Als Anna-Maria Mayer Anfang 2014 die Diagnose Brustkrebs erhielt, war rasch klar: Sie muss das volle Programm durchmachen – Operation, Chemotherapie, Bestrahlung. So ein Behandlungsmarathon von gut acht Monaten schwächt. Aber schlapp machen wollte die Neu-Ulmerin nicht. So entschloss sie sich dazu, im Rahmen einer Studie der Uni-Klinik gemeinsam mit anderen Patientinnen regelmäßig Sport zu treiben. Zweimal pro Woche hieß es: 90 Minuten Kraft- und Ausdauertraining in den Räumen der Sport- und Rehabilitationsmedizin. „Ich bin noch nicht wieder voll in meiner Kraft, aber ich fühle mich immer besser“, sagt die 51-Jährige, die jetzt eine neue Herausforderung sucht – und auch gefunden hat.

Mayer ist eine von bis dato fünf „neuen“ Patienten, die für die nächste Auflage der Benefiz-Regatta „Rudern gegen Krebs“ trainieren. „Patientinnen aus dem vergangenen Jahr haben mir davon vorgeschwärmt.“ Beim Trainingsauftakt hieß es jetzt erst einmal: Trockenübungen machen. Doch schon von übermorgen an wird sie mit ihrem Team jede Woche eine Stunde auf der Donau rudern, Nahziel: der am 26. Juni auf der Ulmer Donau stattfindende Ruderwettbewerb, der von der Stiftung Leben mit Krebs in Kooperation mit der Uni-Klinik und dem Ulmer Ruderclub Donau ausgerichtet wird.

Kann man in jedem Alter und auch bei schwächerer körperlicher Kondition so einfach mit dem Rudern loslegen? Am Anfang sei es vielleicht noch etwas schwierig mit der Koordination, sagt Übungsleiterin Claire Kutzner von der Sektion Sport- und Rehabilitationsmedizin des Uni-Klinikums. „Aber es dauert nicht lange, dann automatisiert sich der Prozess, und man muss nicht mehr viel denken.“

Der Chef der universitären Reha-Medizin, Prof. Jürgen Steinacker, hält das Ruderprojekt für extrem wertvoll. Wenn Krebspatienten zunächst im Krankenhaus mit sportlicher Betätigung beginnen, sei das zwar auch eine prima Sache. Aber in einer Klinik gehe es immer auch ums Überleben, bei vielen Patienten schwinge unweigerlich der Gedanke an den Tod mit. Anders beim Rudern in freier Natur. „Da orientiert man sich am Leben.“ Hinzu komme der Gruppeneffekt. „Alle sitzen gemeinsam in einem Boot, jeder zieht den anderen mit.“

Sportliche Betätigung ist keine Garantie dafür, gesund zu bleiben – das gilt für Gesunde ebenso wie für Krebspatienten, sagt Steinacker. „Aber es gibt Brustkrebs-Studien, die zeigen, dass der Effekt von regelmäßigem Training genauso hoch ist wie der einer Chemotherapie.“

Auch Sportwissenschaftler Sebastian Schulz, in der Ulmer Reha-Medizin für die Betreuung onkologischer Patienten in der Akut- und Nachsorgephase zuständig, berichtet von positive Resultaten. „Die allgemeine Leistungsfähigkeit hat sich verbessert.“ Bei Patientinnen, die noch während der Chemotherapie mit intensivem Ausdauertraining begonnen haben, seien die im Blut nachweisbaren Entzündungsmarker signifikant gesunken.

Ulmer Ruderclub Donau stellt 100 freiwillige Helfer

Idee Seit 2005 gibt es „Rudern gegen Krebs“. Die in Mainz-Kastell ansässige Stiftung „Leben mit Krebs“ setzt das Konzept mithilfe lokaler Rudervereine und onkologischer Tageseinrichtungen deutschlandweit um. So richtet in Ulm der hiesige Ruderclub die Regatta aus und stellt dafür gut 100 freiwillige Helfer bereit. Hinzu gesellen sich erfahrene Ruderer als Paten, um unerfahrene Teilnehmer-Teams in vier Trainingseinheiten auf das Ereignis vorzubereiten. Nach Mitteilung der Stiftung haben bisher 71 Regatten an 21 Standorten mit mehr als 18.000 Teilnehmern stattgefunden.

Konzept Ziel ist, über Sponsorengelder möglichst viele Teams aufs Wasser zu bringen. 2015 nahmen in Ulm 89 Boote mit Unterstützern aus Unternehmen, Vereinen, Arztpraxen, Kliniken sowie vier Patientenboote teil. Das von Sponsoren kommende Startgeld (300 Euro pro Boot) stammt hauptsächlich von Unternehmen.

Erlöse Mit den Erlösen der Veranstaltung werden unter anderem Sporttherapeuten finanziert, die gezielt Sportprogramme für Krebspatienten im Kinder- und Erwachsenenalter anbieten.

Kontakt Wer mitrudern möchte kann sich unter rgk-ulm.rudernonline.de/ anmelden. Anmeldeschluss ist der 11. Mai