30 Jahre Cat Vom Lager zum Live-Club

Ulm / Claudia Reicherter 06.09.2018

Wer im Archiv nach Veranstaltungen in Ulm stöbert, stößt auf allerlei Konzert-Locations, die es heute nicht mehr gibt: Salon Hansen, Pufferbar, Neu-Ulmer Bahnhof . . . Aber das Cat in der Caponniere der Courtine XX der ehemaligen Bundesfestung am Gaisenberg, einen Stock überm Jazzkeller Sau­schdall, gibt es noch. Jüngst stellten im atmosphärischen Gewölbe an der Prittwitzstraße 36 die Ulmer Punk-Rocker As­stereo­idiots und die Kölner Angelika Express ihre neuen Platten vor. Auch die Night­ingales und die Autos kommen immer wieder gern dorthin.

Vor 30 Jahren war der Club nach dem dritten Umbau im Wintersemester 1986/87 des noch dienstälteren Jazzkellers Sau­schdall, der 2013 schon sein 50-Jähriges beging, eher aus einer Notlage heraus erdacht und aus den Festungsmauern gestampft worden: „Die oberen Räume des Sau­schdalls, die bisher als Lager dienten, mussten auf Druck der Stadtverwaltung effektiver genutzt werden“, heißt es dazu in den Annalen. Zunächst gab es dabei jedoch ein Problem: „Vor allem aus Mitarbeitermangel scheut der Sauschdall die mögliche Ausweitung des Kulturangebots.“

Das Studentencafé, wie Cat und Sauschdall vom Verein UStA getragen, aber räumlich etwas weiter unten im Festungsgürtel gelegen, wollte mehrheitlich nicht in die mit neuem Boden, neuer Elektrik, neuer Bar sowie Heizung und Toiletten versehene Courtine XX umziehen. Doch es gab durchaus „Umzugsbefürworter“, und aus diesen rekrutierte sich schließlich das Gründungsteam des Cat, wobei der Name nicht für das gleichnamige flauschig-eigenwillige Haustier, sondern für „Communication of Arts and Technology“ steht.

Am 13. März 1988 war es soweit: Mit einem Doppelkonzert von Moyée und Dixie Workshop wurde das Cat eröffnet. Kurz darauf feierte der Sau­schdall sein 25-Jähriges, und die Semestereröffnungsparty der nahen Hochschule fand erstmals in Kooperation mit dem Cat statt. Als Höhepunkt in der Geschichte des Cat betrachtet Holger Schurr heute das Fest zum 20-Jährigen im Fort am Kuhberg. Der Tiefpunkt folgte 2009: „Da gab’s eine Menge Versäumnis in der Buchhaltung.“

Anfang der 90er wurde das Cat wohl derart von Besuchermassen heimgesucht, dass sich das Team zur Kooperation mit den darunterliegenden Jazzern entschloss. So wurde eine „alldonnerstägliche Discoveranstaltung“ aus der Taufe gehoben, der „DoTaBo“ – Donnerstags-Tanzboden – mit „Cat-­like Indie-Sound“ oben und tanzbaren Jazz-, Funk-, Soul-, Crossover-Varianten unten.

Wohfühlort mit Musik

Diesen „DoTaBo“ lassen die heutigen Cat-Macher, 20 ehrenamtliche Aktive, dem Studentenalter allesamt entwachsen, zum 30-Jährigen wieder aufleben: Das Fest-Wochen­ende läuten Galina Kulstein, Peter Oehmke, Holger Schurr, Andreas Dehn, Markus Mauritz, Felix Lichtblau, Falko Schmidt, Nadja Wenger, Mia Szymnau und Aleksandar Valter als Veranstalterteam morgen mit einer Geburtstagsparty ein.

„30 Jahre bezahlbare Kultur für Jedermann, mit abwechslungsreichem Programm, Konzerten, Diskoveranstaltungen, Conventions und anderen Events“ feiert das Cat, das ein „Wohlfühlort für die Mitmenschen“ sein soll, zudem am Samstag mit einem  Rock-Festival samt kulinarischer Versorgung durchs „Bistro Matroschka“ und am Sonntag mit dem Tag der offenen Tür unter dem Motto: „Ihr wolltet das Cat schon immer mal im Hellen sehen?“

Party, Rock-Festival und Tag der offenen Tür

Sein 30-Jähriges feiert das Cat am Wochenende drei Tage lang. Zu Geburtstagsparty und Jubiläumsfestival gibt es ein Kombiticket für 21 Euro. Nähere Infos auf der Cat-Facebook-Seite, Kartenvorverkauf über ulmtickets.de

Los geht es morgen, Freitag, 21.30 Uhr, mit der DoTaBo-Gedächtnisparty: Dabei legen DJs auf beiden Ebenen „Cat-Classics“ auf: auf Floor 1 bietet DJ Dark Wanderer Dark Wave, Gothic und EBM, auf Floor 2 laden die DJs Pop­eye, Raccoon, Narak und Gecko zu Grunge, Alternative Rock und Crossover.

Zum Höhepunkt am Samstag spielen im Cat unter dem Motto „Regional & Prominent“ von 18 Uhr an Fuzzgun (Stoner-Rock aus Ulm), Xylospongium (Sophisticated Punk aus Winnenden), Krake (Crust-­Core aus Ulm), Die Autos (Indie aus Ulm), Rigna Folk (Neo Indie Rock aus Ulm), Vladiwood­stok (Ompa Twang Polka aus Nürnberg) und die aus Esslinge stammenden Die Nerven mit hochgelobtem Post-Punk und Indie-Rock und neuer Platte.

Einen gemütlichen Ausklang mit Kaffee und Kuchen sowie Kulturprogramm für Kinder und Erwachsene – 15 Uhr Improtheater „Die Nichtschwimmer“; LARP-Taverne mit Orks sowie CAT-Con mit Brett- und Rollenspielen zum Mitmachen und einer Spendenaktion zugunsten des Förderkreises Ulm für tumor- und leukämiekranke Kinder – gibt es am Sonntag zum Abschluss des Jubelwochenendes, 14-19 Uhr, Eintritt frei.

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