Technikgeschichte Vom Arbeitskreis zum Verein

Die rasende Pantoffel, wie der „Champion“ auch genannt wird: Hermann Holbein hatte seinen Betrieb in Herrlingen.
Die rasende Pantoffel, wie der „Champion“ auch genannt wird: Hermann Holbein hatte seinen Betrieb in Herrlingen. © Foto: Archiv Merkle
Ulm / ruk 05.11.2018

Emud-Radios kamen aus Ulm. Emud? Ernst Mästling Ulm Donau – Emud eben. Bis 1972 wurden die Geräte hergestellt. Dann waren sie Geschichte. Technikgeschichte wie auch die Fotoapparate von Diax, „Leica des kleinen Mannes“ genannt. Walter Voss fing mit der Kameraproduktion nach dem Zweiten Weltkrieg an, der Ulmer Konstrukteur hatte seine Hochphase in den 50er Jahren – und war plötzlich weg vom Fenster. Die Asiaten hatten ihm ebenso wie Mästling das Wasser auf dem Weltmarkt abgegraben.

Radios und Kameras, zwei Beispiele dafür, womit sich der Ulmer Arbeitskreis für Technikgeschichte in den vergangenen 14 Jahren beschäftigt hat. Dazuhin mit Flugpionieren wie Ludwig Rüb oder mit Nutzfahrzeugen von Magirus oder der Pflugfabrik Eberhardt. Regelmäßig sorgten die rund 50 Technikbegeisterten für ein volles Stadthaus, wenn sie wieder Firmengeschichten aufgearbeitet hatten und mit Hilfe alter Filme und Fotos ins Gedächtnis zurückholten.

Das wird sich jetzt ändern, aber nicht, weil der 2003 gegründete Arbeitskreis mangels Mitglieder das Handtuch wirft. Sondern weil aus dem lose organisierten Kreis ein Verein geworden ist: der Verein für Regionale Technikgeschichte, Ulm. Warum ist Ulm mit einem Komma abgehängt? „Weil wir nicht nur Ulmer Firmen im Visier haben, sondern darüber hinaus uns auch Firmen aus der Region widmen“, sagt Günter Merkle, der als zweiter Vorsitzender quasi die Geschäfte des Vereins führt. Vorsitzender ist Otto Künzel, der emeritierte Professor der Hochschule Ulm – er leitete dort das Institut für Technikgeschichte – fungiert als Vorsitzender.

Der Grund für die Vereinsgründung? „Ein pekuniärer“, sagt Künzel, der derzeit an einer umfassenden Darstellung über die Ulmer Uhrengeschichte seit dem 15. Jahrhundert arbeitet. Bislang hat die lose Verbindung der Technik-Interessierten vieles, wenn nicht alles, aus den eigenen Taschen bestritten; gab es Sponsoren, „dann war es schwierig bis unmöglich Spendenquittungen auszustelllen“, so Künzel. Gleiches gilt für Anschaffungen. Das Geld für eine historische Porträtkamera von Pohlack zusammenzubringen, war nicht einfach. „Aber das ist ein Unikat, da durften wir nicht lange fackeln“, sagt Merkle über die Kamera, die jetzt an der Hochschule Ulm steht.

Ansonsten hat sich der Arbeitskreis mangels Mittel zurückgehalten. Einen restaurierten „Champion“, den ersten nach dem Zweiten Weltkrieg in Serie produzierten Kleinwagen aus dem Hause Hermann Holbein in Herrlingen, zu erwerben, wäre zwar schön, „aber eine restaurierte rasende Pantoffel kostet zwischen 40 000 und 60 000 Euro. Das ist unrealistisch.“

Was Lagerräume angeht, erhoffen sich die beiden mehr Entgegenkommen von der Stadt. Künzel: „Die Radios stehen bei mir im Keller. Aber was machen wir mit einem Pflug von Eberhardt?“

Info Der Verein „Regionale Technikgeschichte, Ulm“ stellt sich am Abend der Technikgeschichte am Dienstag, 20. November, 19 Uhr im Stadthaus vor. Wer Interesse hat, kann sich mit dem Vorsitzenden Otto Künzel in Verbindung setzen: kuenzel@hs-ulm.de

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