Ulm Volksfest: Fahrgeschäfte kosten teils über eine Million Euro

René Bergmann erläutert bei der Info-Tour die Euro-Rutsche. Durch die rationelle Logistik betreibt er das Fahrgeschäft zu zweit mit seiner Frau.
René Bergmann erläutert bei der Info-Tour die Euro-Rutsche. Durch die rationelle Logistik betreibt er das Fahrgeschäft zu zweit mit seiner Frau. © Foto: Volkmar Könneke
Ulm / FRANK KÖNIG 20.07.2015
An Schwörmontag laufen die Karussells auf dem Volksfest nochmal auf Hochtouren. Über das Leben der Schausteller und ihre Fahrgeschäfte informierten die Veranstalter bei einer „Backstage Tour“.
Ein Fahrgeschäft, wie es auf dem Ulmer Volksfest aufgebaut ist, kostet leicht über eine Million Euro; die Gebühr für die behördliche Abnahme kann fünfstellig ausfallen; und die Schausteller sind oft elf Monate im Jahr unterwegs. Solche Details konnten die ausgelosten Teilnehmer einer „Backstage Tour“ am Samstag in der Friedrichsau erfahren. Oliver Fischer von der IG Volksfest führte rund ein Dutzend Interessierte über den Platz, auf dem sich die zahlreiche Schausteller vorstellten.

Eric Dietz aus Saarbrücken präsentiert hier erstmals das „Rio“, einen Abenteuer- und Hindernispark über vier Etagen, vom Skywalk kann man über den Platz blicken. Kostenpunkt: „Das ist nicht weit von siebenstellig entfernt.“ Einige der eingebauten Attraktionen sind von italienischen Herstellern, die er mit für die besten auf diesem Feld hält.

Dietz ist mit dem diesmal auch vom Wetter begünstigten Volksfest – Start war am 10. Juli – „sehr zufrieden“. Der Service für die Schausteller ist aus seiner Sicht einzigartig – mit einem Handbuch, in dem sogar die Apotheken-Notdienste stehen. Die Saison-Arbeiter aus Rumänien werden zum Mindestlohn bezahlt.

In seiner Nachbarschaft steht die Euro-Rutsche von René Bergmann, die anders als die Wildwasser-Rutsche seines Onkels ohne Wasser auskommt. Wasser und speziell Strom sind für die Schausteller teuer, sagte Gudrun Sommerer bei der Brezelbäckerei. Der Backwagen inklusive Technik kostet demnach fast so viel wie die Rutsche: 350.000 Euro.

Bergmann bezahlte für die 35-Meter-Bahn 425.000 Euro, hat noch ein Förderband für 45.000 Euro draufgelegt. Dann kam die Genehmigung: „Das Gutachten kostete 12.000 Euro.“ Es gibt auch kleinere Abnahmen an jedem Standort. Bergmann macht nur im Februar Pause.

Ein modernes Karussell wie der Break Dancer von Timo Zöllner aus Öhringen mit 32 Sitzplätzen auf einer Drehplattform liegt schon weit über der Millionengrenze. Robert Filser aus Karlsruhe hat eine 20 Meter hohe und 14 Meter tiefe Geisterbahn mitgebracht. Die Figuren der Geister werden pneumatisch gesteuert. Gesamtgewicht: 45 Tonnen.

Schon zu den historischen Fahrgeschäften gehört die Achterbahn von 1964 der Familie Schneider, mit 400 Meter Schienenlänge, bis 13 Meter Höhe, Transport mit fünf Lkw. Der Aufbau – mit Kran – dauert drei Tage, der Abbau zwei: Per Schild wird nach Hilfskräften gesucht.

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