Ulm Volles Stadthaus bei Eröffnung der "Ulmer Denkanstöße"

Verantwortung aus Sicht eines Juristen: Der Präsident der Stiftung Weltethos, Eberhard Stilz, hielt zur Eröffnung der "Ulmer Denkanstöße" den Festvortrag.
Verantwortung aus Sicht eines Juristen: Der Präsident der Stiftung Weltethos, Eberhard Stilz, hielt zur Eröffnung der "Ulmer Denkanstöße" den Festvortrag. © Foto: Oliver Schulz
Ulm / CHRISTOPH MAYER 13.03.2015
Welche Verantwortung haben der Einzelne und die Gesellschaft? Antworten darauf wollen die "Ulmer Denkanstöße" geben. Den Auftakt machte gestern Abend Eberhard Stilz, Präsident der Stiftung Weltethos.

Er könne das Wissen und die Ausstrahlung seines Vorgängers "aber noch nicht einmal im Ansatz" ersetzen, hatte Eberhard Stilz vor knapp zwei Jahren gesagt, als er die Präsidentschaft der Stiftung Weltethos vom altershalber scheidenden Stiftungsgründer Hans Küng übernahm - Bescheidenheit ist eben auch eine Zier. Denn als geistreicher und Küng intellektuell ebenbürtiger Redner erwies sich der Jurist gestern Abend im mit mehr als 350 Besuchern übervollen Stadthaus allemal. Mit einem staatsphilosophischen Diskurs über Selbst- und Weltverantwortung, nicht gerade die leichteste Kost, eröffnete der Präsident des Staatsgerichtshofs Baden-Württemberg die "Ulmer Denkanstöße", die sich in diesem Jahr um das Thema "Verantwortung" drehen.

Verantwortung setzt übereinstimmende ethische Werte voraus, sagt Stilz. Die Suche nach solchen gemeinsamen Wertüberzeugungen innerhalb abgegrenzter Kulturkreise, also zum Beispiel in unserem westlichen, greife angesichts der globalisierten Welt, in der alles voneinander abhänge, aber oft zu kurz. "In unseren Diskussionen geht es meist um nationale oder religiöse Grenzziehungen." Das sei zwar psychologisch nachvollziehbar. "Aber doch wäre es vermessen, die gesamte Menschheit auf die christlichen Werte Barmherzigkeit und Nächstenliebe verpflichten zu wollen."

Dem stellt der Stilz das Projekt Weltethos gegenüber. "Es zeigt Maßstäbe auf, die für alle Menschen gelten". Dazu gehörten die Prinzipien der Gegenseitigkeit ("Was du nicht willst, das man dir tu". . .) und der Humanität ("Jeder Mensch soll menschlich behandelt werden"), Prinzipien, die man in allen Religionen und auch bei allen Philosophen finde. Stilz ist überzeugt, dass jeder Mensch, egal welcher Nation, egal ob religiös, agnostisch oder atheistisch, einen Grund-ethos in sich trägt, der zur Erkenntnis von Selbstverantwortung führen kann. Die Verantwortung nur für sein eigenes Leben zu übernehmen reiche ob der globalen Herausforderungen allerdings nicht mehr aus. Zu einem Leben in Selbstverantwortung gehöre eben auch die Erkenntnis, die sein Vorgänger Küng so formulierte: "Unsere aktivierbaren Möglichkeiten an Humanität sind größer als der Ist-Zustand."

Noch mehr Denkanstöße

Freitag Mit drei Vorträgen und einer Lesung gehen die Ulmer Denkanstöße heute in die zweite Runde (Beginn 14 Uhr, Stadthaus). Das Thema "Verantwortung" beleuchten der Münsteraner Philosophieprofessor Kurt-Otto Bayertz, der Chefarzt der Ulmer Uni-Frauenklinik Prof. Wolfgang Janni und der Berliner Psychotherapeut Prof. Michael Wolf. Um 17 Uhr spricht der Arzt und Schauspieler Joe Bausch, bekannt als Kölner "Tatort"-Gerichtsmediziner, über moderne Therapieformen im Strafvollzug.

Samstag Der Samstag widmet sich dann der Verantwortung in der Wirtschaft (ebenfalls Stadthaus, 14.30 Uhr). Impulsreferate halten der Bosch-Aufsichtsratsvorsitzende Franz Fehrenbach, der Ulmer Familienunternehmer Werner Utz und der Ulmer Professor für Nachhaltigkeit, Martin Müller. Ab 17 Uhr referiert dann der Wiener Ethikprofessor Konrad Paul Liessmann im Abschlussvortrag über die Grenzen unserer Verantwortlichkeit. Der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist frei.

 

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