermieter bietet zwischen Ulm und dem Bodensee-Raum Dutzende WG-Zimmer an. Seine Internet-Seite hatte er am Dienstag vorerst abgeschaltet.

Das könnte dich auch interessieren:

Entmietung auf brutale Weise: Ein Biberacher Hauseigner geht im Ulmer Norden nach der selben Masche vor wie in Böfingen.