Ulm Vollbart: Oben mit ist bei Männern in

BEATE ROSE 29.06.2013
Auch Männer wollen schön sein. Und zwar nicht erst auf den zweiten Blick. Wie gut, dass bei manchen Männern Haare im Gesicht "wie Hölle" sprießen. Kein Wunder also, dass Vollbärte angesagt sind.

Die Sache mit den Haaren ist für manche Männer ein Grund, Gott anzuflehen. Eben dann, wenn die Haare obenrum verschwinden. Miguel Mosquera betete zwar nicht wegen seines Haupthaarschwunds, aber er ließ es an andere Stelle sprießen. "Ich habe oben nicht mehr viel, da dachte ich, ich lass es im Gesicht wachsen. Als Ausgleich." So erklärt Miguel Mosquera (40), Ingenieur aus Spanien, der derzeit in Ulm arbeitet, seinen Vollbart. Zudem habe er "zarte Haut am Hals". Bei jeder Rasur hatte es an diesen sensiblen Stellen geblutet. Seitdem die Matte sprießt, ist es mit blutigen Unfällen im Bad vorbei. Ein bisschen wild sehe sein Bart schon aus, sagt Mosquera, aber "ich mag es". Sein einjähriger Sohn sei ebenfalls daran gewöhnt. Nur als er mit ihm beim Babyschwimmen war, hätten die anderen Kinder geweint, als sie ihn erblickten. Dabei, sagt Mosquera, "sieht es doch gut aus, oder"?

Bart muss sein, "weils ohne furchtbar aussieht". Das sagt Milton de Matos (40), Sozialarbeiter bei der Stadt Ulm. Trägt er seinen Vollbart aus modischen Gründen? "Klar, seit 20 Jahren." Trends würden ihn natürlich nicht interessieren. Er trägt den Vollbart, weil der ihm prima zu Gesicht steht, findet er. Gibt es ab einer bestimmten Haarlänge Knutschverbot von seiner Frau? "Kein Thema bei uns. Sie kennt mich ja nicht anders."

Ein Bart macht männlich. Das fand die Freundin von Patric Mangold (29), leitender Angestellter aus Ulm. Die Freundin empfahl ihm, die Haare wachsen zu lassen. Er selbst war zunächst gar nicht so begeistert. Dann hat er im Urlaub die Haare im Gesicht doch stehen lassen und fand: "Steht mir." Das war vor eineinhalb Jahren. Seitdem trägt er einen Bart der Marke Holzfäller. Dass Vollbärte derzeit vor allem bei jüngeren Männern angesagt sind, ist Mangold egal. "Ich trage Bart, weil ich mich so wohlfühle." Kürzlich habe er seinen Bart "verschnitten", viel blieb davon nicht mehr übrig. Derart bartlos ist Mangold vor sich selbst im Spiegel erschrocken. "Ich sah aus wie mit 15." Wie gut, dass sein Bart "wie Hölle" wachse. Seitdem er Bart trage, braucht Mangold täglich einen Kamm. Für den Bart, versteht sich. Damit die Haare ordentlich liegen. Und im Winter braucht er einen Föhn. Für den Bart. Denn nach einem "Schaumbart" unter der Dusche muss der trocken geföhnt werden. "Wenn nicht, ziehts." Ein Bart macht männlich. Aber ein Bart macht auch älter und seriöser. Und das sei im Berufsleben ganz gut.

"Ich bin Bartfan", sagt Utku Arabul (28), Friseur aus Ulm, der in einem Salon in der Innenstadt arbeitet. Seitdem bei Arabul im Alter von 14 die Haare im Gesicht wuchsen, trägt er Bart. Mal Schnauzer, mal spanischer Knebelbart, derzeit Vollbart. Denn mit Bart sehen Männer männlicher aus, "einfach besser". Sein Kollege Dario Nico Pedicillo (26) sieht es genauso. Er formuliert es so: "Der Bart ist das Make-up des Mannes." Alle Frauen würden darauf stehen. Er lässt es seit vier Jahren wachsen, Arabul "schon immer". Arabul hat das Glück, dass es bei ihm dicht sprießt. Mitunter habe er den Bart so lang getragen, dass der in Höhe des Bauchnabels endete. "Da bekam ich im Salon schon zu hören, ob ich ein Terrorist sei. Das war aber witzig gemeint."

Über die Pflege wissen die beiden Herren vom haareschneidenden Fach bestens Bescheid. Ein Grund, weswegen sich die beiden gegenseitig die Bärte rasieren und schneiden. Pflege muss sein, denn schließlich schmückt nur ein gepflegter Bart den Mann. Ungepflegte Bärte lassen Männer nach Unfall mit Haaren aussehen, eben nach Rübezahl. Und vor dem lief bekanntlich die Königstochter davon.

Waschen, kämmen, kuren: Wie der Bart gepflegt werden muss