Ulm Vom Dreck in Ulm

Kleiner Sündenfall: Dass immer und überall Müll hinterlassen wird, regt viele Ulmer auf.
Kleiner Sündenfall: Dass immer und überall Müll hinterlassen wird, regt viele Ulmer auf. © Foto: Volkmar Könneke
Ulm / HANS-ULI THIERER 09.12.2013
Zustandsbeschreibung von Straßen und Plätzen in Ulm: vermüllt, verdreckt, vernachlässigt. Eine Ganzjahresaufrege, nicht bloß sommers.

Immer am Schwörmontag, wenn die Getränkebecher überschwappen und in der Folge die City zugemüllt ist, schwappt auch die Volksseele über. Doch die Frage, wie sauber eine Stadt sein muss, erhitzt die Gemüter nicht nur im Sommer. Sie hat allzeit Konjunktur und erreicht regelmäßig auch den Ratstisch.

Erst recht, wenn wie in einem halben Jahr Kommunalwahl ist. Denn mit der Forderung nach verschärfter Sauberhaltung der öffentlichen und privaten, öffentlich zugänglichen Flächen lässt sich allemal punkten. Schien der Ruf im Rat nach verstärktem Einsatz der städtischen Entsorgungsbetriebe Ebu und nach verschärften Bußgeldern für private Abfallsünder bislang den CDU-Altvorderen Herbert Dörfler und Siegfried Keppler vorbehalten, so muss uns seit den Haushaltsberatungen nicht bange sein um den Saubermännernachwuchs im Gemeinderat. Jedenfalls echauffierte sich Helga Malischewski (FWG) mächtig über „untragbare Zustände am hellen Sonntagmorgen in der Fußgängerzone“. Was umgehend ihren SPD-Kollegen Hartmut Pflüger auf den Plan rief, der außer der öffentlichen auch die private Hand in der Pflicht sieht, für ein gepflegteres Ulm zu sorgen.

Dies wiederum war das Stichwort für den OB, seine Sicht der Dinge darzulegen. Ivo Gönner, der bei jeder Gelegenheit die Verantwortung des Privatmannes im Gemeinwesen beschwört, ist ja der bekannteste Ulmer Stadtbummler und als solcher immer auf der Höhe der Zeit. Ja, das waren noch Zeiten, „als man halt den Lehrbuben oder s’Lehrmädle zum Kehren hinausgeschickt hat“ – und diese auch noch ohne Murren den Besen in die Hand nahmen, um den Hof zu kehren. Heute sei es oft so, „dass die, die das größte Wort führen, wie die Stadt auszusehen hat oder zu gestalten und wie sie auf- und auszubauen ist, gar nicht in der Stadt wohnen, sondern irgendwo draußen“.

Um sodann zurückzukehren zur Frage, wie der Vermüllung Einhalt zu gebieten sei. Also: „Es besteht die Pflicht, vor seinem Laden sauber zu machen – auch am Sonntag.“ Und: „Entweder man beauftragt Ebu und zahlt. Oder man beauftragt einen Privaten und zahlt. Oder man kehrt selber.“ Oder lässt den Lehrling kehren, wenn man einen hat.