Markt Vom Alltag direkt ins Mittelalter

Matthias Krebs schmiedet eine Rose.
Matthias Krebs schmiedet eine Rose. © Foto: Matthias Kessler
Edwin Ruschitzka 02.10.2017

Matthias Krebs aus Reit im Winkel ist Schmied und tingelt über Mittelaltermärkte, wenn er nicht in der Hammerschmiede in Blaubeuren sein altes Handwerk zeigt. „Viele Kinder haben noch nie einen Schmied gesehen. Sie kennen zwar Ritter, aber ohne Schmiede hätte es keine Ritter gegeben.“ Und so gibt er sein „gelebtes Wissen“ weiter. Inge Exner aus Illertissen zeigt, wie Haarnetze geknüpft werden. Auch sie lässt sich bei einem ausgestorbenen Handwerk über die Schulter schauen. Das sind nur zwei Protagonisten, die am Wochenende in der Ludwigsvorfeste anzutreffen waren, wo der 9. Mittelaltermarkt abgehalten wurde.

Wo solche Veranstaltungen sind, da sind auch Menschen zu finden, die ein paar Tage dem Alltag entfliehen und am Lagerleben teilnehmen. Wie das Dutzend der Gruppe „Malleum et Acus“, was übersetzt mit Hammer und Nadel heißt. Alle schlüpfen ins dunkle 14. Jahrhundert zurück, genauer in die Zeit, als die Pest wütete. „Weshalb unser Lager abseits der anderen liegt“, erklärt Thorsten von der Gryfenburg, der im wirklichen Leben Bundeswehrangestellter ist und Thorsten Roll heißt. Jeder spielt einen eigenen Charakter und hat offenbar viel Spaß dabei. Daniel und Christina Klein, die einer anderen Gruppe angehören, erklären, was das Faszinierende am Lagerleben ist: Man entflieht dem Alltag, trifft auf Gleichgesinnte und hat es ohne technischen Schnickschnack nett, also ohne elektrisches Licht, ohne Handy.

Veranstaltet wird der Markt von „Gewölbe“ in der Ludwigsvorfeste, dazu vom Dreamland Ulm (Gothik- und Mittelalterkleidung) und von der Gruppe Maushausen, die Kinderunterhaltung anbietet.