Wenn Basti Jäger am Telefon Luft holt, dann sprudelt es nur so aus dem 25-Jährigen raus. Schwäbisch, fröhlich, frei von der Leber weg erzählt der Musiker und Musiklehrer, der seit zwei Wochen in Weidenstetten die Jungbläser ausbildet, von seiner seit sechs Jahren bestehenden Band Erpfenbrass. Wenn Basti Jäger einst im heimischen Kinderzimmer, später im Gerstetter Posaunenchor und heute im Studio, im Proberaum in Giengen oder auf irgendeiner Bühne Luft holt, dann erklingen Tuba, Tenorhorn, Posaune. Zudem spielt der Fertigungssteuerungsfachmann Schlagzeug.

Über die Jazzband ihrer Heidenheimer Schule lernten er und sein Bruder Jan (24, Posaune) Andreas Schmid (22, Bass) aus Großkuchen kennen. Als 2009 der 50. Geburtstag von Andis Vater anstand, wollte ihn der damalige Heavy-Metal-Fan mit einer Bläser-und-Bass-Version des Polka-Hits "Böhmischer Traum" überraschen. Jans und Bastis Bedenken zerstreute er: "Es gibt a Essa ond an Zwanz'ger." Der Auftritt war ein Erfolg - und sollte zum 50. des Onkels der Jäger-Jungs wiederholt werden. Jener heißt Benny Jäger, gehört zu Herrn Stumpfes Zieh und Zupf Kapelle und betreibt in Erpfenhausen, das zu Gerstetten im Norden des Alb-Donau-Kreises gehört, einen Kultur-Hof. Zu diesem zweiten Gig gab sich das Trio den Namen Erpfenbrass, aus Erpfenhausen und Brass, dem englischen Wort für Blechbläser.

So heißt die zum Sextett angewachsene Band bis heute. Neben einem befreundeten Drummer stieß bald darauf der Neu-Ulmer Christoph Konnerth (23) dazu. Den Sohn des ersten Trompeters am Theater Ulm lernte Jan an der Hochschule für Musik in Würzburg kennen. Bei einem Fest nahm der Fagottist ein Saxophon in die Hand und blies da dermaßen rein, dass er vom Fleck weg verpflichtet wurde. Gelernt hatte "ChriKo" beim Ulmer Saxophonisten Dieter Kraus, sich dann aber aus Zukunftssicherungsgründen fürs Fagott entschieden. "Wenn man Jazz-Saxophon machen will, muss man ja sein Haus verkaufen", erklärt Bandmanager Basti. In dieser Besetzung spielte die Band "jede Woche drei bis vier Mal auf Festle", erzählt er. "Wir waren nicht besonders gut, aber es hat Spaß gemacht." Seit einem spontanen Campingplatz-Jam bei "Woodstock der Blasmusik" im österreichischen Ort gehört auch der 21-jährige Youtube-Star Christian Grässlin, genannt Grischi, mit Trompete und Flügelhorn dazu. Den ursprünglichen Drummer ersetzt seit vergangenem Jahr Markus "Brösel" Ambrosi (30), ein Großcousin der Jägers, der auch bei Siggi Schwarz & Friends den Takt vorgibt.

Jetzt stellt die funkig-jazzige Blasmusiktruppe, die Michael "Flex" Flechsler von Herrn Stumpfes als "Vollblutsspaßmusik-Virtuosen" bezeichnet, mit "Hart verzwungen Vol. One" (Chaos/Edel:Kultur) ihre erste Platte vor. "Manche Sachen macht man gern und manche muss man halt verzwingen", erklärt Basti Jäger den Titel. Denn die elf zum Teil selbstgeschriebenen Stücke wurden an nur zweieinhalb Tagen im Studio in Ludwigsburg eingespielt - samt aller Soli. Trotzdem klingt das alles nach sehr viel Spaß.

Info Am 13. Juni spielen Erpfenbrass in Berghülen beim "SWR 4 Blechduell"-Vorentscheid, am 20. August beim Obstwiesenfestival Dornstadt.