Bauen Von Winning: Große Wohnungen sind Luxus

Baubürgermeister Tim von Winning.
Baubürgermeister Tim von Winning. © Foto: Matthias Kessler
Ulm / Chirin Kolb 17.03.2018
Baubürgermeister Tim von Winning sprach beim Mieterverein über die Herausforderungen beim Bau von Wohnungen.

Stadt und Gemeinderat wollen dem Wohnungsmangel begegnen und innerhalb von fünf Jahren 3500 Wohnungen bauen, rund 700 pro Jahr. Das Wo und Wie ist allerdings nicht einfach. Ein paar der Schwierigkeiten und Herausforderungen umriss Baubürgermeister Tim von Winning in der Hauptversammlung des Mietervereins. Dabei ging es auch um Nachverdichtung.

Wobei: Die Stadtverwaltung spricht lieber von „Innenentwicklung“. Gemeint ist stets das Gleiche. In bestehenden Wohngebieten sollen Brach-, Park- und Freiflächen für den Bau weiterer Häuser genutzt werden. Das habe mehrere Vorteile, sagte von Winning. Der Flächenverbrauch an den Rändern der Stadt und ihrer Ortschaften wird gebremst, die vorhandene Infrastruktur besser ausgenutzt. Läden haben mehr Kunden und können überleben, Busse und Straßenbahnen haben mehr Fahrgäste, und die Sanierung der Straßen lohne sich für mehr Menschen. Das sei auch eine Frage des Geldes: „Wir tun damit etwas Gutes für die nächsten Generationen.“

Leben mehr Menschen in einem Viertel, bedeute das nichts anderes als eine Rückkehr zu früheren Verhältnissen. Vor 50, 60 Jahren war die Bewohnerdichte deutlich höher als heute. Der Grund war, dass die Menschen auf engerem Raum beieinander lebten – und zwar in kleineren Wohnungen. Mittlerweile lebten in größeren Wohnungen weniger Menschen. „Wir hatten in den letzten 60 Jahren einen extremen Wohnflächenzuwachs. Wir können so nicht weitermachen“, sagte von Winning und sprach von „großem Luxus“. 

Freilich gibt es auch das Gegenteil von Luxus: Mieter, die sich ihre Wohnung kaum leisten können, Menschen, die kaum eine günstige Wohnung finden. Die Forderung, billiger zu bauen, sieht von Winning kritisch. Ob Energiestandards, Fahrradabstellplätze oder Fassadenbegrünung: Alle Bauvorschriften seien „mit gutem Grund“ entstanden. Auf sie zu verzichten, mache das Bauen nicht wirklich günstiger.

Heilfroh über die UWS

Entscheidend seien in erster Linie die Grundstückspreise – in Ulm kein Problem, weil die Bauplätze fast ausschließlich über die Stadt verkauft werden, die die Preise erschwinglich hält. Zudem könnten kleinere Wohnungen die Baukosten pro Einheit drücken. „Eine Wohnung mit zehn Prozent weniger Fläche heißt: zehn Prozent günstigere Miete.“

Eine herausragende Rolle beim Bau günstiger Mietwohnungen haben die städtische Wohnungsgesellschaft UWS und Genossenschaften wie die Heimstätte, über deren nachhaltigen und dauerhaften Einsatz er heilfroh sei. Zudem hat der Gemeinderat festgelegt, dass bei größeren Bauvorhaben 30 Prozent sozial geförderte Wohnungen entstehen müssen.

Die Wohnungssituation in Ulm und Neu-Ulm sei zwar angespannt, das Mietniveau trotzdem aber noch moderat, sagte der Mietervereinsvorsitzende Martin Rivoir. Das liege auch daran, dass in Neu-Ulm mit Wiley schon vor Jahren ein großes Wohngebiet entwickelt wurde.

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