Kommentar Mängelmelder: Vom Meckern zum Machen

„Bürgerbeteiligung fängt meist beim Meckern an“, sagt Redaktionsvolontärin Katrin Stahl.
„Bürgerbeteiligung fängt meist beim Meckern an“, sagt Redaktionsvolontärin Katrin Stahl. © Foto: Marc Hörger
Ulm / Katrin Stahl 05.12.2018
Bürgerbeteiligung fängt meist beim Meckern an. Im besten Fall führt das nämlich zum Machen, meint Katrin Stahl.

„Empört Euch!“, ermutigte einst der französische Diplomat Stéphane Hessel seine Landsleute, die das bekanntlich ja ganz gerne machen. Und auch den Schwaben eilt der Ruf voraus, dass ihnen das Meckern irgendwie im Blut liegt. Böse Zungen könnten behaupten, es sei also kein Wunder, dass ein Online-Beschwerde­system in Ulm großen Anklang findet: Eine Plattform, auf der man sich endlich einmal öffentlich aufregen darf – über Müll, Schlaglöcher und alles, was man sonst noch so auf den Straßen und Plätzen findet.

Womöglich ist dieses leidige Mecker-Image der Grund, warum sich die Stadt von der Bezeichnung „Mängelmelder“ distanziert. Mit dem Begriff des Anliegenmanagements kann zwar niemand so recht etwas anfangen, dafür klingt er positiv, lösungsorientiert und so gar nicht nach Meckerei.

Wobei: Ist der Name nicht eigentlich egal, wenn der Inhalt stimmt? Und da ist Ulm in einer Zeit der zunehmenden Individualisierung mit den Plänen zur Projekt-Weiterentwicklung auf dem richtigen Weg. Denn Bürgerbeteiligung, ob analog oder digital, fängt meist an beim: Meckern. Im besten Fall führt das zum Machen und im allerbesten Fall zum gemeinsamen Machen. Vielleicht ist der Begriff des Anliegenmanagements doch nicht so übel – schließlich kann darunter viel verstanden werden, und mit der Bürgerbeteiligung ist es ja nicht anders.

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